Am Wochenende war es mal wieder so weit. Auf einem Geburtstag haben wir spontan eine kleine private Pokerrunde gestartet und ich habe natürlich mal wieder kräftig auf den Sack bekommen. Anschließend hab ich mir dann mal ein paar Gedanken gemacht, wie es kommt, dass man in Pokerrunden mit Freunden immer verliert, obwohl man sich bereits viel mit Pokerstrategien beschäftigt hat und diese auch erfolgreich bei Spielen im Internet eingesetzt hat.

Ich bin zu dem Schluß gekommen, dass die geringe Höhe des Einsatzes und der überhöhte Spaßgedanke in einer privaten Runde das Spiel nahezu unkalkulier macht.

Der landläufige Durchschnittsmensch geht davon aus, dass Poker ein reines Glücksspiel ist. Da man bei einem reinen Glücksspiel normalerweise auf lange Sicht nicht gewinnen kann, schreibt der Wald-und-Wiesen-Pokerer seinen Einsatz bereits vor Beginn des Spiels ab. Daher belaufen sich auch die maximal zu verlierenden Beträge bei Pokerrunden unter Freunden im Normalfall auf 5 bis 20 Euro pro Abend. Darüber sind nur wenige bereit Einsätze zu leisten.

Wie wirkt sich das nun auf das Spiel aus? Da man ja nun nicht spielt um Geld zu gewinnen, sondern um ein bisschen Spaß zu haben werden 90% aller Blätter gecallt. Es kostet ja auch fast nichts. 20 cent für einen Call hat man doch immer übrig. Und genau das wirkt sich natürlich negativ auf die Spielweise eines strategieorientierten Pokerspielers aus. Wenn jeder alles callt, dann ist es unmöglich durch das Wettverhalten auf das Blatt Rückschlüsse zu ziehen. Genauso ziehen die Gegenspieler aus der eigenen Wettweise keinerlei Schlußfolgerungen. Es wird lustig gecallt und geraised, wobei ein Raise eher als eine Aufforderung verstanden wird mitzugehen, da es ja jetzt erst richtig interessant wird. Je höher der Pott umso höher die Zahlbereitschaft der Crapblätter.

Geht man nun mal davon aus, dass bei sechs Spielern vier callen, die absoluten Bullshit auf der Hand haben, so relativieren sich die Chancen des guten Blattes sehr schnell. Besonders Blätter wie A-K, A-Q, A-J, die nicht von Anfang an ein Pärchen bilden laufen sehr schnell Gefahr zu verlieren. Sitzen vier Spieler am Tisch, die alle Hände, wie 6-7, 3-8, 6-10 oder 5-7 haben, so ist die Wahrscheinlichkeit, dass einer dieser Spieler bis zum River ein super Blatt zusammen bekommt höher als die Wahrscheinlichkeit des einzelnen mit der Top-Hand.

Im strategischen Pokerspiel kann man davon ausgehen, dass 3 von den 4 genannten Händen folden und einer evtl. über den Blind rein kommt. Das ist eine ganz andere Situation, da man in diesem Fall nur einen Gegenspieler hat und sich somit die Chancen wieder verändern.

Könnt Ihr mir folgen?

Mein Rat wenn Ihr mit Freunden spielt: Lasst die Finger von hohen Einsätzen. Es wird zum reinen Glücksspiel. Und vor allem: Schaltet das Hirn aus!

Lasst auch die Finger von den hohen Einsätzen unter Freunden, denn sowas kann Freundschaften kosten.