10 einfache Tipps für natürliche Portraits

Am 30. Januar 2012 von Paddy veröffentlicht

Ich habe mal ein paar kleine Tipps zusammen getragen, die mir selbst sehr bei der Portraitfotografie helfen. Das sind alles Kleinigkeiten, die man einfach anwenden kann und eine grosse Wirkung haben. Wer schon länger Menschen fotografiert wird sie alle kennen, aber speziell der Anfänger kann sich damit das Leben deutlich leichter machen.

1. Schatten suchen

Eine der einfachsten und ältesten Weisheiten. Fotografiert nicht in der knalligen Sonne, sondern sucht Euch Schatten. Das Licht ist dort viel gleichmäßiger, Ihr habt keine fiesen Kontraste und keine überstrahlten Flächen von der Sonne. Ausserdem ist es im Schatten viel angenehmer als in der knalligen Sonne, zumindest im Sommer 😉 Sucht Euch sog. offene Schatten. Das sind Flächen, die z.B. durch grosse Wände komplett im Schatten liegen. Dort habt Ihr meistens auch einen grossen Aktionsradius. Auf dem Beispielbild steht links eine Wand aus Containern, die das direkte Sonnenlicht abhalten.

2. Fenster als Lichtquelle verwenden

Auch ein Fenster wird oft unterschätzt. Genaugenommen ist das sogar eine meiner absoluten Lieblingslichtquellen. Man kann mit Tageslicht arbeiten, aber das Licht hat eine Richtung. Im Gegensatz zu dem offenen Schatten draussen kommt das Licht nun gezielt aus der Richtung des Fensters und man hat einen deutlichen Lichtabfall. Da man ein Dach über dem Kopf hat, kann das Licht nicht von oben kommen und so werden Augenränder minimiert. Hängt dann noch eine Gardine vor dem Fenster, ist das Licht richtig soft. Hat der Raum weisse Wände wie im Beispielfoto, dann habt Ihr überall Licht und das Foto strahlt richtig. Dunkle Räume zeigen die Lichtrichtung mehr auf und haben mehr Dramatik.

3. Gegen die Sonne fotografieren

Wenn Ihr es nicht vermeiden könnt und die doofe Sonne nun mal scheint, dann stellt Euren Protagonisten direkt davor und fotografiert in die Sonne. So bekommt Ihr eine gleichmäßige Ausleuchtung im Gesicht und zusätzlich ein schönes Haarlicht. Meistens brennt natürlich der Hintergrund aus, kümmert Euch nicht darum 😉

4. Keine komischen Posen

Gerne neigt man dazu seinen Protagonisten zu Posen zu zwingen, die man mal bei irgendwelchen Models gesehen hat. Da wird dann die Hand komisch hinter den Kopf geführt, die Hüfte kantig nach aussen gedrückt und die Beine drahtig gekreuzt. Was bei Models gut aussieht, macht den Normalbürger zum Affen. Habt Ihr kein Model vor der Linse, dann bringt die Menschen in natürliche Positionen. Lasst sie sich irgendwo anlehnen, hinsetzen, aufstützen, auflehnen. Das funktioniert meistens sehr gut. Schwierig hingegen ist es für die meisten Menschen frei in der Gegend zu stehen. Aus dem Grund liebe ich auch Geländer, da kann man sich so schön aufstützen 😉

5. Geht nah ran

Ein häufig gemachter Fehler ist zu viel auf einem Foto zu zeigen. Von Mutti und Oma kommt dann der Spruch „da ist ja gar nicht alles drauf“. Bilder auf denen zu viel zu sehen ist, sind meistens langweilig. Beim Menschen spielt sich alles im Gesicht ab und das besteht aus Augen, Nase und Mund. Geht mal richtig nah ran und schneidet die Bilder ganz aggressiv an. Ihr werdet Euch wunder welche Wirkung die Fotos auf einmal erzielen. Wer einen Menschen hingegen komplett auf einem Foto abbildet, verschenkt meistens 60 bis 70% des Fotos und muss sich dann darum kümmern, dass dort ein anständiger Hintergrund ist.

6. Reden

Wenn Ihr mit Eurem Protagonisten nicht sprecht, wird er oder sie sich langweilen und das seht Ihr dann auf den Fotos. Dann könnt Ihr das tollste Licht der Welt haben und die Fotos bleiben langweilig. Eine der größten Herausforderungen ist es mit den Menschen zu reden und sie dahin zu bringen, dass sie sich Euch öffnen. Schafft Ihr das, so werden Eure Bilder einzigartig und zeigen eine interessante Seite von dem Menschen. Meistens ergeben sich dann auch ständig neue Situationen voller Leben. Macht alles, nur lasst Eure Protagonisten nicht dumm in der Gegen rum stehen.

7. Manuell fotografieren

Manuell zu fotografieren ist sicherlich nicht das Allheilmittel für tolle Portraits. Auch mit der Automatik oder Blendenpriorität kann man klasse Fotos machen. Ich habe jedoch festgestellt, dass ich im manuellen Modus deutlich entspannter bin. Ich stelle die Kamera einmal ein und kann mich danach auf das Model konzentrieren. Solange ich nicht die Location wechsle oder sich das Licht dramatisch ändert, muss ich nur noch abdrücken. Gerade Männer haben ja so ihre Probleme mit dem Multitasking. Mit dem Model reden und ständig an der Kamera rumhantieren stresst mich. In der Blendenpriorität kann es z.B. vorkommen, dass man mit jeder Bewegung der Kamera eine andere Belichtung bekommt. Model rechts kann eine ganz andere Belichtung sein als Model links. Ich will jedoch das Model immer gleich belichtet haben.

8. Standpunkt wechseln

Bleibt nicht wie angewurzelt auf der Stelle stehen, sondern bewegt Euch auch mal um Euren Protagonisten herum. Ihr werdet Euch wundern wie viele unterschiedliche Fotos man bekommt, nur weil man sich mal etwas bewegt.

 

9. 2/3-Regel beachten

Man kann es nicht oft genug sagen. Die 2/3-Regel ist meiner Meinung nach die wichtigste Regel beim Bildaufbau überhaupt. Jeder, der schon länger fotografiert benutzt sie ganz intuitiv und unterbewusst. Achtet mal darauf, wie viele Bilder der 2/3-Regel entsprechen. Natürlich kann man diese Regel auch mal brechen und natürlich gibt es viele andere Möglichkeiten ein Bild aufzubauen, aber die 2/3-Regel ist für mich der absolute Klassiker.

10. Laufen lassen

Das passt eigentlich zu Punkt 4. Lasst die Leute doch einfach mal ein bisschen laufen. Von Euch weg, zu Euch hin, an Euch vorbei. Egal ob eine Person oder Pärchen. Wenn Mensch läuft, sieht es meistens natürlich aus. Entweder schlendern die Arme locker an der Seite oder man hat die Hand in der Hosentasche. Da die Beine in Bewegung sind, muss man sich keine Gedanken darum machen wo man diese hin stellt.

So, das waren mal ein paar ganz einfache Tipps und Tricks. Natürlich gibt es noch einige mehr, so dass es sicherlich zu einem Teil 2 reichen würde. Aber schreibt doch mal in den Kommentaren was Eure kleinen Kniffe sind. Vielleicht bekommen wir so eine umfangreiche Sammlung hin.

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Kommentare (30)

  • Andreas Ohse schrieb am 30.01.2012

    Hallo Paddy,

    klasse Artikel! Ich würde als Tipp beisteuern:
    Gib den Leuten was in die Hand. Ein Teil was einen Bezug zum Menschen hat. Buchhändler mit Lesebrille und Buch oder Automechaniker mit Maulschlüssel oder Bauer mit Sense oder oder. Waren jetzt natürlich überspitzt einfach Beispiele. Es geht natürlich auch viel subtiler, aber es kommt auf die Idee an.
    Gruß

    Andreas aus Südbaden

    Gruß

  • Hans Yao schrieb am 30.01.2012

    Klasse Zusammenfassung! Hat mich erstaunt, was von den 10 Punkten man oft schon unbewusst macht und auf was man vllt noch mehr achten und sich merken sollte:) Danke!

  • Ronny schrieb am 30.01.2012

    Da stimme ich Andreas zu, sehr schöner Artikel, hat Spaß gemacht ihn zu lesen und man nimmt ein paar tolle Infos mit.

    LG, Ronny

  • Tom! schrieb am 30.01.2012

    Ein Klassiker, aber nichtsdetotro (oder erst recht) wichtig:
    Nicht nach jedem Bild auf das Display schauen!

    • Matthias schrieb am 30.01.2012

      Würde ich so unterstreichen! 🙂

      Super Tipps jedenfalls! Wie immer

  • Thomas schrieb am 30.01.2012

    Eine Regel fällt mir noch ein, die in jedem deiner Bilder oben – mit Ausnahme von einem – zur Anwendung kommt: lasst die Protagonisten (anfangs) mal nicht in die Kamera schauen.

    Die meisten Portraits werden mit Blick in die Kamera gemacht – weil man das so macht. Zugegeben ist ein Bild mit Augenkontakt in der Wirkung auf den Betrachter sehr stark (siehe dein Ausnahmebild oben).
    Wenn man aber kein professionelles Model hat, dann wirken die Bilder oft merkwürdig, weil man den Protagonisten ihre Unsicherheit und ihr verkrampftes „Unverkrampft-Schauen“ ansieht. Nach meiner Erfahrung ist es besser mit diesen Bildern erst zu einem späteren Zeitpunkt während des Shootings zu beginnen, wenn sich die Atmosphäre gelockert hat.

    Ansonsten: toller Beitrag, danke dafür!

    • Florian schrieb am 30.01.2012

      Hi Paddy,
      schöne anschauliche und kompakte Zusammenfassung.

      Vielleicht als Idee für Teil2:
      Warum nicht auch Portraits im Studio oder bei Indoorlocations natürlich aussehen lassen?

      viele Grüße
      Florian

  • Volker schrieb am 30.01.2012

    Das sind tolle Tipps, die jeder beherzigen sollte.

  • Christoph schrieb am 30.01.2012

    Einen Tipp hätte ich noch: NICHT LACHEN!

    Ja, allen Ernstes, sag Deinem Gegenüber, das es aufhören soll zu lächeln oder gar das blöde DSDS-Grinsen aufzusetzen, sondern an was verdammt Ernstes denken soll (wie wär’s mit Finanzamt oder Schwiegermutter), vielleicht sogar richtig sauer werden soll.

    So, und jetzt ganz nah ran mit Deinem 85mm, Ringblitz drauf und FLASH…

    Da geht was!

  • Dieter Fröhling schrieb am 30.01.2012

    Einiges kam bekannt vor (sprich Allgemein bekannt bei denen die Portraits machen) aber etwas gibt es für #4. Wenn Posen, dann richtig mit dummen Gesicht oder Grimasse. Das ganze mit ansage, es wird bestimmt lustige Bilder.

    Und wegen dem Standardgrinsen. Reden hilft 😉

    Klasse Tipps.

  • Tobias Bechtle schrieb am 30.01.2012

    Klasse Artikel, war wieder sehr gut zu lesen. Schon erstaunlich auf was man sonst unterbewusst schon achtet.

    Ein Tipp habe ich auch noch:
    Sicherheit ausstrahlen. Auch wenn ihr euch unsicher seit über das licht oder sowas, wenn ihr Sicherheit ausstrahlt und das Model oder die Person das Gefühl hat ihr seit euch sicher dann macht es sich weniger einen Kopf und wird lockerer. Natürlich sollte dann das ein oder andere gute bild bei raus kommen was ihr dann zeigt, aber somit kann man diese anfängliche Unsicherheit und Unklarheit überbrücken.

  • md666 schrieb am 30.01.2012

    Manuell alle Werte einfrieren und dann die #8?
    Da könnte doch schonmal die nasenspitze unscharf werden, wenn man das nicht nachregelt, oder?
    Meine #11: wenn kein topmodel parat, nimm Kinder

    • Paddy schrieb am 30.01.2012

      Autofokus solltest Du natürlich weiter benutzen 😉

  • Henrik schrieb am 30.01.2012

    Hi,

    Du hast noch einen Punkt vergessen, siehe http://www.braincache.de/wp/2012/01/30/tipp-nr-11/

  • mac schrieb am 31.01.2012

    Tolle Tipps, vielen Dank!

    Aber eine Frage habe ich noch, was ist die 2/3-Regel?

    Gruß
    matthias

    • md666 schrieb am 31.01.2012

      Motiv nicht mittig, sondern in den goldenen schnitt positionieren.

      • Christian schrieb am 24.03.2012

        Wobei anzumerken wäre, dass die 2/3-Regel nichts mit dem Goldenen Schnitt zu tun hat, bzw. die Bildaufteilung eine andere ist.

    • Gordon schrieb am 31.01.2012

      Bildaufteilung, Goldener Schnitt 😉

  • Frank Krüger schrieb am 31.01.2012

    Prima Beitrag,

    vor allem die Empfehlungen zum richtigen Licht.
    Ich drücke auch mal ab, wenn sich das Modell unbeobachtet fühlt.

    Gruß
    Frank

    • Christian schrieb am 24.03.2012

      Eigentlich solltest Du besser „abdrücken“, wenn DU dich unbeobachtet fühlst 😉

  • Diego schrieb am 31.01.2012

    Guter Beitrag mit tollen Tips und schönen Beispielfotos.

    Gruß, Diego

  • marvin schrieb am 31.01.2012

    wieder was dazu gelernt, auch wenn ich persönlich beim fotografieren immer mit der belichtung zu kämpfen habe =(

  • belly Cloud schrieb am 01.02.2012

    Auch von mir ein Lob zu Deinem Artikel!

    … und eine Anmerkung von mir:

    Die ersten Bilder sind meistens die „schlechtesten“.
    Also lasst das Model und Euch erst einmal warm werden und erwartet nicht gleich das alles richtig läuft.

    Wenn dann der Anfang überwunden ist, kommt so manche coole Pose von ganz alleine…

    Beste Grüße,
    Jens

  • Matthias schrieb am 02.02.2012

    Tolle Tipps. Einige kannte ich schon. Aber auch super Anregungen waren dabei. Werde den Tipp mit dem laufen lassen beim nächsten mal ausprobieren. Freue mich schon auf Teil 2

  • Ralf S. schrieb am 04.02.2012

    schöne auflistung von Tips die dem Einsteiger, aber auch dem Fortgeschrittenen weiterhelfen können
    ich find es gut, wenn sich jemand die Mühe und Arbeit macht….

  • Sandra W. schrieb am 04.02.2012

    Super Artikel…gerade für mich als Anfängerin!!!! Einiges weiß man zwar schon, aber man kann es nicht oft genug hören und lesen um es zu verinnerlichen. Vielen Dank dafür!!! ;o)

  • Christian schrieb am 24.03.2012

    Ein sehr schöner Beitrag, der zeigt, wie man mit einfachen Regeln viel erreichen kann. Davon wünsche ich mir mehr. Oder gibt es schon einen zweiten Teil?

  • Norman schrieb am 30.01.2014

    Hi Paddy,

    Punkt Nr.7 ist die Lösung für eines meiner grössten Probleme. Die anderen Punkte sind teilweise die Lösung für kleinere 😉

    Einen wirklich tollen Blog machst Du.

    Viele Grüsse
    Norman

  • Isabel schrieb am 01.02.2014

    Ich muss zugeben, dass der Punkt Reden bei mir eindeutig ausbaufähig ist und als Frau bin ich beim Fotografieren auch nicht so multitasking. Danke für den tollen Artikel.

    Ich habe die Erfahrung gemacht, dass auch das zeigen der bereits gemachten Bilder zur Entspannung beiträgt. Weil die Menschen feststellen, dass sie auf Bildern auch toll aussehen können.

  • Ewald schrieb am 16.05.2014

    Zum Punkt gegen die Sonne fotografieren noch ein Tip:
    wenn ihr gegen die Sonne fotografieren müsst ( und das ist besser als ein Sujet mit zugekniffenen Augen) dann nehmt euch den Aufhellblitz zur Hilfe. Heute haben sogar die kleinen Digitalen diese Funktion und das heißt im Klartext das der Hintergrund richtig beleuchtet wird. Dann wird das Sujet (Model ect.) durch den Aufhellblitz in der Kamera noch zusätzlich aufgehellt und lästige Schatten verschwinden.
    Für alle die mit Spiegelreflex arbeiten. Messt den Hintergrund ein, vielleicht um ein oder zwei Blendstufen abblenden (Kamera). Bitte keine Belichtungsänderung am Blitz ! Dann kann der interne Blitz oder ein Aufsteckblitz (mit TTL) das Licht gut dosieren und ihr erhaltet einen schönen Kontrast im Hintergrund. Viel Spaß beim Ausprobieren 😉

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