Kameraprofile für Lightroom erstellen

Am 16. April 2012 von Paddy veröffentlicht

Angeregt durch den Artikel über das Farbmanagement in der aktuellen c’t Digitale Fotografie, habe ich mich mal mit den Kameraprofilen in Lightroom ein klein wenig beschäftigt. Genauer gesagt habe ich einfach mal eins erstellt, um zu sehen ob mir das überhaupt etwas bringt.

Als Referenz habe ich den Colorchecker Passport von X-Rite verwendet. Den Farbchart muss man für das Kameraprofil abfotografieren, natürlich mit der Kamera, für die man das Profil erstellen möchte. 😉 Dabei auf korrekte Belichtung achten, d.h. das weisse Feld darf nicht ausbrennen und das schwarze nicht absaufen.

Softwareseitig habe ich zwei Möglichkeiten ausprobiert. Einmal das Lightroom Plugin, welches direkt von X-Rite zur Verfügung gestellt wird und dann noch den DNG Profile Editor von Adobe.

Das Lightroom Plugin ist supereinfach zu bedienen. Ihr müsst nur das Bild mit dem Testchart in Lightroom öffnen und dann exportieren. Beim Export wählt Ihr den X-Rite Export aus, welcher nach der Installation des Plugins zur Verfügung steht. Dem Profil einen Namen geben und ab geht die Post. Anhand der Markierungen auf dem Chart findet die Software die Farbfelder von alleine. Einige Sekunden später ist das Profil fertig und Ihr könnt es nach einem Neustart von Lightroom verwenden.

Der DNG Profile Editor von Adobe ist auch nicht besonders schwer zu bedienen. Ihr müsst lediglich das Bild mit dem Testchart als DNG speichern und dann im Editor öffnen. Dort findet Ihr den Reiter Chart.

 

Hier müsst Ihr nur die vier Markierungspunkte mit der Maus auf die entprechenden Farbfelder schieben. Das ist machbar 😉 Jetzt nur noch die Farbtabelle erstellen und abspeichern. Das war es schon. Anschliessend steht auch dieses Profil in Lightroom im Menü Kamerakalibrierung zur Verfügung.

Der Vorgang selbst ist also ziemlich simple, sofern man ein Farbchart besitzt. Die Frage ist vielmehr was es eigentlich bringt. Zunächst mal musste ich feststellen, dass die Profile des DNG Profile Editors und der X-Rite Software sich unterscheiden. Vor allem in den Rot- und Blautönen ist das gut sichtbar. Speziell bei Portraits fand ich das Profil von X-Rite unbrauchbar, da Rot deutlich angehoben wurde, was ich ja auf Haut so gar nicht mag. Das Profil vom DNG Editor sah besser aus, aber auch nicht ideal. Für mich ist es nicht so wichtig absolute Farbechtheit zu erzielen, da ich die Bilder durch die Bearbeitung eh verfälsche. Beim Thema Farbmanagement ist für mich viel wichtiger, dass die Bildschirmanzeige mit dem Ausdruck überein stimmt. Die erstellen Kameraprofile helfen mir nicht wirklich. Rein vom Eindruck her fahre ich mit Adobe Standard besser. Geht es um Portraits, benutze ich seit einiger Zeit auch sehr gerne das generische Profil Camera Portrait, welches dem Kontrast etwas zurück nimmt und die Hauttöne etwas freundlicher aussehen lässt. Hier wird vor allem Rot etwas zurück genommen. Rein vom subjektiven Eindruck gefällt mir das am besten.

Beim DNG Profile Editor kann man das erstellte Profil auch noch manuell pimpen und sogar die Gradationskurve verändern. Tolle Möglichkeit, mir jedoch etwas zu aufwändig. Ich bleibe wohl erst mal bei den Standardsettings.

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Kommentare (9)

  • Arnd schrieb am 16.04.2012

    Gut zu Wissen das die Profile aus Lightroom zu Gebrauchen sind,habe vor ein paar Tagen auch das erste mal ein Portrait mit dem Profil „Camera Portrait“ bearbeitet und hat mir gegenüber dem „Adobe Standard“ auch besser gefallen.
    Danke für die Info.

  • hAnnes schrieb am 16.04.2012

    Ersetzt dieses Profil eine Bildschirmkalibrierung? Sehe nämlich den Sinn gegenüber einem kalibriertem Bildschirm nicht?

    • Dirk schrieb am 17.04.2012

      In einem fotografischen Workflow sollte jedes beteiligte Gerät mit einem entsprechenden Profil kalibriert werden. Die Bildschirmkalibrierung kalibriert den Bildschirm (m.E. absolut unverzichtbar!), das Kameraprofil kalibriert die Kamera, Druckerprofil den Drucker usw. Das Profil kann vom Gerätehersteller kommen oder mit entsprechenden Tools selbst erstellt werden.

      Ich benutze den X-Rite Color Checker schon seit zwei Jahren und habe damit nur gute Erfahrungen gemacht. Die Farben, die aus meiner Nikon D300s kommen, sind mir viel zu flau, insbesondere im grün/blau-Bereich hat die echte Schwächen. Da holt das mit dem Color Checker erstellte Kameraprofil wirklich eine Menge raus!

      Man muss die Kameraprofile allerdings bei unterschiedlichen Lichtsituationen auch mal wieder neu erstellen. Daher ist der Color Checker auch immer in meiner Fototasche mit dabei.

      • hAnnes schrieb am 17.04.2012

        Bezieht sich das Kameraprofil dann nur auf Jpeg, oder auch aufs Raw? Ich habe immer das „Problem“ beim Importieren in LR3, dass mir die Bilder schön aufgelistet werden, beim vergrößern im Entwickeln-Modul wird das Raw dann „umgewandelt“ und kommt sehr flau daher. Dementsprechend sind auch die Farben. Mein Bildschirm ist kalibriert, Kameratechnisch sehe ich es aber wie Paddy: Farbechtheit ist für mich nicht wichtig, allerdings wie es aus dem Drucker kommt.

  • Thomas Wi schrieb am 16.04.2012

    Ich arbeite mit dem Colorchecker Passport schon eine Weile. Mit der Pentax K7 und K5 waren die Ergebnisse sehr gut. Viel besser als alle Standardprofile in Lightroom.
    Seit ich auf Nikon gewechselt habe, fahre ich mit dem Camera Neutral Profil wesentlich besser. Vor allem an der D700 gefallen mir die mit dem Colorchecker erstellten Profile überhaupt nicht.

  • Jörg schrieb am 16.04.2012

    Hallo Patrick,

    ich benutze den ColorChecker schon seit dem er auf dem Markt ist. Ich finde das Tool genial. Dein Artikel leist sich aber so, das man das Profil nur einmal anlegen muß. Oder interpretiere ich das falsch?
    Ich mache für jedes Shooting, Outdoor, Indoor und im Studio immer ein neues Profil, das zum Shooting gehört. Nur so kann ich das optimale Profil rausholen. Hab ich früher mit der D700 wirkliche Abweichungen vom Kameradisplay gehabt, so bin ich jetzt sehr angetan wie genau das Display der D800 sich an das Profil annähert. Aber der Colorchecker ist da schon ne sichere Bank. Besonders bei Mischlicht.

  • Udo schrieb am 16.04.2012

    Ich habe auch den Passport ColorChecker (zum Glück auf der Fotokina gewonnen) und bei mir laufen die roten Farben bei einer Nikon D200 mit beiden Profilen auch total zu (insbesondere beim ColorChecker Profil). Bei der D700 habe ich es noch nicht probiert. Ich habe auch festgestellt, dass zum Teil Grün ebenfalls zu stark betont wird. Deswegen benutze ich als default Profile Camera Standard. Ich finde, dass gegenüber Adobe Standard die Farben, insbesondere Brauntöne, besser herüberkommen.

  • Pisti schrieb am 17.04.2012

    Ich bin selber erst seit kurzem Bestitzer von diesem ColorChecker – hätte ich schon viel viel früher machen sollen. Ist meiner Meinung ganauso wichtig wie ein kalibrierter Monitor

  • Carsten schrieb am 17.04.2012

    Auch wenn die Ergebnisse vielleicht nicht „besser“ werden gegenüber den mit LR gelieferten Profilen, so würde es mich interessieren, ob auf diesen die Möglichkeit besteht, zwei verschiedene Kameras aneinander anzugleichen. Also, wenn man z.B. ein Shooting mit zwei verschiedenen Kameras macht (D4 & D800 z.B.), möchte man ja später, dass die Bilder aus beiden Kameras erst mal eine vergleichbare Farbgebung haben und man nicht auf den ersten Blick erkennt, aus welcher Kamera das Bild stammt. Ist das mit dieser Lösung erreichbar?

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