Heute morgen hatte ich im Postfach eine Email von Datacolor mit Hinweis auf deren Objektivkalibriertralala-Teil, auch genannt SpyderLensCal. Dabei erinnerte ich mich, dass ich doch schon immer mal bei meinem Nikon 85mm f/1,4 und dem 50mm f/1,4 checken wollte, ob die einen Front- oder Backfokus haben.

Was ist eigentlich Frontfokus bzw. Backfokus?

Front- oder Backfokus ist, wenn das Objektiv zwar auf einen Punkt scharf stellt, aber auf dem späteren Foto die Schärfe etwas vor oder hinter dem anvisierten Punkt liegt. Leider ist das gar nicht mal so ungewöhnlich und kommt in den besten Familien vor, sprich bei den teuersten Kameras und Objektiven. Manchmal geht es sogar so weit, dass man das Objektiv umtauschen muss. Der Fehler kann im Objektiv liegen, in der Kamera oder auch in der Kombination aus Kamera und Objektiv. Hat man nur einen leichten Fehlfokus, so kann man dieser in der Kamera justieren und zwar für jedes Objektiv einzeln.

Wie stelle ich fest, ob ich einen Front- oder Backfokus habe?

Das ist eigentlich ganz einfach. Ihr müsst lediglich ein Lineal schräg abfotografieren. Wenn Ihr auf einen Strich fokussiert, so muss dieser auch genau im Fokus liegen. Der Schärfeverlauf muss nach vorne und hinten gleichmäßig abfallen. Dabei solltet Ihr jedoch beachten, dass die Kamera ganz gerade zu dem Lineal aufgebaut ist und das Lineal im 45° Winkel aufgestellt wurde. Da das ganz schöne Fummelei sein kann, empfehle ich Euch die Testcharts von Stefan Gross auf Traumflieger zu verwenden. Stefan hat sich riesige Mühe gegeben und so ein Chart ist in weniger als 5 Minuten erstellt. Sogar ich mit meiner Abneigung gegen Selbstgebasteltes habe das hinbekommen. So könnt Ihr Euch die Kohle für das Spydertralala sparen. Stefan hat auch noch einmal ausführlich erklärt, wie das Chart zu verwenden ist.

Kurz gesagt: Wenn Ihr auf den Vogel fokussiert, dann seht Ihr an der Skala ob der Fokus genau mittig auf der Null sitzt. Hier mal ein Beispiel von einem deutlichen Frontfokus.

Bei meinem 85mm f/1,4 hatte ich sogar einen klitzekleinen Frontfokus, wie auf dem folgenden Bild zu sehen:

Da das wirklich minimal ist, empfehle ich genau zu überprüfen ob auch alles zu 100% ausgerichtet ist. Steht die Kamera etwas schief, so sieht der Schärfeverlauf schon anders aus. Im obigen Beispiel von meinem 85er ist die Null ja scharf, nur nimmt der Fokus nach hinten etwas schneller ab. Im Grunde sehe ich hier keinen Grund zu korrigieren.

Wie korrigieren ich den Fehlfokus?

Wenn Ihr einen leichten Fehlfokus habt, so könnt Ihr den bei den teureren Kameras im Menü korrigieren. Meine D7000 und die D700 bieten das an. Die Kamera speichert dann für jedes einzelne Objektiv die Korrektur. Auf einer Skala könnt Ihr in sehr kleinen Schritten die Korrektur vornehmen.

Sollte der Fehlfokus jedoch heftiger sein, so kommt man nicht drum herum das Objektiv einzuschicken, damit es justiert wird. Oft macht es Sinn die Kamera gleich mitzuschicken, da der Fehler auch durchaus in der Kamera oder in der Kombination aus beidem stecken kann.

Wenn dann alles richtig eingestellt ist, sieht der Fokus so aus:

Für so einen Test empfehle ich Euch die Kamera an den Computer anzuschliessen und z.B. die Tether-Funktion von Lightroom zu verwenden, damit man das Bild direkt am Bildschirm beurteilen kann. Ausserdem empfehle ich Euch den Kontrast anzuheben und das Foto in Schwarz/Weiss zu wandeln. Je nach Objektiv und Bildausschnitt, solltet Ihr natürlich etwas ins Foto rein zoomen.

Das Thema Frontfokus und Backfokus ist vor allem wichtig, wenn Ihr gerne mit weit geöffneter Blende fotografiert, da dann der Schärfebereich gerne mal weniger als einen Zentimeter betragen kann. Dann ist es natürlich wichtig, dass der Fokus zu 100% sitzt. Sobald die Blende etwas geschlossen wird, relativiert sich das Problem.