Priolite MBX500 Hot Sync im Test

Am 27. Februar 2015 von Paddy veröffentlicht

priolite hotsync

Vor einigen Wochen hatte ich einen Beitrag zu dem Thema Supersync vs. Graufilter geschrieben. Darauf hin wurde mir freundlicherweise vom Priolite-Shop in Österreich angeboten doch mal den Priolite MBX 500 Hot Sync zu testen. Das Angebot habe ich gerne angekommen. Zwar war ich in besagtem Artikel zu dem Schluß gekommen, dass für mich der gute alte Graufilter die beste Lösung ist, aber das Technikherz in mir lässt sich so eine Chance natürlich nicht entgehen.

Die Hot Sync Blitze von Priolite versprechen die eierlegende Wollmilchsau zu sein. Sie schaffen nämlich die Blitzsynchronzeit ab, zumindest rein vom Handling für den User. Es ist vollkommen egal mit welcher Verschlußzeit ich arbeite. Ja, das ist schon cool und eben auch das was Supersync verspricht, nur dass die Supersync-Lösung leider technisch nicht meinen Ansprüchen genügt, vor allem die Helligkeitsverläufe haben mich doch stark genervt. Letzteres soll es bei Priolite nicht geben.

Der erste Funktionstest fiel relativ kurz aus. Kamera an, Blitz an, die formschöne Fernbedienung auf den Blitzschuh meiner Nikon D750 gesteckt und einfach mal auf 1/4000 Sek gedreht (kürzer kann die D750 nicht). Kein schwarzer Balken zu sehen. Das ist schon mal geil und eigentlich auch der wichtigste Test.

Also habe ich mich mit Maria für einen kleinen Test getroffen. Natürlich habe ich mal wieder die Zeit verbaselt und so blieb uns nicht so ewig viel Zeit. Aber immerhin konnte ich den Priolite etwas am lebenden Objekt testen. Blende also bis zum Anschlag aufgerissen, voll gegen die Sonne und mit dem Beauty Dish auf dem MBX500 Hot Sync dagegen gehalten. Kein Problem. Hier sind die Ergebnisse. Exif-Daten findet Ihr, wenn Ihr auf die Bilder klickt.

NIKON D810 1/8000 Sek. bei f/1,4 ISO 100 bei 35mm NIKON D810 1/5000 Sek. bei f/1,4 ISO 100 bei 35mm NIKON D750 1/1600 Sek. bei f/2,0 ISO 100 bei 135mm

Das ist natürlich ein echter Knaller und ich liebe diesen 35mm/1.4-Look am Vollformat. Mit dem Gerät kann man immer und überall den Blitz einsetzen und dabei die Blende bis zum Anschlag aufreissen, ohne sich Gedanken über die Technik zu machen. Tjoa, spätestens jetzt stellt sich wieder das bekannte Haben-Wollen-Gefühl ein. Vor allem ist so ein Blitz auch äusserst interessant bei Action-Aufnahmen, denn dort kommt es evtl. zu unscharfen Kanten, wenn Teile des Models nicht vom Blitz, sondern vom Umgebungslicht belichtet werden. Hier ein Beispiel, wie das aussehen kann. Das Gesicht ist scharf, weil es vom Blitz getroffen ist. Die Beine in der Luft werden nicht geblitzt und sind aufgrund der verhältnismäßig langen Verschlusszeit unscharf. Ist das nicht gewollt, so ist eine Kombination aus kurzen Verschlusszeiten mit Blitz natürlich schon ziemlich genial.

1/320 Sek bei f/13 ISO 400

Im Studio hatte ich den Priolite bei einem Businesshooting im Einsatz. Davon kann ich leider keine Bilder zeigen. Sind auch nicht sonderlich spannend. Dabei ist mir die Leichtigkeit im Handling aufgefallen. Möchte ich in meinem Studio mit offener Blende und Blitz arbeiten, so steht mir meistens das Tageslicht im Weg. Mit dem Prio kann ich das aussperren, indem ich einfach die Verschlusszeit kürzer mache. Neben ISO, Blende und Zeit wird die Blitzleistung zu einem vierten und gleichwertig einzusetzenden Parameter. Keinerlei Kabel zu haben ist ebenfalls ein angenehmer Aspekt.

Es gibt aber auch ein paar Kleinigkeiten zu bemängeln, bzw. Punkte über die man vor dem Kauf nachdenken muss. Aktuell wird die Nikon D810 z.B. noch nicht direkt unterstützt. Da wird es wahrscheinlich demnächst mal ein Firmware-Update geben, aber bis dahin muss man sich mit Fremdauslösern von Yongnuo helfen. Das klappt wunderbar, ist aber irgendwie auch wieder nervig. Ich frage mich hier, was bei zukünftigen Kameramodellen ist? Gibt es da evtl. Probleme in der Unterstützung und wenn ja, wie lange dauert es bis ein Update verfügbar ist?

Der Blitz selbst ist relativ gross. Also halt so gross (oder grösser), wie ein Kompakt-Studioblitz. Dafür ist der Akku eingebaut und man muss lediglich den Einschalter drücken, schon geht es los. Ein Zusammenbau, wie z.B. beim Ranger Quadra entfällt. Man ist gut beraten ein halbwegs anständiges Stativ zu verwenden. Die von mir geliebten Manfrotto Nano taugen nicht für den Priolite. Oft ist es auch so, dass wir den Blitz einfach auf einen kleinen Boomstick stecken und ihn ein Assistent hält. So sind wir mobil und können schnell die Location wechseln. Selbst einem kräftigen Assistenten würde ich den Priolite auf einem Boomstick aber nicht zu lange zumuten wollen. Ich habe es nicht ausprobiert, behaupte aber mal, dass der Priolite MBX500 Hot Sync nicht in einen normalen Reisekoffer passt. Ich bin hin und wieder im Ausland und der Blitz muss dann im Koffer mit reisen. Mit dem Ranger Quadra geht das problemlos. Man muss sich also genau überlegen wofür man den Blitz einsetzen möchte. Wer sowieso mit dem Auto zu einer Location fährt und dann einen mobilen Blitz mit allem Drum und Dran braucht, sich dabei aber nicht um Gewicht und Grösse schert, der wird den Priolite lieben.

Positiv ist mir die Leistung des Blitzes aufgefallen. Ich hatte den 55cm Beauty Dish mit weisser Beschichtung bei obigen Bildern im Einsatz. Was mich wunderte ist, dass ich nie am Leistungslimit war. Selbst bei 1/8000 Sek und ISO 100 bei f/1.4 war noch ca. 1,5 Blenden Reserve vorhanden. Abstand vom Blitz zum Model betrug so ca. 2m. Da ist z.B. der Ranger Quadra mit seinen 400 Ws deutlich schneller am Limit, wenn ich gegen die Sonne blitze. Wobei der Vergleich etwas hinkt, da der Ranger auf 1/250 Sek. beschränkt ist und ich meistens die 70r Deep Octa von Elinchrom verwende, die einiges an Leistung schluckt. Da müsste man noch mal einen Test mit gleichen oder ähnlichen Lichtformern machen. Ein Beauty Dish haut eigentlich deutlich mehr Licht raus als eine Softbox.

Ebenfalls sehr positiv fiel die Nachladezeit auf. Der Blitz war immer sehr schnell wieder bereit. Auch hier habe ich nicht gemessen, ich verweise gerne auf die technische Spezifikation (unten rechts). Es ist lediglich der subjektive Eindruck, der die Zeiten als angenehm empfindet. Wie lange der Akku hält habe ich nicht getestet. Leer haben wir ihn aber bei unserem kurzen Test nicht bekommen.

priolite-fernbedienungBei der Fernbedienung scheiden sich bestimmt die Geister. Hübsch geht anders, aber dafür brauchte ich keine Anleitung dafür. Es war sofort klar, wie ich damit den Blitz bediene. Lediglich ein paar Kontaktschwierigkeiten zu meiner D750 haben mich in den Wahnsinn getrieben. Da weiss ich jedoch nicht ob es an der Kamera oder der Fernbedienung vom Priolite liegt. Irgendwie habe ich das Gefühl, dass es grosse Toleranzen bei den Blitzschuhen gibt. Ich habe immer wieder Probleme mit Auslösern, was eigentlich nicht sein sollte.

Gut gefallen hat mir die ganze Verarbeitung und Bedienung. Da sind alle Knöpfe wo sie hingehören, lassen sich gut bedienen und machen einen robusten Eindruck. Da merkt man die deutsche Herkunft. Lediglich die Position des Blitzsynchronanschlusses ist sehr ungewöhnlich. Der ist oben auf dem Blitz. Ich musste erst mal suchen und wollte schon um Hilfe schreien. Den brauchte ich für den zusätzlichen Auslöser für die D810.

Auch das Bajonett gefällt mir von der Mechanik sehr gut. Dagegen ist das von Elinchrom echt Schrott. Aber um ehrlich zu sein überwiegt der Ärger darüber, dass jeder Blitzhersteller sein eigenes Bajonett bastelt. Immerhin ist Priolite laut Webseite zu Bowens, Jinbei und Hensel kompatibel. Für Elinchrom und andere gibt es Adapter. Wenigstens etwas.

Einen Punkt muss ich noch erwähnen. Bei meinem ersten Test habe ich einfach eine weisse Wand fotografiert und dabei etwas unterbelichtet. Dabei ist mir dann doch ein ganz minimaler Verlauf aufgefallen. Schaut Euch das folgende Foto an:

PL2_6635

Unten ist es etwas dunkler, als oben. Auf Nachfrage wurde bestätigt, dass dieser Verlauf konstruktionsbedingt bei der Hot Sync-Technolgie nicht zu 100% vermeidbar ist. In der Praxis ist das kein Problem und der Verlauf ist bei „normalen“ Bildern nicht sichtbar. Aber er ist vorhanden und ich will es Euch nicht verschweigen.

Aktuell gibt es offiziell Unterstützung für Canon und Nikon Kameras. Zwar kann man angeblich über Fremdtrigger laut dem Priolite-Shop auch Olympus und Sony Kameras verwenden, aber ich muss gestehen, dass ich es mit meiner OM-D E-M1 nicht hinbekommen habe. Angeblich sollte das mit den gleichen Auslösern gehen, die ich für die Nikon D810 verwendet habe. Wahrscheinlich habe ich einfach irgendwas falsch gemacht, allerdings ist die Frustschwelle auch schnell überschritten, wenn man bei einem 2.000,- € Blitz noch anfangen muss zu probieren.

Der Preis ist so heiss, dass man sich schnell verbrennen kann. Das Starterkit mit Fernbedienung für Nikon und einem Standardreflektor liegt bei 2.280,- €. Das ist viel Geld. Dafür erkauft man sich viel Freiheit beim Einsatz des Blitzes und bekommt, sofern man die richtige Kamera besitzt, tatsächlich die eierlegende Wollmilchsau. Es fällt schwer zu sagen, ob der Preis gerechtfertigt ist. Der Profi mit täglichem Einsatz wird da bestimmt eine andere Einstellung haben, als der Hobbyfotograf.

Fazit

Wer aufmerksam gelesen hat, wird das Fazit wohl schon kennen. Rein technologisch gesehen ist der Priolite ein Träumchen und ein echter Wunschkandidat. Wer gerne mit offener Blende und kurzen Verschlusszeiten draussen blitzt, der wird viel Spaß an dem Gerät haben. Der Look von 35 mm mit f/1.4 gegen die Sonne ist schon verdammt fett, er birgt aber auch die Gefahr sich schnell daran satt zu sehen. Im Studio ist es sehr angenehm gar keine Kabel mehr zu haben. Den Punkt hatte ich zuvor nicht auf dem Schirm, allerdings kommt für das Studio auch schnell der Wunsch nach einem zweiten Blitz auf. Ob der Preis ok ist, muss jeder selbst entscheiden und an seinem Bedarf messen. Was mich aktuell davon abhält gleich zuzugreifen ist eher die Größe und das Gewicht. Bei unserem Testshooting habe ich schmerzlich eine helfende Hand vermisst. Hinzu kommt, dass ich eben auch mit der OM-D fotografiere und es da halt noch Probleme in der Unterstützung zu geben scheint.

Mir ist natürlich auch die Alternative Profoto B1 bekannt. Allerdings habe ich bisher keine Möglichkeit gehabt diesen Blitz zu testen, daher kann ich dazu nichts sagen. Ich denke die Geräte sind sich aber ebenbürtig. Christian Horn hat über den B1 geschrieben und berichtet dort allerdings von einem verringerten Regelbereich bei Highspeed Sync. Der Priolite hat immer seinen kompletten Regelbereich. Müsste man also mal genauer hinschauen.

Auf jeden Fall noch einmal ein grosser Dank an den Priolite-Shop. Der Kontakt war super und ich würde mich dort vom Service her gut aufgehoben fühlen.

Veröffentlicht in: Hardware Tests nach oben

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Kommentare (10)

  • hannes schrieb am 27.02.2015

    Frage: Wurde mit Blendenautomatik fotografiert und wenn der Blitz dazukommt wird da vorher um z.b. 1-2 Blenden unterbelichtet ? weil ja sonst überbelichtetes bild entsteht…

    lg/hannes

    • Jens schrieb am 27.02.2015

      Mit Blitz wird immer manuell belichtet aus genanntem Grund. Insbesondere bei SuperSync.

      • hannes schrieb am 27.02.2015

        hab ich auch angekommen, wollt wissen ob diese neuen funktadapter ETTL fähig sind …. beim ranger quadra arbeite ich mit ND filter und geh immer auf ein 1/160stel runter und dann klappt es auch mit den S-Kopf (brennt langsamer ab als der A-Kopf) vom Quadra

  • Fabian S. schrieb am 27.02.2015

    Hatte vor einiger Zeit die Gelegenheit im Shop vorbeizuschauen und die Blitze zu begutachten. Keine Frage, die sind wirklich fein in Verarbeitung und Funktion. Man teilte mir aber mit, dass die Preis bald angehoben würden (das müsste mittlerweile auch geschehen sein), was für mich dann ein KO-Kriterium darstellte. Eben neu auf dem österreichischen Markt und schon hebt man an? Nein Danke. Schlägt sich ja auch auf das Zubehör nieder. Letztlich sind mir die Teile einfach zu teuer. Schade.

    • Hallo Fabian,

      es würde mich echt interessant wo du diese Info her hast, denn diese stimmt nämlich überhaupt nicht: der Priolite MBX 500 Hot Sync kostet seit seiner Einführung vor mittlerweile über einem Jahr 1680 Euro netto. Von 1. März bis 31. Mai 2015 gibt es jetzt zusätzlich eine Frühlingsaktion: das Einzelgerät um nur 1344 Euro netto und das Hot Sync Starter Kit um nur 1480 netto statt 1850 Euro. Bei weiteren Fragen bitte eine Mail an flash@prioliteshop.com

      Viele Grüße, Markus von Priolite Österreich

      • Fabian S. schrieb am 27.02.2015

        War nicht auf das aktuelle Modell bezogen. Mein Besuch ist schon über 1 Jahr her. Die Information hatte ich von Euch selbst. Man sagte mir, würde ich erst im September kaufen, wären die Preise dann bereits erhöht. Ob das tatsächlich umgesetzt wurde, habe ich nicht mehr überprüft.

        Nichts für ungut, aber an den Haaren herbeigezogen habe ich das nicht. Man hat mir das so mitgeteilt.

      • Danke für deine Info Fabian – wir von Priolite Österreich können uns zumindest nicht entsinnen, irgendwelche Aussagen in diese Richtung getätigt zu haben 🙂

  • Moin Paddy,
    ja, das mit dem Regelbereich bei den Profotos (10 bis 8 = volle Power bis 1/4) ist leider so; bisher hab ich’s noch nicht viel testen können, in den paar Bildern im HSS Bereich war aber die Regelbarkeit kein Problem (kürzere Belichtungszeit nimmt auch wieder Leistung weg).

    Die B1 blitzen im HSS Modus, wie auch die TTL-Systemblitze, im Stroboskop-Modus, da dürfte bei kleineren Leistungsstufen die Abbrenndauer dann einfach zu schnell sein… Dafür hat man garantiert keinen Belichtungsverlauf 🙂
    Wie immer: alles hat Vor- und Nachteile. Ich komme mit den Profotos bestens klar 🙂

  • Volker schrieb am 27.02.2015

    Moin Paddy,
    Super Beitrag und kann die vielen Pluspunkten auch ohne Einschränkung zustimmen. Habe die Priolite seit über einem halben Jahr im Einsatz und dies sowohl mit der D800 als auch mit der D810, daher kann ich deine Einschränkung nicht ganz nachvollziehen. Manchmal hilft auch ein kurzen Lesen der Anleitung und nach knapp 5 Min. Hatte ich die richtige Einstellung dafür gefunden. Ach und die Fernbedienung ist eben auch wirklich eine Fernbedienung und für den normalen Einsatz mit Batterien die man an jeder Ecke kaufen kann konzipiert. Die kann man mit jeder Hand- und Fingergröße bedienen und dies mit normalem logischem Denken, wo man bei den Yongnuos schon ein Sonder Studium braucht um diese zu programmieren.

    Ich kann nur sagen, das ich nichts anderes mehr will, sind einfach spitze. Und sind in meinen Augen auch preiswert und dies meine ich im wahrsten Sinne des Wortes.

  • Cooler Beitrag, Bilder sind auch cool 😀
    Aber ist mir als Schüler wirklich zu teuer.

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