Blitzen: Supersync vs. Graufilter vs. Highspeedsync

Am 7. Januar 2015 von Paddy veröffentlicht

Eine der meist gestellten Fragen an mich ist die nach dem richtigen Blitz und Blitzauslöser. Daher möchte ich das Thema noch einmal aufgreifen und die Vor-, bzw. Nachteile der verschiedenen Techniken aus meiner Sicht beschreiben. Um es vorweg zu nehmen: Ich bin von Techniken wie Superync komplett ab.

Das Grundproblem

Worum geht es eigentlich? Wer mit einem Blitz fotografiert, muss normalerweise eine sog. Blitzsynchronzeit einhalten. Das ist die kürzeste Zeit, bei der der Kameraverschluss komplett geöffnet ist. Verwendet man kürzere Zeiten, so erhält man schwarze Balken, wie im folgenden Bild zu sehen.

PL2_1180-NIKON D4 1-500 Sek. bei f - 4,0 ISO 100

Hier ist bei 1/500 Sek. der Verschluss nur teilweise geöffnet, was zur Folge hat, dass auch nur ein Teil des Bildes belichtet wird. Ich versuche es mal kurz zu erklären: Der Verschluss der meisten Kameras besteht aus zwei Vorhängen, einem oben und einem unten. Der eine deckt den Sensor ab und der andere liegt darüber. Drückt man ab, so geht der erste Vorhang auf und kurze Zeit später der zweite zu. So sind alle Bereiche des Bildes gleich lange belichtet. Würde ein Vorhang hoch und runter fahren, so wäre der obere Bereich länger belichtet als der untere. Um besonders kurze Zeiten zu realisieren fängt der zweite Vorhang schon an das Bild zu verdecken, bevor der erste komplett geöffnet ist. Es fährt also ein Schlitz über den Sensor. Je kleiner der Schlitz, umso kürzer die Belichtungszeit. Darum nennt man das Ding auch Schlitzverschluss. Mehr dazu auf Wikipedia.

Der Blitz ist extrem schnell. Er braucht je nach verwendetem Blitz nur einige tausendstel, um seinen Blitz abzufeuern. Blitz er, während nur ein Schlitz auf dem Sensor freigelegt ist, so gibt es den schwarzen Balken. Ich hoffe das ist halbwegs verständlich, ohne dass ich weiter ins Detail gehe.

Wer mit Blitz arbeitet muss also die Blitzsynchronzeit einhalten und diese bewegt sich meistens irgendwo zwischen 1/160 und 1/320 Sek, je nach Kamera und Auslöser. Was ist aber, wenn ich druassen arbeite und eine weit geöffnete Blende verwenden möchte? Dann landet man trotz ISO 100 meist bei Verschlusszeiten von 1/1000 Sek. oder sogar noch kürzer. Es ist also nicht möglich mit offener Blende bei viel Sonnenlicht den Blitz zu verwenden. Die Blende schliessen ist keine Option, denn dann beeinflusst man die Schärfentiefe, was meistens nicht gewollt ist.

Lösung 1: Graufilter

Die einfachste Lösung ist ein Graufilter oder ND-Filter. Dieser nimmt Licht weg, was man durch die Verlängerung der Belichtungszeit wieder ausgleichen kann. So ist es möglich bei offener Blende eine Verschlusszeit von 1/250 Sek. oder länger zu erreichen, auch bei Sonnenschein. Nachteil: Man braucht Graufilter, möglicherweise für unterschiedliche Objektivdurchmesser und muss diesen drauf und ab schrauben. Vorteil: Funktioniert immer und mit jeder Kamera.

140225-ZW-0013-NIKON D4 1-250 Sek. bei f - 2,8 ISO 160

Lösung 2: Highspeedsync

Moderne Aufsteckblitze sind in der Lage auch bei kürzeren Verschlusszeiten zu arbeiten. Das nennt sich dann Highspeedsynchronisation oder Kurzzeitsynchronisation. Dabei feuert der Blitz nicht einmal, sondern mehrmals hintereinander. Es gibt also quasi ein Dauerfeuer, wodurch die Blitzzeit verlängert wird. Nachteil: Es steht deutlich weniger Leistung zur Verfügung, da der Blitz sich seine Ladung aufteilen muss. Blöd, da die Aufsteckblitze von Haus aus nicht so viel Power haben. Braucht man aber, um gegen die Sonne anzukommen. Ausserdem wird diese Funktion meistens nur von Aufsteckblitzen für das jeweilige Kameramodell unterstützt. Vorteil: Sehr zuverlässig, mittlerweile gibt es auch günstige Blitze von Drittherstellern.

140313-JM-0067-E-M1 1-100 Sek. bei f - 1,2 ISO 200

Lösung 3: Supersync

In den letzten zwei bis drei Jahren wurde ein Technik namens Supersync sehr populär, die vor allem bei den Strobisten und im Low-Budget-Bereich viele Anhänger fand. Durch die Verwendung spezieller Funkauslöser wird es ermöglicht den Zündzeitpunkt des Blitzes zu verschieben und die Abbrenndauer komplett zu nutzen. Auf den technischen Hintergrund möchte ich gar nicht weiter eingehen. Supersync hat einen wahren Hype ausgelöst. Plötzlich war es möglich mit portablen Studioblitzen wie dem Ranger Quadra oder den günstigen Jinbei-Geräten auch bei 1/4000 Sek. zu blitzen. Problem dabei: Es entsteht ein Helligkeitsverlauf, der je nach Belichtungszeit ganz schön heftig sein kann. Das lässt sich zwar in Lightroom korrigieren, aber ist trotzdem ekelig. Folgendes Bild zeigt den Verlauf sehr gut. Unten ist es deutlich heller.

130609-LS-0108-NIKON D4 1-5000 Sek. bei f - 2,8 ISO 50-2

Zudem ist die Technik leider nicht genormt und ausgereift. Das bedeutet in der Praxis, dass es keine 100%-ige Garantie gibt, dass es funktioniert. Die Hersteller von Funkauslösern, die diese Technik unterstützen entwickeln zwar ständig weiter, aber dennoch gibt es je nach Kamera und Blitz immer mal wieder Probleme damit. Ausserdem werden einige Hersteller gar nicht unterstützt, mit meiner OM-D läuft da nichts und mit der von mir getesteten Pentax 645z geht auch nichts.

Allerdings ist die kurze Verschlusszeit auch manchmal ganz hilfreich, wie bei folgendem Bild, wo noch Vögel im Hintergrund unterwegs sind. OK, ein paar sind rein kopiert, aber die meisten sind echt und je nach Fluggeschwindigkeit kann es bei 1/250 Sek. knapp werden, denn die Vögel werden ja nicht vom Blitz belichtet, sondern vom Umgebungslicht.

140225-ZW-0006-NIKON D4 1-1250 Sek. bei f - 1,8 ISO 100

Mein Favorit

Ich hatte mit Supersync zeitweise recht gute Erfahrungen gemacht. Die Kombination aus D4 + PocketWizard + Ranger Quadra funzte ganz gut, bis auf die Helligkeitsverläufe. Immer wenn ich etwas veränderte war es aber ein Glücksspiel. Neue Kamera hiess evtl. sogar ein Update der Firmware beim Pocketwizard. Seitdem ich auch häufiger die OM-D im Einsatz habe, bin ich dann ganz davon abgekommen. Ich habe nun wieder zu dem guten alten Graufilter gegriffen. Dazu habe ich mir zwei Filter in unterschiedlichen Grössen für meine Lieblingsobjektive gekauft, beide schlucken 3 Blendenstufen an Licht. 3 reichen eigentlich fast immer aus und damit kann man auch noch problemlos fokussieren, so dass man den Filter nicht ständig ab- und drauf schrauben muss. Der Vorteil ist die Zuverlässigkeit. Die Graufiltertechnik funzt einfach immer und mit jeder Kombination aus Kamera und Blitz. Zudem sind die Ergebnisse voll reproduzierbar. Ich war es irgendwann leid nie zu 100% sicher zu sein, ob die Lösung nun funktioniert oder nicht. Für den professionellen Einsatz kann ich Supersync nur bedingt empfehlen und wenn dann nur mit absolut gleich bleibender Konfiguration. Einfach ist eben manchmal besser. Als einzigen Nachteil könnte man das Handling mit dem Graufilter ansehen. Probleme mit den Farben habe ich bei diesen geringen ND-Stärken noch nicht festgestellt.

Die Highspeedlösung verwende ich selten, da ich doch meistens den Ranger Quadra verwende. Eine aktuelle Lösung wäre der B1 von Profoto, ein Porty mit TTL und Highspeedsync. Da bin ich momentan echt schwer mit mir am kämpfen, denn das wäre augenscheinlich die Ideallösung, leider auch eine nicht ganz billige Lösung.

Zum Schluß noch eine Kaufempfehlung.

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140428-NL-0041-E-M1 1-80 Sek. bei f - 1,2 ISO 200 141115-KM-0055-NIKON D810 1-125 Sek. bei f - 1,4 ISO 64
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Kommentare (21)

  • Jörg schrieb am 07.01.2015

    Genau, je einfacher, desto besser!
    Die Jungs von Men in Black haben ja auch immer einen Graufilter vor Ihre Linsen geschnallt, wenn geblitzdingst worden ist!

  • JP Arts schrieb am 07.01.2015

    Probier mal die Dinger von Priolite aus. Die funktionieren nicht schlecht.

    lg J.

  • Oswald Rudolf schrieb am 07.01.2015

    guter Beitrag verständlich zum lesen super danke

  • Max schrieb am 07.01.2015

    Schon mal den Hot Sync von Priolite probiert? Haben den MBX 500 Hot Sync seit einem Jahr in Verwendung und das funktioniert absolut problemlos, zumindest für Canon & Nikon 🙂

    • Paddy schrieb am 07.01.2015

      Nein, die hatte ich noch nicht in den Fingern. Wäre natürlich auch eine Option. Sind die noch günstiger als ein Graufilter? 😉 Hey, das war ein Spaß!

    • Paddy schrieb am 08.01.2015

      Ich habe jetzt einen Kontakt zu Priolite. Werde das Teil wohl mal ausprobieren. Aber der Preis ist echt nicht heiss 😉

  • Iwo Deibert schrieb am 07.01.2015

    Das Problem bei Graufiltern ist aber der dunkle Sucher und die Einbußen bei der AF-Leistung (zumindest bei DSLRs) oder täusche ich mich da?

    • Paddy schrieb am 07.01.2015

      Bei 3 Blenden geht es noch problemlos, zumindest bei mir.

  • Dr.N.Reifen schrieb am 07.01.2015

    So einfach der Graufilter ist, so groß ist leider auch ein Nachteil der nicht Erwähnt wurde – durch meinen Sucher ist das Bild erstmal gänzlich dunkler und die Treffgenauigkeit meines AFs leidet gegen die Sonne da nochmals dramatisch drunter. Und das ist leider bei Arbeiten mit Offenblende – wo dann auch bitte das Auge scharf sein soll – manchmal beliebig kompliziert und mit Ausschuss behaftet.

    • Paddy schrieb am 07.01.2015

      Also ich kann das bei einem ND-Filter mit +3 Blenden nicht sagen. Da arbeitet der AF noch zuverlässig. Aber klar, eine Beeinträchtigung kann es geben.

  • Schöner Beitrag, besonders die Passage mit dem Supersync hat mir sehr gefallen.
    Wenn wir schon am ab- nerden sind: da wäre noch eine vierte Variante: der Zentralverschluss:
    Was eigentlich im Mittelformatbereich unter kackteuer zu finden war, hat bei den Fuji X- Kameras auch Einzug gehalten: der Zentralverschluss. Da die Lamellen deutlich kleiner und leichter sind als die großen Schiebetüren der SLR- Verschlüsse, klappern die auch recht schneller. und zwar so viel schneller, daß der Öffnungs- und Schließvorgang nun wieder bequem vor bzw nach dem Abfeuern des Blitzes Platz hat, so daß die Synchronisationszeit nun fast schon in unanständige 1/4000s geparkt werden kann. Wenn man den Strobisten Hobby und Arias hier glauben kann 😉

    Liebe Grüße,
    Micha.

    • marco schrieb am 08.01.2015

      Das funktioniert beim Zentralverschluss nicht weil er so schnell ist sonder weil er wie eine Blende funktioniert, deshalb ist jede Blitzzeit beim Zentralverschluss synchronisiert 😉

  • Niklas schrieb am 07.01.2015

    Hej Paddy! Danke für diesen nützlichen Beitrag! Wo du gerade von Blitzen und der OM-D sprichst: Benutzt du Systemblitze mit der OM-D oder arbeitest du nur über den Sync-Anschluss und PocketWizards?

    • Paddy schrieb am 08.01.2015

      Mit der OM-D arbeite ich selten mit Systemblitzen. Die von Olympus haben mir gar nicht gefallen. Wenn Blitz, dann meistens per Auslöser auf dem Blitzschuh.

      • Niklas schrieb am 08.01.2015

        Und ich nehme an hier arbeitest du mit PocketWizards oder anderen Geräten für die du dann auch einen Auslöser für deine DSLR hast, oder? Sonst kauft man ja doppelt ^^

  • Tobias schrieb am 07.01.2015

    Hallo!
    Das ist eine gut verständliche Zusammenfassung der Möglichkeiten.
    Da mein Augenmerk der Sport ist, fällt die Möglichkeit der Graufilter tendenziell flach.
    Bisher sind es die entfesselten Systemblitze mit HSS die mich am leben halten.
    Aber ich sehne mich natürlich auch nach mehr Leistung. Hab also Hypersync im Fokus. Dort wäre es doch tendenziell noch interessant eine lange Abbrennzeit zu habe, oder irre ich mich da? (Schadensbegrenzung im Verlauf)
    Ich habe erste Tests mit günstigen Blitzempfängern an einer Lichtanlage von Broncolor machen können. Verläufe waren da zumindest bei 1/1250 zu vernachlässigen (keine idealen Testbedingungen, aber definitiv nicht so ausgeprägt wie im Beispielbild des Artikels) Ich hoffe jetzt das ein länger abbrennender Blitz (jinbei, etc..) für noch weniger Geld reicht um Erfolg zu haben.
    Profoto B1 wäre natürlich ideal…aber der Preis ist halt angemessen 😉

  • Hi Paddy,

    zum Thema Graufilter kann ich das Cokin System nur empfehlen. Wenn man nicht zu stark in den Weitwinkelbereich geht, dann reicht das preiswerte P-System. Die Graufilter sind verhältnismäßig günstig und gut. Außerdem kann man sie im Bruchteil einer Sekunde ein und ausschieben. Auch Teilabdeckungen des Bildes sind möglich. Bis zu drei Filter können im Filterhalter gemeinsam montiert werden.

    Viele Grüße
    Thorsten

  • Hannes schrieb am 09.01.2015

    Paddy’s Probleme mit dem Quadra kenne ich nur zu gut. Steht mit dem Brautpaar a bisserl unter Zeitdruck und schon zeigt das System sich von seiner blödesten Seite – es macht was es will. Jetzt hab ich das sauteure Quadra Zeug z.Hause herumliegen und schiele ganze Zeit auf einen Profoto B1…pfaaaaaa

    LG/Hannes

    • Paddy schrieb am 09.01.2015

      Das hast Du falsch verstanden. Der Quadra läuft wie geschmiert, nur das Supersync ist das Problem. Zusammen mit dem Graufilter ist der Quadra sehr häufig im Einsatz.

  • Markus schrieb am 10.01.2015

    Vielen Dank für den gut gemachten Beitrag. Bin nicht sicher, ob ich voll neben dem Trend liege oder eine Technik verwende, die einfach in Deutschland unbekannt ist, aber ich gehe einen anderen Weg. Meine Erfahrungen beruhen auf dem Kreuzen von zwei linearen Polfiltern. Das gibt mir keine starre Vorgabe wie ein Graufilter, den ich je nach Lichtsituation etvl. wechseln muss und ich kann mit der Regelung des unteren Polfilters Reflexionen filtern, während der obere die Helligkeit (übersetzt: Blendenkontrolle) reguliert – und das sozusagen fliessend. Du bist Profi und hast sicher eine Prio auf Reproduzierbarkeit, aber für mich als Hobbyisten gibt das viel kreativen Spielraum. Die Technik habe ich aus dem Buch des Fotografen Ehepaars Deutschmann „Camera Flash Creative Lighting“.

    • Marco schrieb am 11.01.2015

      Solche variablen Graufilter bestehen meistens aus einem linearen und einem zirkulären Polfilter und sind superpraktisch, führen aber recht schnell zu ziemlich fiesen Farbverschiebungen (das wäre noch ok, bekommt man per WB wieder weg) sowie kreuzförmigen Helligkeitsabweichungen (das ist schon schwerer zu handhaben).

      Also, wie so oft: Kommt eben drauf an! 🙂