Nikon AF-S 85 mm 1:1,4 G im Praxistest

Am 3. November 2010 von Paddy veröffentlicht

Seit letzter Woche bin ich nun stolzer Besitzer des noch recht neuen Nikon AF-S 85 mm f/1,4G. Schon lange gelüstete mir nach einer weiteren Festbrennweite, die vor allem auch für Portraitshootings zum Einsatz kommen soll. Viel Gutes hatte ich von der Scherbe gehört und so wurde das Fleisch schwach und ich schlug zu. Die letzen Tage habe ich dann auch ausschliesslich mit dem neuen 85er fotografiert und auch erste Portraits damit gemacht. Bereits nach dem ersten Test stand fest, ich bin verliebt 😉 Heute habe ich dann einen kleinen Spaziergang durch den Herbst gemacht um ein paar Fotos zu schiessen, die ich hier mit einem kleinen Praxistest posten kann.

Das Nikkor 85mm f/1,4 G ist schon ein echter Brecher von Objektiv, da hat man ordentlich etwas in der Hand. Aber irgendwo muss die grosse Blende ja auch hin 😉 Immerhin bringt das Glas knappe 600 g auf die Waage. Besonders positiv finde ich den Filterdurchmesser von 77 mm. Die meisten meiner Objektive haben ebenso einen Durchmesser von 77 mm und so muss ich keine neuen Filter kaufen.

Auf den Fotos seht Ihr das 85er an der D700. Passen gut zusammen die beiden 😎

Zum Größenvergleich habe ich dann auch noch einmal das 50mm f/1,4 daneben gelegt.

Wie aus der Bezeichnung unschwer abzulesen hat das Objektiv eine maximale Blende von 1,4. Schliessen lässt sich die aus 9 Lamellen bestehende Blende bis 16. Das Objektiv besteht aus 10 Linsen in 9 Gruppen und besitzt die bekannte Nanovergütung. Die Naheinstellgrenze beträgt 85 cm und der Blickwinkel liegt bei ca. 38°.

Mit 85 mm Brennweite ist das Objektiv ein klassisches Portraitobjektiv. Warum eigentlich? Bei Portraits ist es für die Models vorteilhaft im Telebereich zu fotografieren. Zum einen nimmt die Schärfentiefe mit zunehmender Brennweite ab. Zum anderen wird das BIld etwas komprimiert, was deutlich besser aussieht, als wenn man mit einem Weitwinkel die Gesichter auseinander zieht. Die maximale Blende von 1,4 erledigt den Rest. In diesem Blendenbereich hat man keine Probleme sein Model vom Hintergrund freizustellen.

Zunächst habe ich zum Test ein paar Aufnahmen mit unterschiedlichen Blenden von meiner weissen Wand gemacht, um zu schauen wie die Vignettierung sich verhält. Bei Blende 1,4 ist sie zu sehen, verschwindet dann aber ab Blende 2 fast vollständig. Schaltet man die Vignettierungskorrektur (danke an Stefan Groenveld für den Tipp) ein, so fällt die Vignette auch bei Blende 1,4 kaum noch auf. Bei realen Bildern dann eh nicht mehr.

Die Schärfe des Objektivs ist grandios, vor allem bereits bei Blende 1,4. Man kann problemlos mit aufgerissener Blende fotografieren ohne sich Gedanken zu machen, ob dann auch das Bild knackig scharf wird. Natürlich hat das Fotografieren mit Offenblende so seine Tücken, was dazu führt, dass man dennoch die Bilder schnell mal unscharf werden. Das liegt aber nicht daran, dass das Nikon 85 mm f/1,4 unscharf ist, sondern an der winzigen Schärfe-Ebene. Bereits wenige Millimeter Bewegung nach vorne oder hinten führen zu Unschärfe. Aus dem Grund habe ich auf anraten des Stilpiraten auch damit begonnen mehr den Fokuspunkt in der Kamera zu verschieben, statt den mittleren zu verwenden und die Kamer zu verschwenken. Das führt zu deutlich weniger Ausschuss.

Schärfe ist toll und gehört für mich zu einem guten Bild dazu, aber ebenso wichtig ist die Qualität der Unschärfe, die man auch als Bokeh bezeichnet. Das Bokeh beim dem 85 mm ist sehr geil und gefällt mir richtig gut. Bei homogenen Hintergründen bekommt man eine schöne verwischte Fläche, bei Lichtquellen hingegen tolle runde Kreise. Das Bokeh ist sicherlich auch Geschmacksache, aber mir gefällt es bei diesem Objektiv besonders gut.

Und so bin ich dann auf meinem kleinen Herbstspaziergang zum Test des Nikon 85 mm f/1,4 auch die meiste Zeit mit offener Blende rumgelaufen. Schaut Euch am besten die Bilder an und urteilt selbst. Dazu muss ich sagen, dass die Bilder alle nachbearbeitet sind. Ich bin kein Freund davon Testbilder zu zeigen, die direkt aus der Kamera kommen, da ich so auch niemals Bilder bei Kunden abliefern würde. Ebenso fotografiere ich auch keien Testcharts, von der Vignette mal abgesehen.

Das Objektiv kostet 1.500 Scheine und ist damit sicherlich nichts für den kleinen Geldbeutel. Dafür bekommt man aber auch ein echtes Spitzenteil, dass bereits bei Blende 1,4 scharf und damit ein echtes Lichtmonster ist. Wer nicht so viel Kohle auf den Tisch legen möchte, sollte sich alternativ das 85 mm f/1,8 anschauen, welches bereits für knapp 400,- € zu haben ist.

Bereits nach den ersten Tagen kann ich schon sagen, dass ich den Kauf nicht bereue, auch wenn es etwas in der Brieftasche geschmerzt hat. Das geht aber vorbei 😉

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Zum Schluss noch ein Panorama, dass ich Freihand mit dem 85 mm geschossen habe.

Veröffentlicht in: Nikon nach oben

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Kommentare (7)

  • Stefan schrieb am 03.11.2010

    Mir persönlich gefällt das Bild von den Weihnachtsbäumen am besten.

    Vielleicht machen wir mal zusammen einen Photowalk, denn ich habe ja das billige 1,8er – dann kann man gut vergleichen, ob es jemandem Wert ist das dreifache des Preises auszugeben.
    Und als nächstes fotografieren wir dann mit 200mm 😉

  • Marco schrieb am 04.11.2010

    Ein Vergleich fände ich super interessant, ich hab das 1,8er auch auf der Wunschliste (das 1,4er ist für mich und das was ich damit machen würde a) zu teuer und b) Perlen vor die Säue ;))

    Über eine Empfehlungen würd ich mich freuen…

    • Paddy schrieb am 04.11.2010

      Dann muss ich mich wohl mal mit dem Stefan zu einem Shoot-Out treffen 😉

  • Yaab schrieb am 04.11.2010

    so ein battle wär interessant! ^^

  • Nico Nic schrieb am 05.11.2010

    Hiho,

    eine kleine Frage (offtopic). Ich benutze ja seit einer Woche das Nikon AF-s 50mm 1:1.8.

    Nun hab ich ein paar Fotos aus der Hand geschossen und egal wie ruhig ich versuche das Objektiv zu halten, meine Bilder sind immer unscharf (denke verwackelt). Lohnen sich für mich nur Objektive mit VR ?

    MFG
    Nico

    • Paddy schrieb am 05.11.2010

      Hi Nico,
      dazu müsste man wissen welche Art von Unschärfe das bei Dir ist. Es kann sein durch Verwackeln, dann müsstest Du einfach mal eine kürzere Belichtungszeit probieren. Normalerweise sollten aber Aufnahmen um die 1/60 Sek. kein problem aus der Hand sein.
      Ein anderes Problem kann die geringe Schärfentiefe sein. Du musst Dich nur ein paar Millimeter vor oder zurück bewegen nach dem Fokussieren und schon ist das Bild unscharf, wenn Du bei Blende 1,8 fotografierst. Wenn es das ist, dann könnte Dir dieser kleine Tipp von Thomas Lammeyer weiterhelfen: http://il.youtube.com/watch?v=EVRtarcBvbI

  • becksbier schrieb am 25.11.2010

    Hallo und danke für den interessanten Kurztest.

    Kurze Frage: wo kriegt man das Teil den aktuell für 1500 €? So wie ich das sehe, kriegt man es eigentlich gar nicht und wenn, dann eher für 1650 oder mehr.