Blitzen mit dem Nikon SB-900 Teil 2. Zwei Belichtungsmesssysteme

Am 19. Juni 2010 von Paddy veröffentlicht

Dieses Artikel ist Teil des Nikon SB-900 Praxisguide, dem eBook rund um das Fotografieren mit dem Nikon Creative Lighting System.

Im ersten Teil zum Blitzen mit dem Nikon SB-900 hatte ich ein paar absolute Basics zum Nikon CLS erklärt. Heute möchte ich gerne etwas grundlegendes zur Belichtungsmessung der Kamera und des SB-900 sagen.

Sowohl die Kamera als auch der Blitz haben eine eingebaute Belichtungsmessung. Weiss man jedoch nicht wie diese zusammenspielen, dann wird man große Probleme haben reproduzierbare Ergebnisse zu erzielen. Wenn man mit Blitzlicht fotografiert, dann hat man mit zwei Lichtquellen oder besser gesagt mit zwei Arten von Licht zu tun. Dem vorhandenen Umgebungslicht und dem künstlichen Blitzlicht, wobei natürlich die Anzahl der Blitze variieren können.

Vereinfacht gesagt ist die Belichtungsmessung der Kamera für das Umgebungslicht zuständig und die Messung des Blitzes für das Blitzlicht, bzw. das vom Blitzlicht ausgeleuchtete Motiv. Fotografiert Ihr nun im TTL-Modus (nicht TTL BL, dazu in einem anderen Kapitel mehr), so kann man die zwei Belichtungsmessungen sehr gut an einem Test demonstrieren.

Stellt Euch vor, Ihr möchtet ein Portrait in einer schwach beleuchteten Umgebung oder einem Raum aufnehmen. Nehmt die Kamera und messt sie im manuellen Modus auf das Umgebungslicht ein, d.h. nehmt die Belichtungsmessung so vor, als wenn Ihr ohne Blitz fotografieren wolltet. Das kann evtl. zu einer etwas längeren Belichtungszeit führen, wenn Ihr in einem weniger, aber dafür stimmungsvoll beleuchtetem Raum fotografiert. Evtl. kommt Ihr dabei selbst bei Blende 2.8 und ISO 800 auf Zeiten von etwas 1/10 Sek, was natürlich schon grenzwertig ist, wenn man aus der Hand fotografiert. Steckt dann den Blitz auf die Kamera und stellt den TTL-Modus ein. Wenn Ihr nun auslöst, werdet Ihr feststellen, dass der Hintergrund stimmungsvoll beleuchtet ist, aber etwas verwackelt. Die Person im Vordergrund wird aber knackig scharf und vor allem richtig ausgeleuchtet sein. Das liegt daran, dass der Blitz sich auf das Motiv im Vordergrund eingemessen hat und die Kamera auf das Umgebungslicht.

Geht nun einfach mit der Belichtungszeit nach oben, z.B. 1/60 Sek und macht eine weitere Aufnahme. Ihr werdet sehen, dass der Hintergrund nun deutlich dunkler wird, das Motiv im Vordergrund aber weiterhin korrekt ausgeleuchtet ist.

Hier ein Beispielfoto bei dem mein Fotobuddy Mo herhalten musste. Der Blitz steckte auf der Kamera und war frontal ins Gesicht von Mo gerichtet. Die Kamera habe ich auf ISO 1250, Blende 2,2 und 1/10 Sek. eingestellt. Das Gesicht ist ziemlich in der Mitte, damit der der Blitz auch wirklich dort misst (auch dazu später mehr). Der Blitz stand auf TTL, sonst habe ich nichts eingestellt.

Es war schon verdammt dunkel draußen, aber durch die lange Belichtungszeit und den hohen ISO-Wert konnte ich den Hintergrund, der bestimmt 20 Meter entfernt war, noch sehr schön einfangen. Der Blitz hat sich darum gekümmert, dass das Vordergrundmotiv richtig ausgeleuchtet ist.

Die gleiche Situation habe ich dann mit 1/60 Sek aufgenommen, einem Wert, den man bei 50mm Brennweite sehr gut aus der Hand halten kann. Hier sieht man nun deutlich, wie der Hintergrund dunkel wird, aber das Motiv im Vordergrund trotzdem richtig belichtet ist.

Der Blitz addiert also immer so viel Licht auf das vorhandene Umgebungslicht hinzu, wie benötigt wird um das Vordergrundmotiv richtig zu beleuchten. Wichtig in diesem Beispiel ist, dass das Motiv in der Mitte ist, damit der Blitz dort auch messen kann. Natürlich kann ein Blitz auch den Hintergrund ausleuchten, aber wie und wo man die Belichtung misst erkläre ich ebenfalls in einem späteren Beitrag. Man kann also sagen, dass immer erst die Belichtungsmessung in der Kamera durchgeführt wird und dann der Blitz oben drauf kommt. Egal wie stark ich mit der Verschlußzeit nach oben oder unten gehe, der Blitz passt sich mit der Leistung immer den Vorgaben an.

Damit habt Ihr auch schon ein erstes kleines Kochrezept um stimmungsvolle Aufnahmen mit Hintergrund von Personen in beleuchteten Räumen zu machen: Messt zuerst die Kamera im manuellen Modus auf das Umgebunsglicht ein und schaltet dann den Blitz im TTL-Modus hinzu. Wenn die Belichtungszeit auch nur bei 1/10 liegt ist Euer Vordergrundmotiv durch den Blitz trotzdem knackig scharf, die Bilder werden aber deutlich stimmungsvoller, da Ihr auch noch etwas vom Hintergrund mit drauf habt.

Soviel erst einmal zu den beiden Belichtungsmesssystemen von Kamera und Blitz. In den nächsten Kapiteln geht es dann mit dem TTL BL Modus, dem FV Blitzbelichtungsspeicher und der Belichtungskorrektur weiter.

Veröffentlicht in: Foto nach oben

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Kommentare (7)

  • Hannes schrieb am 19.06.2010

    Vielen Dank für Deine Mühe! Super Serie und sehr informativ. Mach weiter so, vielleicht kann ich dann endlich auch mal die Performance des SB900 richtig nutzen.

  • Schlussi schrieb am 19.06.2010

    Hab mal deinen Tipp ausprobiert, erst den Hintergrund manuell auszumessen und dann den blitz dazu zu schalten…aber er belichtet gnadenlos über…als wenn der Blitz volle Lotte rein haut, als wenn ihn nichts bremsen könnte. Ich glaub, mir geht es so wie dir am Anfang: Blitzen ist furchtbar 🙂

    • Paddy schrieb am 19.06.2010

      Wenn Du den Hintergrund ausmisst und der Vordergrund vielleicht eh schon heller ist als der Hintergrund, dann wirst Du mit hoher Wahrscheinlichkeit den Vordergrund überbelichten. Tatsächlich finde ich jedoch, dass die Nikons ein wenig zur Überbelichtung neigen bei diesen Einstellungen, daher drehe ich am Blitz auch gerne die Leistung um 0,7-1,0 EV nach unten. Belcihtunsgkorrektur wollte ich an dieser Stelle nur noch nicht ins Spiel bringen, da auch das ein Thema für sich ist. Aber probier mal die gleichen Einstellungen mit -1,0EV.
      Vielleicht sollte ich das noch als Hinweis mit in den Artikel einbauen. Aber vielen Dank fürs ausprobieren und das Feedback 😉

  • Reiner schrieb am 20.06.2010

    Hallo, ich hatte seit meiner Analog-Zeit keinen Blitz mehr. Erst diese Woche habe ich mir den SB 900 zugelegt. Meiner Meinung nach, war Blitzen noch nie so einfach wie Heute. Ich fotografiere hauptsächlich auf M, stelle erst die gewünschte Zeit/Blenden-Kompination an der Kamera ein und schalte danach den Blitz ein. Der Blitz übernimmt automatich Zeit und Blende. Mit der Überbelichtung muß ich dir Recht geben, ich dreh die Leistung auch runter.
    Mein Tipp zu gleichmässiger Ausleuchtung: Diffusor FlexiDome. Kleiner Test auf meinem Blog: http://www.qualipano.de/test-nikon-sb-900-diffusor-flexi-dome

    Super Bericht!
    Ich bin schon auf die wieteren Folgen gespannt.

    Gruß, Reiner

  • Marc schrieb am 08.08.2010

    Hallo, habe den Beitrag mit großem Interesse gelesen. Ich besitze auch den SB-900 und es stellt sich mir eine Frage zu der Blitzleistungskorrektur (EV). Verminder ich die Blitzleistung (-EV), so gibt der SB-900 mir eine verlängerte Entfernung an. Bei Erhöhung (+EV)genau umgekehrt. Ich kann es logisch nicht nachvollziehen und habe auch in der Bedienungsanleitung dazu nichts gefunden. Hat jemand eine Erklärung dafür?

    Bin auf die Antworten gespannt,
    Danke, Marc.

    • Paddy schrieb am 08.08.2010

      Hallo Marc,
      Das lässt sich ganz einfach erklären. Wenn Du die Belichtungs nach oben oder unten korrigierst, lässt die maximale Leistung des SB-900 nach oder nimmt zu. Da die Entfernung bei geringerer maximaler Leistung abnimmt, zeigt Dir d Blitz entsprechend mehr oder weniger Entnung an.

  • Marc schrieb am 09.08.2010

    Hallo Paddy, danke für die schnelle Antwort. Habe auch Dein Tutorial gekauft. Ist sehr informativ und auf den Punkt gebracht. Super, danke.
    So richtig erklären kann ich die Entfernungsangaben noch nicht. Ist es denn so, dass ein stärkerer Blitz (+ev) zwar heller abbrennt aber den Hintergrund schlechter ausleuchtet?
    Dann wäre die Entfernungsangabe logisch (Entfernungsbereich geringer). Bei schwächerem Blitz (-ev) müsste dann der Blitz nach der Angabe auf dem Display weiter reichen. Klingt unlogisch, ist wohl aber so.