Der Belichtungsmesser – Anwendung und Vorteile

Am 16. Februar 2011 von Paddy veröffentlicht

Einige von Euch haben sich vielleicht schon einmal gefragt welchen Sinn ein Belichtungsmesser macht. Ich meine diese Teile, die man dem Model ins Gesicht hält um das Licht zu messen, nicht den eingebauten in der Kamera.

Da wären wir auch gleich mal bei der ersten Frage. Wieso einen separaten Belichtungsmesser, wenn die Kamera doch einen eingebaut hat? Der Belichtungsmesser der Kamera misst das Licht, welches vom Objekt reflektiert und zum Objektiv zurückgeworfen wird, man nennt das auch Objektmessung. Mit dem Belichtungsmesser hingegen kann ich das Licht dort messen, wo es auftrifft. Der grosse Vorteil dabei ist, dass ich das wirklich ankommende Licht messe und nicht die Reflektion. Diese Art der Messung ist unabhängig von dem Kontrast und Reflexionsverhalten meines Motivs. Die Kamera versucht ja immer alles grau zu machen, zumindest aus Sicht der Belichtungsmessung. Fotografiert Ihr eine pechschwarze Fläche, so wird das Bild grau, eine schneeweisse Fläche hingegen wird ebenfalls grau. Probiert das mal aus. Mit dem Belichtungsmesser ist mir jedoch der Kontrast und Reflexion meines Motivs egal. Fotografiert man Menschen so kann die Haut und Kleidung ebenfalls die Belichtungsmessung der Kamera beeinflussen, den Belichtungsmesser juckt es aber nicht, ob da vorne jemand mit heller oder dunkler Haut, mit weissem oder schwarzem Hemd steht.

Der Belichtungsmesser gibt mir zudem die Möglichkeit jede einzelne Lichtquelle separat zu messen. Verwende ich zwei oder mehr Lichtquellen (Blitze), so beeinflussen sich diese gegenseitig. Verwendet man zum Beispiel die TTL-Messung mit mehreren Blitzen, so wird es für die Kamera schwer zu entscheiden welches Licht von welchem Blitz kommt. Meistens funktioniert das bis zwei Blitze noch ganz gut, aber spätestens ab dem dritten wird es schwierig genau und differenziert zu arbeiten. Daher bevorzuge ich auch beim Einsatz von mehreren Blitzen die manuelle Steuerung. Beim Belichtungsmesser kann ich die Messkalotte (die weisse Halbkugel) versenken und somit das Licht aus einer bestimmten Richtung aufnehmen. Nun kann ich den Belichtungsmesser in Richtung jedes einzelnen Blitzes halten und dessen Lichtleistung ablesen. Durch die versenkte Kalotte nehme ich nur das Licht von jeweils einem Blitz auf.

Natürlich kann man Blitze auch manuell ohne Belichtungsmesser einstellen. Mit der Zeit entwickelt man auch ganz gut ein Gefühl für die benötigte Leistung, so dass man normalerweise mit drei Testbildern schon nah am Ziel ist. Aber eben auch nur nah, das Problem ist den Punkt zu treffen. Wer kann schon auf dem Kameradisplay den Unterschied von 1/2 Blende sehen? Macht nichts, denkt Ihr wahrscheinlich, die 1/2 Blende ist mir egal, das erledigt Lightroom. Ja, so kann man arbeiten und die Ergebnisse werden auch nicht wirklich schlecht. Es gibt viele Leute die damit hervorragende Ergebnisse erzielen. Der Belichtungsmesser versetzt mich jedoch in die Lage in kürzester Zeit die Leistung aller Lichtquellen auf den Punkt genau einzustellen. Hinzu kommt die Möglichkeit der Differenzierung. Hintergrundlicht, Haarlicht und Effektlichter möchte man meistens heller oder dunkler haben als das Hauptlicht. Spätestens bei der dritten Lichtquelle wird es verdammt schwer nur Anhand des Bildes zu beurteilen welche Lichtquelle nun um wie viele Stufen nach oben oder unten geregelt werden muss. Der Faktor Zeit spielt hier auch eine Rolle.

Gebrauch des Belichtungsmessers

So ein Belichtungsmesser hat je nach Modell viele verschiedene Funktionen. Er kann Umgebungslicht, bzw. Dauerlicht oder Blitzlicht messen. Manche haben sogar einen richtigen Sucher um weit entfernte Objekte anzumessen. Ich möchte hier aber auf die für mich wichtigste Funktion der Blitz-Belichtungsmessung eingehen.

Die gute Nachricht: Wenn Ihr wisst wie Ihr mit dem Belichtungsmesser in der Kamera umgehen müsst, dann habt Ihr schon mal die halbe Miete. Der Belichtungsmesser funktioniert genauso. Man hat auch hier Blendenautomatik und Zeitautomatik. Je nach gewähltem „Programm“ stellt man die Zeit oder Blende ein und der Belichtungsmesser zeigt mir nach der Messung an wie ich den anderen Wert einstellen muss. Natürlich kann man auch den ISO-Wert einstellen, was man auch als erstes erledigen sollte.

Nun ist es aber bei der Arbeit mit einem Blitz normalerweise so, dass man sich die Verschlusszeit und die Blende im Voraus überlegt und anschliessend die Leistung des Blitzes so einstellen möchte, dass er genau die richtige Menge Licht für die eingestellte Kombination aus Blende, Zeit und ISO abfeuert. Die Verschlusszeit ist meistens festgelegt durch die Blitzsynchronzeit, also irgendwas um 1/200 Sek. Die Blende bestimmt meine Schärfentiefe und ist wichtig für die Bildaussage. Nun soll sich gefälligst das Licht daran anpassen 🙂

Zu Beginn bleibt mir nichts anderes übrig als den Blitz auf einen beliebigen Wert zu stellen. Ich empfehle erst einmal etwas konservativer ran zu gehen. Wenn wir mal davon ausgehen, dass wir einen Aufsteckblitz benutzen, dann starte doch einfach mal bei 1/32 Leistung, einfach so, ohne genauen Grund. Studioblitze funktionieren im Grunde genauso, haben aber eine andere Skala. Die Aufsteckblitze arbeiten meistens mit 1/3 Blendenstufen, Studioblitze hingegen lassen sich in 1/10 Blendenschritten regeln.

Meine Zielblende ist f/8, d.h. ich entscheide mich für Blende 8, um eine schöne Schärfentiefe zu bekommen. Also stelle ich an meiner Kamera im manuellen Modus 1/200 Sek., f/8 und ISO 200 ein.

Meinen Belichtungsmesser stelle ich nun auf Blendenautomatik (Zeitvorwahl), d.h. ich stelle am Belcihtungsmesser die Verschlusszeit  (1/200) fest ein. ISO ist auch fix, hier 200. Nun schalte ich den Belichtungsmesser in Bereitschaft, d.h. er wartet nun auf ein Lichtsignal. Umgebungslicht ist dem Gerät nun egal, er wartet bis ich den Blitz abfeuere. Da meistens irgendeine Form von Funkauslösern zum Einsatz kommt (ich verwende die Yongnuo RF-602) muss ich nur den Sender drücken. Blitz … und auf dem Belichtungsmesser erscheint neben der fest eingestellten Verschlusszeit eine Blendenzahl.

Die Anzeige ISO 100 am Blitz könnt Ihr ignorieren, da wir im manuellen Modus sind. Sie hat nur Einfluss auf die Entfernungsanzeige.

Der Belichtungsmesser zeigt mir eine Blende von 2,8 und 1/10 an (die kleine 1). Das 1/10 vergessen wir erst einmal und gehen der Einfachheit wegen von einer glatten 2,8 aus. Das liest man nun so: Bei der eingestellten Leistung von 1/32 muss ich eine Blende von 2,8 in der Kamera einstellen, um ein korrekt belichtetes Bild zu bekommen. Da ich aber Blende 8 will, habe ich eine Differenz von 3 Blenden (2,8 – 4 – 5,6 – 8). Wenn ich nun mit Blende 8 fotografieren will, muss ich die Leistung des Blitzes nach oben korrigieren und zwar um 3 Blendenstufen. Das macht 1/32 am Blitz also 1/4 Leistung. Das stelle ich nun ein und teste erneut.

Nun zeigt der Belichtungsmesser Blende 8,0 an. Es passt alles und wir können mit dem Shooting loslegen. Hier noch einmal vielen Dank an Schantalle 😉

Hier ein Vergleichsbild ohne Blitz und mit Blitz. Ohne Blitz ist fast kein Umgebungslicht bei den gewählten Einstellungen vorhanden. Das zweite Bild ist perfekt belichtet.

Und noch ein Making Of Foto. Ganz einfach: Beauty Dish von vorne links.

Was ist mit 1/10?

Um Euch erst einmal nicht unnötig zu verwirren, habe ich es mir einfach gemacht und die Zehntel-Anzeige ignoriert. Die meisten Belichtungsmesser zeigen die Blendenstufen in 1/10 Schritten an. 2,8 1 bedeutet also Blende 2,8 + 1/10. Das passt sehr gut, wenn man mit Studioblitzen arbeitet, da diese üblicherweise auch in Schritten von 1/10 in der Leistung reguliert werden können. Meine Aufsteckblitze haben jedoch nur Schritte von 1/3 Blendenstufen für die Leistung. In der Praxis bedeutet das, man wird die Leistung nicht auf den Punkt genau über den Blitz einstellen können. Meistens liegt man ein klein bisschen drüber oder drunter. Da kann man mit Leben und es ignorieren oder man verändert den Abstand des Blitzes minimal. Ihr wisst ja, dass bei Verdoppelung des Abstandes zwischen Blitz und Model die Leistung auf 1/4 sinkt. Das machen wir uns zu Nutze und verrücken den Blitz ein paar Zentimeter nach vorne oder hinten.

Ist doch eigentlich alles ganz einfach, oder? Vor allem muss man nicht mehr rumprobieren und bekommt noch mehr Kontrolle über das Licht.

Welchen Belichtungsmesser kaufen?

Wenn Ihr jetzt auf den Geschmack gekommen seit, dann stellt Ihr Euch sicherlich die Frage welchen Belichtungsmesser ihr kaufen sollt. Ich muss gestehen, dass ich auf dem Gebiet keine umfassenden Studien betrieben habe, sonden den gekauft habe, der mir empfohlen wurde. Eine der beliebtesten Hersteller von Belichtungsmessern ist wohl Sekonic. Ich besitze den Sekonic L-758 DR, der allerdings mit rund 500,- € fett aufs Portemonnaie drückt. Hauptsächlich habe ich mich für das teure Modell entschieden, da dieser ein eingebautes Funkmodul hat und Pocketwizard-Empfänger auslösen kann. Das ist etwas für faule Leute, wie mich. Man muss nicht mehr den Belichtungsmesser in Bereitschaft schalten und dann den Blitz auslösen, sondern drückt einmal den „Auslöser“ am Belichtungsmesser und dieser feuert die Blitze ab und startet die Belichtungsmessung. Ausserdem hat der grosse Sekonic noch ein paar nette Features zur Speicherung von Lichtprofilen.

Sehr beliebt ist jedoch der kleine Bruder Sekonic L-358. Der kostet keine 300,- € und hat alles, was man so braucht. Messung von Blitz- und Dauerlicht, versenkbare Kalotte. Alles gut.

Natürlich können die Geräte teilweise noch mehr und natürlich gibt es auch viel mehr und deutlich günstigere Geräte. Die kenne ich aber nicht und daher gebe ich auch keine Empfehlung ab. Das heisst nicht, dass ein anderes Gerät schlecht ist. Auch möchte ich hier nicht über die ganzen weiteren Funktionen schreiben, da es mir um die Grundlagen geht, genau das wozu ich den Belichtungsmesser hauptsächlich benutze, um Blitzlicht manuell einzumessen.

Ich hoffe, dass Euch dieser kleine Beitrag geholfen hat zu verstehen wo die Vorteile eine separaten Belichtungsmessers liegen und wie man ihn anwendet. Solltet Ihr selbst andere, auch günstigere Modelle im Einsatz haben, so freuen sich die Leser bestimmt über einen Hinweis in den Kommentaren.

Veröffentlicht in: Studiofotografie nach oben

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Kommentare (10)

  • Dietmar schrieb am 16.02.2011

    Hi Paddy,
    man sieht, dass du auf dem Weg zum Profifotgrafen bist. Ich verfolge das mit sehr viel Interesse! (Und etwas Neid)
    Wann gibts Bilder von deinem neuen Studio?

    Zum Blitzbelichtungsmesser: Ich hatte mal einen gossen digipro. Damit misst man schon besser als nur mit der Kamera, allerdings lohnt sich die Ausgabe (wie bei animoto) nur wenn man wirklich „ernste Absichten“ hat. Für Gelegenheits-Studio-Blitzer gehts auch ohne. Ich hatte meinen dann irgendwo verloren und entschieden ihn nicht mehr nachzukaufen. War aber schon schöner mit ….

  • Neufi schrieb am 16.02.2011

    Hi Paddy,
    ich habe den kleinen Bruder, den Sekonic L-358 seit einem 1/4-Jahr im Einsatz und möchte ihn nicht mehr missen.
    Arbeitet wirklich zuverlässig und für das Pocketwizard-Funkmodul habe ich keine Verwendung, da mir die Pocketwizards zu teuer sind. Aber selbst bei dem Kleinen lässt sich das Funkmodul nachrüsten…

    Ciao
    Neufi

  • K.K.Lake schrieb am 16.02.2011

    Moin.

    Klasse Artikel … weiter so 🙂

    Ich hatte mich auch schon mal mit dem Thema beschäftigt als es für mich um die Anschaffung eines Belichtungsmesser ging. Habe hierzu auch einen Artikel geschrieben, vielleicht hilft es dem einen oder anderem bei der Kaufentscheidung. => http://kklake.de/blitzbelichtungsmesser-die-qual-der-wahl/

    Gruß,
    Mathias

  • K.K.Lake schrieb am 16.02.2011

    Hast Du die Schaufensterpuppe auch als Licht-Model erworben? Habe mir kürzlich auch eine zugelegt, denn zum üben sind die echt praktisch… halten still und haben unendlich Geduld.

    Deine sieht aber mit bei der Oberweite und dem Krankenschwester-Outfit eher aus wie eine Puppe aus dem Erotik-Bereich *sfg*

    Gruß,
    Mathias

  • Mark schrieb am 16.02.2011

    Servus Paddy,

    auf einen Beitrag zu diesem Thema habe ich schon lange gewartet. Mein Respekt, wie verständlich du das Thema behandelst und Licht in mein fotografisches Dunkel gebracht hast!

    sg

    Markus

  • Harry schrieb am 16.02.2011

    Ist der Gossen Digipro F denn empfehlenswert? Ausser Funk scheint er wohl auch alles zu können, was der Sekonic so kann und ist ziemlich schlank noch dazu…
    Macht denn ein BeLi wirklich nur im Studio Sinn? In der freien Natur gar keinen?
    Sind viell. Anfängerfragen ,-)

    • Neufi schrieb am 16.02.2011

      Hallo Harry,
      ich würde mal ganz platt sagen, ein BeLi macht überall Sinn wo du mit zusätzlichen Lichtquellen arbeitest und da wo die Kamera an ihre Grenzen stößt!
      Der Gossen Digipro F hatte ich zuerst auch auf meiner Einkaufsliste, habe mich aber dann doch für den etwas teureren Sekonic L-358 entschieden, da ein bekannter damit super zufrieden war und weil der längere Belichtungszeiten zulässt.

      Gruß
      Neufi

  • Sehr guter und informativer Beitrag.
    Vielen Dank für’s schreiben und teilen!

    Beste Grüße
    Jürgen

  • Ralf Augustin schrieb am 16.02.2011

    Hervorragender Artikel, der es voll auf den Punkt bringt. Bleibt noch anzumerken (und ich habs vorher auch nicht geglaubt), dass ich inzwischen sogar schneller arbeite als früher. Ständiges Nachjustieren fällt weg. Ich arbeite mit dem System von Elinchrom und den Skyports. Im Zusammenspiel mit dem Sekonic bin ich vom Workflow begeistert und hat mich definitiv weitergebracht. Empfehlen kann ich übrigens wärmstens die Video Tutorials von Frank Doorhof bei http://www.kelbytraining.com/.

    Herzliche Grüsse aus der Schweiz

    Ralf

  • Sehr informativer Beitrag.
    Vielen Dank

    lg Uwe

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