Schnee fotografieren und was er uns über den Belichtungsmesser lehrt

Am 22. Januar 2013 von Paddy veröffentlicht

Anlässlich des völlig übertriebenen Schneefalls heute in Hamburg, kommt mal wieder ein Post mit einem Grundlagen-Tipp.

Vielleicht hat der ein oder andere von Euch schon mal versucht im Schnee zu fotografieren. Strahlend weisse Landschaften, alles funkelt so schön hell. Dann drückt man auf den Auslöser und ist volkommen enttäuscht, da sich der strahlend weisse Schnee in eine graue Pampe verwandelt hat.

PL1_7937

Das obige Bild ist der Blick aus unserem Wohnzimmerfenster. Ich habe die Kamera einfach auf A, bzw. Av (Blendenpriorität) gestellt, mittenbetonte Belichtungsmessung eingestellt und sie dann mal machen lassen. Hmm ;-(

Was ist hier passiert? Auch auf die Gefahr hin, dass ich mich mit meinen technischen Erläuterungen mal wieder in die Nesseln setze, versuche ich das Phänomen mal ganz einfach zu erklären. Der Belichtungsmesser in einer Kamera hat das Ziel jedes Bild grau zu machen. Das komplette Bild wird in Schwarz/Weiss umgewandelt und dann wird die Belichtung so eingestellt, dass sich im Durchschnitt über alle Pixel ein mittleres Grau ergibt.

Am besten versteht man das, wenn man mal weisse und schwarze Wände fotografiert. Ich habe in meinem Studio weisse, bzw. schwarze Styropor-Wände, welche zur Aufhellung, bzw. Abschattung dienen. Diese habe ich einfach mal mit A, bzw. Av fotografiert und die Kamera entscheiden lassen, wie die Belichtung zu sein hat.

DSC_7957

Hier kommt die weisse Seite:

PL1_7951

und zum Vergleich noch die schwarze Seite:

PL1_7952

Würde man dieses Experiment unter Laborbedingungen machen, so würden zwei exakt gleich graue Bilder dabei heraus kommen.

Genau aus diesem Grund werden Schneelandschaften meistens viel zu dunkel. Was muss ich also tun? Ganz einfach, überbelichten, zumindest im Auge der Kameraautomatik. Mit Hilfe der Belichtungskorrektur muss man so ca. 1,5 Blendenstufen überbelichten, damit Weiss wieder Weiss wird. Entsprechend anders herum ist es bei der schwarzen Fläche, die ich entsprechend unterbelichten muss.

Das folgende Bild wurde mit einer Belichtungskorrektur von +1,7 EV gemacht.

PL1_7940

Sieht doch schon viel besser aus, auch wenn der Garten dadurch an sich nicht hübscher wird 😉 Aber nächstes Jahr wird daran etwas gemacht. (Ich schwör!!! … und kreuzte die Finger hinter dem Rücken).

Dieses Phänomen könnt Ihr auch feststellen, wenn Ihr ein Portrait von einer Braut macht. Das weisse Kleid lässt die Kamera das Bild zu dunkel belichten. In diesem Fall empfehle ich mit der Spotmessung zu arbeiten und die Belichtung auf der Haut zu messen. Der manuelle Modus bewahrt zudem davor, dass sich mit jedem Bild die Belichtung ändert, weil man den Spot vielleicht von der Licht- auf die Schattenseite des Gesichts bewegt hat. Aber das ist ein anderes Thema.

Übrigens: Die mittenbetonte Messung habe ich gewählt, damit das Phänomen deutlicher wird, da in der Mitte fast nur Schnee ist. Verwendet man die Matrix- oder Mehrfeldmessung, so ist in diesem Fall die Belichtungsmessung etwas passender, da die dunklen Elemente mit berücksichtigt werden.

An diesem Beispiel kann man auch den grundlegenden Unterschied zwischen dem Belichtungsmesser in der Kamera und einem Handbelichtungsmesser sehen. Die Kamera misst das reflektierte Licht und wird somit von der Reflexionseigenschaft des Motivs beeinflusst. Der Handbelichtungsmesser misst das einfallende Licht, es ist ihm egal ob hinter ihm eine schwarze oder weisse Wand ist.

Hat man dieses Prinzip verstanden, so hat man meiner Meinung nach auch verstanden, wieso die Kamera manchmal seltsame Sachen macht 😉 Ich hoffe dieser kleine Beitrag hat Euch geholfen. Ich gehe jetzt Schnee schüppen.

Veröffentlicht in: Know How nach oben

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Kommentare (33)

  • Mandy schrieb am 22.01.2013

    Danke für die Info! Ich bin grad etwas verwirrt (hab erst kürzlich mit der Fotografie begonnen, deshalb vielleicht :-).
    Aber ich dachte, man könnte dieses Phänomen mit einem manuellen Weißabgleich auch beheben, indem ich einfach den Schnee als weiß „definiere“? Oder denke ich da grad falschrum?

    • Paddy schrieb am 22.01.2013

      Den Weissabgleich musst Du einsetzen, wenn der Schnee z.B. bläulich wirkt. Er hat aber nichts mit der Helligkeit des Bildes zu tun.

      • Mandy schrieb am 22.01.2013

        Ok, danke für die Antwort! Probiere ich gleich mal aus.

  • Matthias Herrmann schrieb am 22.01.2013

    Hallo,
    der Hinweis mit der Spotmessung beim (Braut-)Porträt bringt mich als Anfänger zu einer Frage:
    Bedarf das typische mitteleuropäische Gesicht einer Belichtungskorrektur? Ein dunkelhäutiger Typ müsste nach der obigen Erklärung ja etwas unterbelichtet, ein sehr hellhäutiger überbelichtet werden. Wo liegt also ungefähr bei Hauttönen das „mittlere Grau“?
    Besten Dank

    • Paddy schrieb am 22.01.2013

      Die Haut des typischen Mitteleuropäer eignet sich sehr gut für die Belichtungsmessung. Aber darauf achten wo Licht und Schatten im Gesicht sind. Das macht teilweise einen riesigen Unterschied.

      • Matthias Herrmann schrieb am 22.01.2013

        vielen Dank 🙂

  • Sascha schrieb am 22.01.2013

    Klasse Erklärung… 🙂 Find ich prima. So kann man einiges über die Kamera lernen.

    Grüße

  • Olly schrieb am 22.01.2013

    Super Tip!
    Wir waren letztens auch im Schnee unterwegs, abends HDRs schiessen und am WE zum Rodeln. Und am anfang hätte ich k*tzen können wie matschig die Bilder aussahen. Aber dann, nach einigem hin und her probieren kam mir die Erleuchtung, oder erweissung 🙂

    Das mit dem Grau hat man immer schonmal gehört, aber so plastisch erklärt macht einem das halt nochmal gut deutlich!

    Danke und mach weiter so!
    Olly

  • Chris schrieb am 22.01.2013

    Die Belichtungskorrektur (über die entsprechende Taste) funktioniert aber nur in einen der Halbautomatikmodi oder versteh ich da jetzt etwas falsch?

  • A propos GRAU – genau aus diesem Grunde gibt es GRAUkarten zu kaufen. Die reflektieren nämlich ziemlich exakt 17,68% [nachzulesen bei wikipedia ;-)]des drauffallenden Lichtes und sichern damit dem hierauf geeichten Belichtungsmesser der Kamera eine exakte Messung. Und damit eine exakte Belichtung. In der Praxis wird das allerdings viel zu wenig eingesetzt…

    • Paddy schrieb am 22.01.2013

      Graukarten kann man sich in Hamburg fast täglich selbst basteln. Himmel fotografieren, ausdrucken, fertig 😉

      • 😀

        Jetzte auch noch praktikable Basteltipps – ZUGESCHAUT UND MITGEBAUT…

        *grins*

      • Stephan Müller schrieb am 18.03.2013

        Moin, dann fotografier doch mal den Hamburger 17,68% Himmel und verkauf Originol Paddy-Hamburger-Schietwetter-Graukarten für zum immer dabei haben 🙂
        Hier im Süden sind zu oft so blaue und weiße Stellen dabei 😉

        *ggg*

  • Sorry, Paddy: klasse Tipp und gut erklärt! Musste ich auch noch loswerden… 😉

  • Hauke schrieb am 22.01.2013

    …der Handbelichtungsmesser will aber auf Licht- und keinesfalls auf Objektmessung eingesetzt werden soll das was werden. Also in Richtung Kamera.
    Objektmessung macht die Kamera selber, dafür brauchst kein weiteres Geld ausgeben 😉

  • Lexa schrieb am 22.01.2013

    Also, wenn Du einen wirklich guten Garten- und Landschaftsbauer suchst…
    Ich wüsste da jemanden 😉

  • Michael schrieb am 22.01.2013

    Bei Prof. Blume habe ich gelernt, dass man auch Gehwegplatten ganz gut verwenden kann, vorzugsweise in nicht ausgebautem Zustand, um den Fotorucksack nicht zu überlasten 😉

  • Daniel schrieb am 22.01.2013

    Wobei bei dem „überbelichtetem“ Bild die Details im Schnee doch schon ordentlich verloren gehen, die Fußstapfer sind im dunkleren Bild bedeutend besser zu erkennen…

    • Paddy schrieb am 22.01.2013

      Ist extra etwas heller gemacht, damit man den Effekt besser sieht.

  • 😀 das selbe passiert wenn man in 3D Zeichnet da ist Schwarz auch gleich weiß …

  • Anja Pfeifer schrieb am 22.01.2013

    Danke für den Artikel – bist nur leider drei Tage zu spät dran 🙂 – war am Samstag im Schnee fotografieren – und hab die ersten Bilder fleissig „vertestet“, bis ich raus hatte, wieviel ich überbelichten muß ^^

    Wenn Du jetzt noch einen genauso schönen Artikel über Handbelichtungsmesser machst, würde ich mich freuen – denn so könnte ich dann demnächst vorher von dir was lernen 😉

    • Paddy schrieb am 22.01.2013

      Ein Artikel über Handbelichtungsmesser ist doch verlinkt.

  • Robert schrieb am 23.01.2013

    Man kann die Belichtung aber auch nachträglich in LR korrigieren, oder sehe ich das falsch?! Ist doch eigentlich nix anderes?!

    • Paddy schrieb am 23.01.2013

      Grundsätzlich geht das, aber ich habe den Anspruch das Bild möglichst perfekt in der Kamera zu machen, statt es anschliessend retten zu müssen. Ausserdem verschenkst Du damit Spielraum in der Nachbearbeitung, wenn Du erst mal 1,5 Blenden aufhellen musst.

  • Roland Stütz schrieb am 23.01.2013

    Hi Paddy,

    also ich hab´s auch probiert. Da ich in den meisten Fällen im Raw Format fotografiere kann ich diese Korrektur aber jederzeit auch im Camera Raw Modul vornehmen.

    Gruß
    Roland

  • Peter schrieb am 23.01.2013

    Hallo Paddy,

    sehr anschaulich erklärt. Ein Mini-Hinweis noch: Ganz egal ist dem BeLi nicht, was hinter/über/unter ihm ist. Wenn Du nahe vor einer weißen Fläche misst, hat die hohe Reflektion auch einen Einfluss auf den Messwert. Das bewegt sich dann aber eher im Bereich <1 Blende.

    VG
    Peter

  • lightsniper schrieb am 23.01.2013

    Ich finds super, wenn der Schnee im RAW erstmal beuys-grau ist –> beim Entwickeln in Lightroom ist das dann ein Gefühl wie beim Überraschungseier aufmachen. und on top: prima fürs Ego! weil illusion: ich = lightroom-crack…

  • Christian schrieb am 23.01.2013

    War vor 2 Tagen mit Kamera und Hund unterwegs. Wunderbar weisser schnee trotz Spotmessung.
    Auf den Bildern befindet sich. 90% Schnee. Warum habe ich kein grau?

  • Jan schrieb am 23.01.2013

    Ups, hat sich nun Dein Design verändert? Dachte, ich hätte erst auf das falsche Lesezeichen gedrückt.
    Danke für Deinen klasse Artikel, habe die Spotmessung bei solchen Lichtsituationen einfach zu selten auf dem Schirm und korrigiere dann meist mit der Belichtungskorrektur manuell. Ich werde der Einfachheit mal häufiger die Spotmessung einsetzen.

  • Joe schrieb am 24.01.2013

    Feuerpyramide? FTW!
    (die Erläuterung fand ich ebenso erhellend wie die vorherigen Kommentatoren)

  • Marek Marty schrieb am 01.02.2013

    Danke Paddy. guter Tipp.
    Kannst du auch mal ein Beitrag allgemein über die Methoden der Belichtungsmessung der Kamera machen, wie sie genau funktionieren. Ich hab irgendwie Knoten und stehe auf dem Schlauch, was das Thema betrifft. Vielleicht schaffst du es mich aufzuhellen :-).
    Danke für all deine Arbeit. Ich hab Freude an deinem Blog!
    Schönes Wochenende….

  • Simon schrieb am 02.03.2013

    Tja, auf 0 Meter bekommt man wohl nicht all zu oft die Gelegenheit Frau Holles Pracht zu fotografieren :-))

    Hier in den Alpen bin ich Heil froh wenn dieser strenge Winter eeendlich vorbei ist und die Kamera Ausrüstung wieder mehr zum Einsatz kommt.

    Ps. Danke dass es deine Seite gibt. Schon viel davon profitiert .

  • Dani schrieb am 17.03.2014

    Hey, habe eine Frage zu den fotografierten wänden…
    1- in welchem modus hast du sie abfotografiert?
    2- ich habe beides auch versucht in manuel und spotmessung zu fotografieren, aber nichts ändert sich?
    3- Was ist wenn ich folgendes bild habe und ich den himmel blau haben möchte (wie auf dem ersten foto) und GLEICHZEITIG den raum aufhellen will? auf was muss ich fokussieren?

    a)http://www.wissen.nikonpoint.de/wp-content/uploads/matrix_dunkel.thumbnail.jpg
    b)http://www.wissen.nikonpoint.de/wp-content/uploads/matrix_hell.thumbnail.jpg

    4- und wenn ich auf etwas fokussiere, dann wird der rest ja „unscharf“, was ist wenn eine person da stehen würde…

    würde mich wirklich freuen, wenn du mir helfen kannst und auf die 4 fragen eingehen kannst… ich verzweifel 😀

    danke im voraus