Richtige Belichtungszeit bei Langzeitbelichtungen mit Graufilter finden

Am 22. Dezember 2014 von Paddy veröffentlicht

10,0 Sek. bei f/7,1 ISO 200 - Langzeitbelichtung mit Graufilter

In der Landschaftsfotografie setze ich gerne einen Graufilter (ND-Filter) ein. Ihr kennt sicherlich alle den Effekt, wenn Wasser glatt gebügelt wird, ziehende Wolken eine dramatische Zeichnung bekommen oder man belebte Plätze plötzlich menschenleer zaubert. Das geht alles mit dem Graufilter. Um diese Effekte zu erzielen verwende ich meist ND-Filter, die 10 oder 11 Blendenstufen an Licht schlucken. Das Problem dabei ist, dass man durch den Sucher einer herkömmlichen DSLR nichts mehr sieht und Autofokus und Belichtungsmessung nicht mehr funktionieren. Bei der Verwendung von LiveView, speziell mit spiegellosen Kameras, ist das etwas anders, da bekommt man bei den meisten Modellen noch ein Bild zur Wahl des Bildausschnitts. Aber mit dem AF und der Belichtungsmessung habe ich die Erfahrung gemacht, dass sie dann auch nicht mehr zu 100% zuverlässig ist.

Wie findet man nun die richtige Belichtungszeit bei der Arbeit mit Graufiltern? Es gibt Umrechnungstabellen und Apps, die dabei behilflich sind die richtige Belichtungszeit zu finden. Mir ist das aber ehrlich gesagt zu viel Getüdel. Ich mache es folgendermassen. Im Grunde muss ich nur eine Regel kennen:

Aus 1/30 Sek wird mit einem ND 1000 Graufilter 30 Sek.

Mehr muss ich nicht wissen. Nun stelle ich meine Kamera manuell auf 1/30 Sek. und passe danach Blende und ISO an. Graufilter ist nicht drauf. Je nach Situation verwende ich bei Landschaftsaufnahmen meistens die Matrixmessung. Wenn alles eingestellt ist, stecke ich den Graufilter vor die Kamera und drehe die Belichtung auf 30 Sek. Fertig.

30,0 Sek. bei f/13 ISO 64 - Langzeitbelichtung mit Graufilter

Möchte ich eine längere Belichtungszeit, dann muss ich nur bis 3 zählen können. Ein Lichtwert oder eine Blendenstufe sind drei Rasten an den Einstellrädchen für Blende und Zeit. Zumindest ist das bei den meisten Kameras so, wenn man es nicht im Menü verändert hat. Von 30 Sek auf 60 Sek sind es drei Rasten am Zeiträdchen. Dem wirke ich entgegen, indem ich die Blende auch drei Rasten schliesse. Das System ist ganz einfach: Ein verdoppeln der Belichtungszeit erfordert zum Ausgleich die Blende um eine Stufe zu schliessen, was drei Rasten entspricht. Wenn möglich kann man statt der Blende natürlich auch ISO dafür halbieren.

120 Sek. bei f/16 ISO 64 - Langzeitbelichtung mit Graufilter

Im Kurzdurchlauf: Kamera auf 1/30 fix und fertig einstellen. Graufilter drauf schrauben und auf 30 Sek. gehen. Für 60 Sek. die Blende um 3 Rasten schließen. Für 120 Sek. weitere 3 Rasten usw.

Bei vielen Kameras ist bei 30 Sek. Belichtungszeit Schluß. Kein Problem, in dem Fall verwendet man BULB und einen Fernauslöser, den man einrasten. Um die Zeit zu nehmen, schaue ich einfach auf den Timer an meinem iPhone. Bei der OM-D mache ich es über die WiFi-App, aber auch dort muss man auf die Uhr schauen. Die Auslöser mit eingebautem Timer mag ich nicht so gerne, da sie meistens von der Bedienung zu fummelig sind.

Hat man das System einmal verstanden, benötigt man keine Tabellen oder Apps für die Umrechnung mehr. Es ist eigentlich ganz einfach, probiert es mal aus. Dazu muss man noch anmerken, dass die meisten Graufilter nicht zu 100% genau sind. Es kann also durchaus sein, dass man 35 oder 40 Sekunden belichten muss, um auf die passende Belichtung zu kommen.

Noch ein paar Links und Kauftipps für die Langzeitbelichtung:

Zum Schluß noch ein paar weitere Langzeitbelichtungen von mir. Die Exif-Daten findet Ihr in der Bildunterschrift, wenn Ihr das Bild vergrössert.

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30 Sek. bei f/22 ISO 200 - Langzeitbelichtung mit Graufilter 60 Sek. bei f/22 ISO 200 - Langzeitbelichtung mit Graufilter 60 Sek. bei f/14 ISO 200 - Langzeitbelichtung mit Graufilter 30 Sek. bei f/10 ISO 200 - Langzeitbelichtung mit Graufilter

Veröffentlicht in: Know How nach oben

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Kommentare (16)

  • Dave schrieb am 22.12.2014

    Ich finde es super cool dass du allen so viele Tipps gibst 🙂

  • Carsten schrieb am 22.12.2014

    Moin !

    Das ist ein sehr guter Artikel, zumal es bei vielen Leuten zu Verwirrungen kommt aufgrund unterschiedlicher Bezeichnungen der Graufilter. Ich sag nur ND 3.0, 1000x, 10 Blenden … alles dasselbe.
    Die Umrechnung der Belichtungszeit bei einem 1000x Filter ist recht einfach … für andere Graufilter (8x und 64x) verwende ich jedoch tatsächlich ein App bzw. eine Tabelle. Vielleicht liegts aber auch nur an meiner Rechenfaulheit 😉

    Viele Grüsse und ein schönes Weihnachtsfest !

    Carsten

  • Hallo Patrick,

    es ist tatsächlich so, dass die starken ND Filter (z.B. Lee Big Stopper oder Haida ND 3.0) nicht exakt 10 Blenden Licht schlucken.
    Nach meinen Erfahrungen findet man häufig Werte so um die 10,5 Blenden.
    Das macht am Ende sehr viel Unterschied in der korrekten Belichtungszeit.

    Ich empfehle es, den eigenen Filter zu „kalibrieren“ damit man den tatsächlichen Verlängerungsfaktor kennt. Das erspart einem viele unterbelichtete Aufnahmen.
    Und bei „krummen“ ND Werten wird die Berechnung im Kopf dann auch nicht mehr so leicht und eine auf die Filtertasche geklebte Tabelle kann einem ordentlich helfen.

    Ich habe hierzu vor längerer Zeit mal einen Blogbeitrag geschrieben, auf den ich mal verweise: http://www.achim-sieger.de/belichtungstabelle-fur-den-lee-big-stopper/

    Viele Grüße
    Achim

  • Michael Flasshoff schrieb am 22.12.2014

    Hallo Paddy,
    danke für deinen wieder mal sehr praxisbezogenen Tipp. Bin gerade dabei, mir ein Filterset für die Landschaftsfotografie zusammenzustellen (Adapter, Filterhalter, ND’s und ND-Verlaufsfilter). Bei Lee machen einen ja die Preise schwindelig. Kannst du eine Alternative empfehlen (du erwähnst in deinem Beitrag HAIDA) ?
    Danke und lieben Gruß Michael

    • Michael,

      Haida baut derzeit die besten (farbneutralsten) ND Filter. Die Filter sind dazu auch noch günstiger als z.B. die Big und Little Stopper von Lee.

      Bei Verlaufsfiltern sind die einzigen wirklich zu empfehlenden Filter die von Lee.
      Lee Verlaufsfilter sind extrem farbneutral. Der Preis für die Filter geht völlig in Ordnung.
      Kauf dir bitte niemals Filter von Hitech. Diese bringen alle einen Magenta Farbstich in die Bilder.
      Die Haida Verlaufsfilter sind aus Glas. Wenn ein Glasfilter mal runter fällt geht der eher kaputt als ein Kunststofffilter von Lee. Die Haida sind zwar auch sehr farbneutral aber die Tönung spiegelt sehr stark und kann direkt auf den Filter treffendes Sonnenlicht in das Motiv zurück werfen.
      Seitens der Bildschärfe sieht man keine Unterschiede ob man nun Glas oder Kunststoff vor der Linse hat.

      Viele Grüße
      Achim

  • Markus schrieb am 22.12.2014

    Hi Paddy.
    Vielen Dank für den klasse Tipp.

    Wie sieht es denn bei der Omd mit der Liveanzeige aus, wenn ein Filter drauf ist? Funktioniert das?
    Also ich meine, ob sich das Bild auch so aufbaut, wie wenn man nachts Fotos macht mit Livetime.

    Danke und Grüße
    Markus

  • hal schrieb am 23.12.2014

    Ja ist schon schwer 1000/30 oder 1/3 * 100 (bzw. 8/3 = ~2.7 oder 64/8 = ungefähr 8) im Kopf zu rechnen. Da braucht es schon eine App ;-).

  • Thomas schrieb am 23.12.2014

    Schön beschrieben mit einem sehr pragmatischen Ansatz ….
    Ich verwende – weil ich die Fummelei mit den Schraubfiltern vermeiden wollte – seit einiger Zeit auch den Haida ND1000. Allerdings habe ich das Problem dass sich bei Langzeitbelichtungen am Tage die Objektivfront im Filter spiegelt – und entsprechend die Bilder aussehen. Hat einer von euch einen Tip dafür wie ich das vermeiden kann? Ich habe mal gelesen dass der Big Stopper die Spiegelungen durch eine Veredelung des Glases reduziert… weiß das einer von euch genauer?

  • Philip schrieb am 23.12.2014

    Danke! Einfach toll! Gehe jetzt sofort zum Strand zum ausprobieren.

    Frohe Festtage Dir und Deiner Familie.

  • Dimo schrieb am 23.12.2014

    Servus Paddy,
    vielen Dank für diesen Praxis-Tipp. Er (und Deine Beispielfotos) haben mich so geflasht, dass ich mir gestern noch den von Dir empfohlenen Filter + Adapterset bestellt habe. Bin schon sehr gespannt auf meine ersten Versuche.
    Viele Grüße & ein schönes Weihnachtsfest!
    Dimo

  • Philipp schrieb am 23.12.2014

    Danke für die Erinnerung an die Sache mit 1/30 -> 30s. Jedes mal, wenn ich es hätte gebrauchen können, konnte ich mich nicht mehr erinnern und hab es dann doch mit dem LiveView gemacht…

    Eine Sache ist mir aufgefallen, besonders bei dem Bild mit dem Sonnenuntergang: Das Bild zeigt ja doch ein ziemliches Rauschen mit teilweise farbigen Pixeln. Ist die OMD bei Langzeitbelichtungen so schlecht, oder ist da bei der Verkleinerung was schiefgelaufen?

    Gruß,
    Philipp

    • Paddy schrieb am 25.12.2014

      ich hatte da vergessen die Rauschreduzierung bei Langzeitbelichtung einzuschalten. Das ist ganz wichtig bei der OMD.

  • Thomas schrieb am 25.12.2014

    Hey Paddy, ein Graufilter stand auf meiner Wunschliste, aber das Christkind hatte an Prioritäten …

    In Verbindung mit der OM-D hier noch der Hinweis auf den Live-Bulb, der ja in 24 Schritten und nach vorher fest vorgebender Sekundenanzahl den jeweils erreichten „Belichtungsstand“ des Bildes auf dem Kameradisplay, auf dem dem Handy oder auf dem Tablet anzeigt. Da braucht man gar nicht mehr rechnen, sondern stoppt die Belichtung einfach, wenn man sieht das es passt.
    Schöne Sache!

  • Martin schrieb am 26.12.2014

    Hi Paddy, ich habe ein 72mm Graufilter für mein 70/200mm und Adapter für das 35 und 50mm Objektiv. Wie löst ihr das Problem mit der Gegenlichtblende die mit Adaptern nicht mehr passt.

    Grüße

    Martin

  • Simon schrieb am 27.12.2014

    Hi Paddy

    Mich würde noch interessieren, welche Adapter für die Oly-Winzlinge 17mm bzw. 45mm verwendest? Nutzt du da auch den 77mm von Haida und hast zusätzlich zum XCSOURCE-Set noch was?

    LG
    Simon

    • Paddy schrieb am 27.12.2014

      Die beiden Objektive verwende ich nicht mit Graufilter. An der OM-D dann meistens das 7-14mm von Panasonic.