Die Brenizer Methode – Panorama für minimale Schärfentiefe

Am 10. Februar 2011 von Paddy veröffentlicht

Seit einiger Zeit experimentiere ich ein wenig mit der sog. Brenizer Methode herum und heute kommt endlich mal der Blogpost dazu. Ein wenig inspiriert durch Julias Experimente mit dem Freelansing, dachte ich mir das wäre ganz passend. Zudem ist vor wenigen Tagen unser Hausmodell angekommen und nachdem meine Frau es gestern eingekleidet hat, war auch das erste Shooting fällig 😉

Videotutorial_Panoramafotografie

Was ist die Brenizer Methode?

Diese Technik ist benannt nach Ryan Brenizer, einem amerikanischem Fotografen, der diese Art der Fotograie zwar nicht unbedingt erfunden aber zumindest perfektioniert und bekannt gemacht hat. Kurz gesagt geht es darum viele Einzelbilder mit möglichst geringer Schärfentiefe zu einem Panorama zusammenzusetzen.

Ihr wisst ja, dass die Schärfentiefe von drei Parametern abhängt. Der Blende, der Brennweite und dem Abstand zum Motiv. Je näher ich ran gehe, umso geringer die Schärfentiefe. Gehe ich ein paar Schritte zurück, so nimmt die Schärfentiefe gleich drastisch zu. Je näher ich also an mein Motiv heran gehe, umso krasser ist der Unschärfe-Effekt.

Was aber, wenn man z.B. ein Ganzkörper-Portrait machen möchte? Klar kann ich ein Weitwinkel mit riesiger Blende nehmen. Damit fange ich mir aber auch gleich mal eine schicke Verzerrung ein. Speziell bei Portraits nicht unbedingt erwünscht. Ausserdem haben Weitwinkel-Objektive von Haus aus eine hohe Schärfentiefe.

Mit der Brenizer-Methode ist es nun möglich sehr weitwinklige Aufnahmen mit geringer Schärfentiefe zu realisieren. Die Theorie ist einfach: Man nimmt ein Teleobjektiv mit weit geöffneter Blende, z.B. ein 85mm f/1,8 oder f/1,4. Nun geht man nah ans Motiv ran und schiesst ein Panorama, also mehrere Einzelshots, die sich überlappen.

Brenizer Schritt für Schritt

Ihr könnt Euch sicherlich denken, dass der Teufel bei dieser Technik im Detail liegt. Ich habe mir das auch einfacher vorgestellt als es ist. Hier einmal das Vorgehen, Schritt für Schritt:

  1. Verwendet ein Teleobjektiv mit möglichst offener Blende. Ich nehme dazu mein 85mm f/1,4 oder auch das 70-200 bei 200mm mit Blende 2,8.
  2. Nimm den manuellen Modus, damit sich die Belichtung nicht von Foto zu Foto ändert
  3. Stelle den Weissabgleich manuell ein
  4. Stelle den Fokus auf Dein Motiv ein und sorge dafür, dass er dort auch bleibt. Entweder indem Du den Finger nicht vom Auslöser nimmst, die AF-Taste verwendest (haben nicht alle Kameras) oder einfach manuell fokussierst.
  5. Geh möglichst nah ran, damit Du möglichst wenig Schärfentiefe hast.
  6. Fotografiere nun Dein Motiv nach dem gezeigten Muster ab.

Du kannst natürlich anfangen wo Du möchtest, aber ein Muster in der Art funktioniert ganz gut.

Anschliessend packst Du alle Bilder in eine Panoramasoftware und stitchst sie. Ich verwende dazu PTGui, aber auch Photoshop tut den Job.

Wie gesagt, liegt der Teufel dabei im Detail. So ist bei dieser Methode auch der Nodalpunkt ein Thema. Da man das Panorama aus der Hand schiesst, kann es vorkommen, dass sich Vorder- und Hintergrund gegeneinander verschieben. Das ist mir auch passiert, wie man vor allem an dem Haus im Hintergrund sieht. Da ist das Stitching sehr unsauber. Ihr dürft aus dem Grund auch nicht Eure Position wechseln und während des Shootings in die Hocke gehen. Schwups ist alles verschoben.

Achtet auch auf genug Überlappung. Bei meinem Supermodel Schantalle musste ich schmerzlich feststellen, dass die Beine so glatt und strukturlos sind, dass das Stitching problematisch war. Sollte bei echten Menschen weniger problematisch sein.

Speziell der teilweise extrem unscharfe Hintergrund ist eine echte Herausforderung für die Panoramasoftware. Daher versucht darauf zu achten, dass auch bei den Bildern am Rand noch ein klein wenig vom Vordergrund mit drauf ist.

Das war es im Grunde schon. Ist also gar nicht soooo schwer, braucht aber etwas Übung. Der Effekt ist extrem cool, da sich solche Aufnahmen sonst eigentlich nicht mit einem einzelnen Shot machen lassen. Ich habe hier mal einen Vergleich zu einer Ganzkörperaufnahme mit dem 35mm f/1,8 gemacht. Man sieht, dass der Hintergrund zwar unscharf ist, aber deutlich besser zu erkennen als in dem Brenizer-Bild.

Noch etwas: Das Panorama hat natürlich am Ende eine gigantische Auflösung. Dieses Bild hat alleine 70 Megapixel.

So, ich gehe das jetzt mal noch ein wenig üben. Falls Ihr selbst schon einmal die Brenizer Methode ausprobiert habt und noch Tricks kennt wie es besser geht, dann her damit.

Veröffentlicht in: Foto nach oben

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Kommentare (25)

  • Spannend wird es, wenn du das mit einem echten Model machen willst 😛

    • Paddy schrieb am 10.02.2011

      Ich denke vom Stitching her ist das einfacher. Die Aufnahme geht ja schnell, muss sie halt ein wenig still halten 😉

  • Steffen schrieb am 10.02.2011

    Schantalle tut mir leid. Bei dem Wetter in einem solch kurzen Fummel 🙁

  • Stefan schrieb am 10.02.2011

    Für’n ersten Versuch doch wirklich gut. Allerdings hätte mich als Vergleich nicht das Bild mit einem 35/1.8, sondern mit einem 200/2 interessiert. Dabei ist halt nur das Problem, dass Du viel Platz brauchst. Das ist mit dem 85er in Verbindung mit der Brenizer Methode natürlich einfacher.
    Ich nutze das Prinzip auch gerne, wenn ich mehr Auflösung brauche. Aber das kennst Du ja 😉

    • Paddy schrieb am 10.02.2011

      Das 200er hatte ich gerade nicht zur Hand. Kann es sein, dass Du meins hast?

  • Marc schrieb am 10.02.2011

    Augenscheinlich war Schantalle dann doch etwas kalt …
    Was mich gerade beschäftigt ist die Kleidungsfrage. Wo hast Du denn den Fummel ausgegraben? 😮

  • Marc schrieb am 10.02.2011

    … und das ist die Arbeitskleidung? ^.^

    da muss ich meine Meinung von Hambug ja nochmal im Grundsatz *komplett* überdenken! 😉

  • Frank schrieb am 10.02.2011

    Hi, schon cool, aber der Aufwand ist ja recht gigantisch. Alternative wäre ja, entweder Modell freistellen und den Hintergrund mit Weichzeichner bearbeiten oder 2 Aufnahmen manuell focussiert hintereinander schießen, einmal scharf und einmal unscharf, dann das ganze in Photoshop kombinieren. Sollte einen Effekt ergeben, der vom hier gezeigten Ergebnis kaum abweicht, oder?

  • Daniel Z. schrieb am 10.02.2011

    Mein Tip dazu: Die Kamera unbedingt im Hochformat nutzen! Keine Ahnung warum aber im Querformat hatte Photoshop immer Probleme beim Stitchen. Finde die Methode extrem spannend und bin auch noch schwer am üben.

  • jog schrieb am 10.02.2011

    Vielleicht bin ich ja zu blöd oder blond, aber wozu macht man das? Um ein Portrait als Megapixel zu haben? Ich verstehe den Sinn nicht?

    • willsagen schrieb am 10.02.2011

      Fürs Bokeh, jog.

      • Frank schrieb am 11.02.2011

        Physikalisch betrachtet sollte es keinen Unterschied machen, wie das bokeh entsteht, ob nach der Brenizer-Methode oder nach „meiner“ oben vorgestellten. Unscharf ist unscharf. Die Qualität des bokehs ist nur abhängig von der Qualität des Objektivs – und dort hauptsächlich (aber nicht ausschließlich) von der Art der Blende. Mein 100er Makro (2.8 IS von Canon) hat z.B. 10 abgerundete Lamellen, das ergibt ein tolles Bokeh, egal ob es sich aus geringer Schärfentiefe oder aus Unschärfe ergibt.
        Einen sichtbaren Unterschied aus den beiden Methoden könnte sich von daher höchstens in der Qualität der EBV ergeben, schlecht gemacht könnte das Modell unrealistisch, wie „aufgeklebt“ auf einem unscharfen Hintergrund rüberkommen, wenn man es nicht gut und sorgfältig macht.
        Was das Argument mit den Megapixeln angeht: Wozu sollte man soviel brauchen? Mit einer modernen 12-18 Mpix-Kamera sollte man genug für 99% der Anwendungen haben, sogar für Plakatwände. Falls nicht, kann man ja tatsächlich ein Panorama schießen – aber da sollten dann 2 oder 4 Aufnahmen dicke reichen. Nein, Ich denke die sich aus der Brenizer-Methode ergebende Riesendatei ist eher ihr größter Nachteil statt ihr größter Vorteil.

      • Paddy schrieb am 11.02.2011

        Frank, bitte entschuldige vielmals. Deine Methode ist natürlich die beste.

      • Frank schrieb am 11.02.2011

        Was gibt’s zu entschuldigen?
        Und was heißt „die beste“? Höchstens: Die „bessere“, weil weniger aufwändigere, die trotzdem zum gleichen Ergebnis führen „könnte“.

        Ich propagiere hier ja nichts, sondern stelle was zur Diskussion. Ich kann nicht beurteilen was besser ist, weil ich keinen Vergleich habe. Den würde ich mir halt wünschen.

  • Stefan schrieb am 10.02.2011

    Das werde ich mal ausprobieren und in meinem Projekt zeigen ….

  • Marc schrieb am 10.02.2011

    @Frank, genau mein Gedanke.
    Vom Aufwand her sollte es ja dann keinen großen Unterschied machen. Beim Panorama bekommst du halt noch schön viele MPs…

    Aber irgendwie macht die Panoramaversion Lust zum Ausprobieren 🙂

  • Falko schrieb am 11.02.2011

    Hoi Paddy,

    vielen Dank für die tolle Erklärung – ich hoffe ich hab bald mal Gelegenheit zum ausprobieren. – Gerne mehr davon

    Besten Gruss aus der Schweiz,

    Falko

  • Ronnie schrieb am 11.02.2011

    Das geht auch mit einem Foto, wenn es nicht digital sein muss.

    http://www.thinkthrice.de/wp-content/uploads/2010/07/Hand_in_Hand.jpg

    Format war hier 4×5″ bei 175 mm /f2.5 (war aber leicht abgeblendet).

    Aber selbts im Kleinbildformat bleiben da kaum Alternativen (zu Brenizer) um ähnliche Effekte zu bekommen.

    Wieviele Bilder sind den dafür notwendig?

    • Frank schrieb am 11.02.2011

      Da hier gestitcht werden muß ist es am Ende eben doch immer digital, auch wenn die Rohdaten von einem gescannten Analog kommen können.

      • Ronnie schrieb am 11.02.2011

        Hallo Frank, ja das ist schon klar. Sobald ich ein Bild im Netz präsentieren möchte, muss ich es digital vorliegen haben.

        Das o.g. Bild ist somit nun auch ein Digitalbild.

        Darum ging es mir ja gar nicht, sondern darum, dass da eben nichts gestitcht ist.

  • Karsten schrieb am 30.09.2013

    Guck, wieder was gelernt. Sollte ich Mal ausprobieren.

  • Dr. Satori schrieb am 04.03.2014

    Naja, alles schön und gut, aber es darf/sollte sich halt nichts bewegen. Insofern finde ich die Methode zwar interessant, aber für lebendige Models irrelevant. Desweiteren denke ich, dass mit Kameras, die so um die 21 Mio. Pixels haben, eher die von Frank vorgestellte Methode, die ich zuweilen auch verwende (2 Aufnahmen mit unterschiedlichen Schärfeeinstellungen), preferiere. Was soll ich denn mit 70 Tonnen Daten?? 😉

    Aber ein interessanter Bericht und ein interessantes Experiment für verregnete Tage. Dankeschön.

  • Max Heimann schrieb am 17.07.2014

    Hallo!

    Danke für die Tipps, werde es ausprobieren und dann auch auf Fotolimit! meinem Blog darüber berichten.

    Besten Gruß,

    Max

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