Nikon AF-S 24-120mm f/4 VR im Test

Am 22. August 2011 von Paddy veröffentlicht

Jaja, wer hätte das geglaubt. Da kauft sich der Paddy doch auf seine alten Tage noch so ein Allround-Zoomobjektiv mit einer Blende groß wie ein Nadelöhr. Vor einigen Tagen ist mein neues Nikon 24-120mm f/4 mit Vibrationsalarm eingetroffen und nun gibt es gleich mal den ersten Testbericht. Ich war etwas unterwegs mit dem kleinen Schwarzen und der D700, habe etwas geknipst und mir dann die Fotos angeschaut. Keine Laborwerte, sondern mal wieder die pure Subjektivität 😉

Warum?

Ich habe das hochgelobte Nikon 24-70mm f/2.8 und da fragt man sich doch wieso ich mir diese Scherbe kaufe. Sooooo groß ist der Unterschied ja nun nicht und immerhin hat das 24-70 bereits bei f/2.8 eine tadellose Abbildungsleistung. Der Grund ist die Brennweite. 70mm sind wirklich nicht viel und speziell auf Reportageeinsätzen fehlt mir die Brennweite oberhalb von 70mm. Wenn man so durch die Hochzeitsgesellschaft flitzt und ein paar Momente einfangen will, dann sind mir 70mm einfach zu kurz. Bisher habe ich dafür viel lieber das 70-200mm f/2.8 genommen, welches aber unten rum wieder etwas zu knapp ist. Ausserdem wiegt es auch gefühlt eine Tonne. Das Nikkor 24-120mm f/4 VR ist da eigentlich genau das richtige Mittelding. Bis 120mm ist man super gewappnet und hat auch im Weitwinkel ein bisschen was in Reserve, wenn mal etwas mehr drauf sein soll. Nun gut, eine Blende fehlt. Ja, das tut schon ein bisschen weh. Spätestens wenn es duster wird, ist man froh über jedes bisschen Licht was man bekommen kann. Auf einer Hochzeit spielt sich jedoch viel draußen ab und da ist es meiner Meinung nach ideal und an Flexibilität kaum zu übertreffen.

Haptik und Verarbeitung

Das Objektiv fühlt sich gut an. Man liest von zu viel Spiel im Zoom- und Fokusring. Das kann ich nicht bestätigen. Der Zoom funktioniert bei mir einwandfrei. Er könnte ein klein wenig leichter gehen, allerdings würde dann wahrscheinlich der Tubus von alleine ausfahren, wenn man die Kamera mit dem Objektiv nach unten trägt. Dieses Thema kennt man ja von einigen Zoomobjektiven und ich muss sagen, dass mich das sehr nerven würde. Hier aber keine Spur, das Objektiv bleibt auch kopfüber in seiner Position. Alles in allem fühlt es sich gut an, ein Nikkor eben 😉

Erster Eindruck / Bokeh

Beim letzten Shooting habe ich am Ende mal schnell noch einen Schuß mit dem Nikon 24-120mm gemacht um auch mal ein Portrait damit vorzeigen zu können. Das Foto wurde bei f/4 und 112mm gemacht. Ich finde das Bokeh muss sich nicht verstecken und die Schärfe ist auch gut. Es ist nicht rasiermesserscharf, so dass ich nachschärfen musste, aber trotzdem brauchbar. Hier kommt mal ein Ausschnitt des Auges. Links ungeschärft, rechts in Lightroom nachgeschärft.

 

Also nicht der Überflieger, aber auch nichts was man nicht mit einem Klick in den Griff bekommt. Ab f/5.6 wird es noch einmal einen Tacken schärfer. Wen es interessiert, der kann sich auch gerne mal mein Video zum Thema „Richtig schärfen in Lightroom 3“ anschauen.

Verzeichnung

Bei 24 mm ist die Verzeichnung zu sehen. Besonders auffällig natürlich, wenn man irgendwelche Linien fotografiert. Ich habe einfach mal die Klinkersteine vor meinem Studio portraitiert um zu sehen wie stark die Verzeichnung ist. Aber auch das lässt sich mit einem Klick beheben. Die Objektivkorrektur hat für das 24-120mm f/4 ein Profil und so ist die Verzeichnung sofort weg. Links Original und rechts die Lightroom-Fälschung.

 

Für meine Zwecke ist das absolut in Ordnung und kein Grund sich gegen das Objektiv zu entscheiden. Zur Objektivkorrektur hätte ich da auch noch ein Video im Angebot.

Schärfe und Chromatische Abberationen in den Ecken

Chromatische Abberationen sind besonders in den Ecken bei dem 24-120mm deutlich zu sehen. Hier mal ein Ausschnitt der linken oberen Ecke. Jou, ist schon ein bisschen Gelb an den Übergängen zwischen Klinker und Fuge.

Glücklicherweise wird dieses Problem ebenfalls mit Lightroom durch die Objektivkorrektur behoben, so dass es für mich nicht weiter tragisch ist.

Zu sehen ist an dem Ausschnitt auch, dass die Schärfe in den Ecken nachlässt. Aber erst verhältnismäßig spät wie ich finde und auch nicht so furchtbar, dass man nur noch von Matsche reden könnte. Wegdiskutieren kann man die leichte Unschärfe jedoch nicht.

Vignette

Auch sieht man eine kleine Vignette in den Ecken. Diese fällt jedoch kaum ins Gewicht und wenn man wie ich eh bei fast jedem Bild eine künstliche Vignette hinzu fügt, dann spielt das keine Rolle. Erwähnte ich schon, dass auch die Vignette mit der Objektivkorrektur beseitigt wird? Ein Beispielbild auf dem man es wirklich gut sieht, habe ich leider nicht. Bei dem Portrait ganz oben wurde noch etwas künstliche Vignette hinzugefügt, also keine Angst, so krass ist sie nicht.

Fazit

Was ich auf den ersten Blick sehe hat mich überzeugt, Test bestanden. Ich habe kein Überobjektiv erwartet und mir war klar, dass es speziell an den Rändern am Vollformat doch das ein oder andere Problemchen gibt. Aber bis auf die leichte Unschärfe kann ich alles mit einem Klick auf die Objektivkorrektur beheben. Das kostet mich keine Zeit. Die Flexibilität, die ich durch das Objektiv gewinne, bedeutet mir speziell für Reportagezwecke mehr als eine tadellose Abbildungsleistung. Wenn es nicht stockduster ist, kommt man auch mit f/4 gut zurecht. Selbst das Bokeh kann sich sehen lassen und man kann im oberen Brennweitenbereich doch sehr schön freistellen. Was will man also mehr? Ich finde für knapp 1.000,- € kann man das Nikon 24-120mm f/4 VR durchaus bringen. Bei unbewegten Motiven hilft zudem der Stabilisator auch gerne mal übern Berg, wenn es eine etwas längere Belichtungszeit sein darf.

Ich mag das Objektiv für meine Zwecke und es bekommt einen festen Platz in der Hochzeitsreportage-Tasche. Ausserdem wird es bestimmt ein gern gesehener Begleiter, wenn ich mal wenig Equipment schleppen möchte.

Sicherlich fragt Ihr Euch, ob ich das 24-70 nun verkaufe. Nein, das werde ich nicht tun, zumindest nicht so lange, wie ich nicht absolute Geldnot habe. Manchmal ist f/2.8 und die Abbildungsleistung des 24-70 dann doch wieder gefragt. Und ich kann mich doch nicht trennen von den kleinen runden Lieblingen 😉

Hier noch ein paar Bilder, die ich mit dem 24-120 geschossen habe. Und ja, alle Bilder sind nachbearbeitet. Ich halte nichts von „Out Of Cam“, da ich solche Bilder eh nie zeigen würde und zudem RAW-Dateien immer etwas Nachhilfe benötigen.

 

 

Veröffentlicht in: Nikon nach oben

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Kommentare (26)

  • Sebastian schrieb am 22.08.2011

    Ich habe auch schon über die Anschaffung eines 24-120 nachgedacht, habe es aber bis jetzt noch nicht getan. Als „allround-Objektiv“ sicherlich sehr gut und perfekt geeignet.

    Danke für deinen ausführlichen und guten Test.

  • Jens Wild schrieb am 22.08.2011

    Wow, das ist mal wieder ein sehr hilfreicher Test! Denn die 70mm des 24-70 sind mir „obenrum“ auch immer etwas wenig und mir fehlen dann auch noch 10mm bis ich mit dem 80-200 anschließen kann. Ich denke jetzt mal etwas intensiver über das 24-120 nach… 😉

    (PS: Sollte es im Fazit nicht heißen: „Ich finde für knapp 1.000,- € kann man das Nikon 24-120mm f/4 VR durchaus bringen.“)

    • Paddy schrieb am 22.08.2011

      Ooops, sorry. Bei dem ganzen 24-Kram kommt man aber auch durcheinander 😉

  • Rene schrieb am 22.08.2011

    Sobald ich meie neue D4 habe, kommt das als Kit dazu! 😉

  • Chris schrieb am 22.08.2011

    Mal ne doofe frage:
    Lohnt sich solch ein Objektiv (oder auch das 24-70 f/2.8) eigentlich an einer D90?

    • Paddy schrieb am 22.08.2011

      Ja

      • Chris schrieb am 22.08.2011

        Wobei man dann ja durch den Cropfaktor schon bei 35-180mm ist oder?
        Mal schaun, werde mir das mal bei meinem Fotohändler übers Wochenende leihen und austesten…

    • Sebastian schrieb am 23.08.2011

      Ich hab das 24-70 f/2.8 von Sigma an der D90 und bin sehr zufrieden. Das einzigste ist das der Autofokus manchmal daneben liegt. Liegt aber eher an der Sigma Linse.

    • Matthias schrieb am 23.08.2011

      Ich denke Lichtstärke und Qualität sprechen für sich 😉 Klar lohnt sich das!

  • Matthias schrieb am 22.08.2011

    Danke für den subjektiven Test.
    Ich denke das wird mein „Kit“ Objektiv bei der D800, wenn sie denn kommt.
    Aktuell nutze ich das 17-55 2.8 am Crop. Ist mir oben raus aber etwas kurz. Und für Innenarchitektur kann der VR die eine fehlende Blende auffangen.

  • Danke für diesen ausführlichen Test. Ich habe ja den Vorgänger und der ist in den Ecken ziemlich matschig. Andererseits mag ich eben auch diesen Brennweitenbereich, habe ihn an der R1 schon sehr geschätzt. Von daher bin ich sehr am überlegen mein altes 24-120 gegen das neue zu ersetzen.

  • Rainer Weiß schrieb am 22.08.2011

    Seit April 2011 habe ich das 24-120 im Einsatz, derzeit an einer D90, in absehbarer Zeit hoffentlich an einer D800. In Kombination mit dem Nikkor 70-300-er (4,5-5,6) und einem Tamron 90er-Makro (gelegentlich verwende ich auch die 18-105er-Kitoptik) ist es für mich die perfekte Optik – ich würde es jederzeit wieder kaufen und empfehle es vorbehaltlos weiter.

  • Sven schrieb am 22.08.2011

    Danke für den Test, subjektiv aber informativ 😉
    Muss ich mir unbedingt mal näher anschauen die Scherbe. Ich wechsle immer zwischen 17-55 f/2.8 und 70-200 f/2.8. Gerade letzteres kann ganz schön schwer werden. Zum Glück ist Weihnachten ja nicht mehr so lang hin 🙂

  • Febbel schrieb am 23.08.2011

    Hi Paddy,
    is ja lustig, habe genau die gleichen Überlegungen vor knapp 4 Wochen angestellt und mich dann durch gerungen die „Scherbe“ zu kaufen. Hatte bisher die Gelegenheit damit 4 Hochzeiten zu fotografieren und muss sagen, es ist die optimale Mischung zwischen Flexibilität, Preis und Leistung.
    By the way: Freue mich auf die „Knackscharf-Tour“, werden uns dann in FFM sehen.

  • Matthias schrieb am 23.08.2011

    Macht doch einen top Eindruck!
    Super Review!

  • uwe westphal schrieb am 23.08.2011

    Wie sieht das Röhrchen an der D7000 aus?
    Machst Du mal ein paar Bilder für uns?

  • Florian schrieb am 23.08.2011

    Hi Paddy!

    Eine kurze Frage: Hast Du das 28-300er auch in Deine Überlegungen mit aufgenommen?
    Ich stehe mit meiner D700 und dem 24-70mm 2,8 vor derselben Frage.
    Brauche ein Allrounder, bei dem ich unter Aperture auch gerne etwas Hand anlegen kann…

    • Febbel schrieb am 23.08.2011

      Hi Florian,
      wie ich 3 Kommentare über Dir geschrieben habe, hab ich mich auch von dem 24-120er überzeugen lassen. Ich hatte auch zuvor das von Dir in Betracht gezogene 28-300er probeweise auf der D700 drauf und war bereits nach kurzen ausprobieren davon überzeugt, dass es nicht meine Linse sein wird. Klar, der Zoombereich ist recht groß, jedoch sprachen in meinen Augen einige Punkte gegen den Erwerb des Megazooms:
      – am kurzen Ende fehlt mir der Bereich zw. 24 – 28mm
      – Schärfe der Bilder fand ich nicht überzeugend
      – Geschwindigkeit des AF

      Möglicherweise wird die Optik eine gute Figur an einem APC Sensor machen oder wenn man nicht die PRO Linsen aus der 2,8-Blendenfraktion gewohnt ist und immer diese Ergebnisse zum Vergleich heran zieht.

  • Woifee! schrieb am 23.08.2011

    Hi Paddy!
    Wo bist du beim insgesamt 7. von 10 Fotos gestanden? In der Nähe von Övelgönne?

  • Karsten schrieb am 26.08.2011

    Passt vielleicht nicht perfekt zum Thema, aber ich versuch es trotzdem mal. Sag mal Paddy hat es einen Grund warum du Nikon bevorzugst und nicht zum Beispiel Canon? Fotografiere hobbymäßig nämlich auch und mich würde das mal interessieren.

    Gruß Carsten

  • Ich habe das 24-120mm seit einger zeit im gebrauch und bin damit zufrieden. ein guter kompromiss zwischen preis, qualität und gewicht.

  • Abbilder schrieb am 06.07.2013

    Danke für den Bericht. Ich bin in DX mit dem 17-55 unterwegs und spiele mit dem Gedanken, auf FX zu wechseln. Das 24-70 ist mir zu teuer,schwer und am langem Ende zu kurz. Wie macht sich das 24-120 auf FX denn im Vergleich zum 17-55 auf DX, in Bezug auf Bildqualität und Autofokusgeschwindigkeit.

    Beim 17-55 liebe ich die Offenblendequalität und den Autofokus bei Reportagen und Portraits. Dagegen staune ich immer wieder bei z.B. Gruppenaufnahmen, wie schlecht das 17-55 dabei abschneidet.

  • Michel schrieb am 20.08.2013

    Paddy, Danke für den Bericht.
    Dann bin ich ja mit meiner Meinung doch sehr Nahe an den Profis!
    Der Brennweitenbereich war Ausschlaggebend und die Blende 4 geht bei der D$ auf Grund des guten Rauschverhaltens doch sehr gut.
    Hab es mir gemeinsam mit der D4 gekauft. Derzeit das einzige Objektiv und bin bis jetzt sehr zufrieden – 70-200 wartet noch auf meine Ersparnisse 🙂
    lG Michel

  • haui0_2 schrieb am 06.12.2013

    Habe mir auch die D4 und das 24-120 zugelegt und deshalb habe ich Deinen Bericht verschlungen 😉
    War interessant und informativ ( wie auch Deine anderen Beitraege).
    Habe auch andere Foren im Auge, so sollten mehr Artikel geschrieben werden.
    PS: Neben dem CF Fach waere mir entweder ein zweiter CF oder eben etwas vor allem gaengiges Kartenformat anstatt eines Exoten recht gewesen.
    Die Geschwindigkeit und Sicherheit einer CF haette mir ausgereicht.

    Gruss haui0_2

  • Tommilein schrieb am 14.02.2014

    Hi,
    zunächst einmal mein Kompliment zu Deiner überaus interessanten und lehreichen Homepage. 🙂
    Ich habe mir das Objektiv zusammen mit der D600 gekauft und kann Deine Angaben nur samt und sonders bestätigen. Die kleinen Schwächen (Jammern auf hohem Niveau) lassen sich mit DXO locker und automatisch beheben. Ich bin jedenfalls sehr zufrieden mit dem Kamera-Objektiv-Set.
    Dieses Objektiv mit Anfangsblende 2.8 und etwas mehr Schärfe zum Preis eines 1000ers und es wäre DAS Objektiv schlechthin. 🙂
    Grüße
    Tommilein

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