Warum kleine Blenden eine grosse Zahl haben

Am 3. April 2012 von Paddy veröffentlicht

Ich begebe mich mal wieder aufs Glatteis und versuche mich an der Erklärung einer oft gestellten Frage. Wieso verdammt noch mal werden die Blendenzahlen immer grösser, je weiter ich die Blende schliesse? 4 ist grösser als 8? Häh?

Das liegt daran, das die Blendenwerte eigentlich Verhältnisse sind, also als Bruch geschrieben werden müssten. Richtig heisst es 1:2.8. Diese Bezeichnung findet man auch normalerweise auf den Objektiven. Die Blende beschreibt das Verhältnis von Brennweite zu Blendenöffnung. Eine Blende von 1 ist also genau genommen eine ganze Blende. Ein Objektiv mit 50 mm Brennweite und einer Blende von 1:1 hätte einen Blendendurchmesser von ebenfalls 50 mm.

Nach allen Regeln der Bruchrechnung ist 1/4 mehr als 1/8 und so ist die Blendenöffnung bei 4 grösser als bei 8.

Bevor nun wieder die Erbsenzähler über mich herfallen will ich noch betonen, dass die Zeichnung Pi mal Daumen entstanden ist. Die Verhältnisse zwischen den verschiedenen Blendenöffnungen stimmen bestimmt nicht.

Und wieso sind die Zahlen so krumm?

Wenn wir schon mal dabei sind, versuche ich auch mal zu erklären wieso die Zahlen so krumm sind. Kann sich doch niemand merken dieses 2.8, 5.6 irgendwas.

Nehmen wir mal eine Fläche, die 1 x 1 Meter gross ist. Diese hat eine Fläche von 1 qm. Nehme ich eine Fläche von 2 x 2 Meter, so habe ich schon 4 qm. Ich hoffe die Rechnung bekommt noch jeder hin ;-) Das heisst ich habe die Fläche vervierfacht, obwohl ich die Kantenlänge “nur” verdoppelt habe. Um eine Fläche von 2 qm zu bekommen muss ich die Kantenlänge mit der Wurzel aus 2 multiplizieren und das ist 1,4 (gerundet). 1,4 x 1,4 ist 1,96. Drückt zwei Augen zu und es kommt 2 dabei heraus.

Da kommt also die 1,4 her. Wenn Ihr nun bei Blende 1 startet und immer mit 1,4 multipliziert, dann kommt Ihr auf die Zahlen der Blendenreihe.

1 – 1.4 – 2.0 – 2.8 – 4 – 5.6 – 8 – 11 – 16 – 22

Damit es nicht so kompliziert ist, wird einfach etwas optimistisch gerundet. Auch ohne grosse Kopfrechenleistung bekommt man die Zahlen auf die Reihe. Jeder zweite Wert ist jeweils eine Verdoppelung. Also 1 – 2 – 4 – 8 – 16 und 1.4 – 2.8 – 5.6 – 11 – 22.

Alle, die keine Lust auf Mathe haben, kann ich beruhigen. Ihr habt eine 50:50 Chance in die richtige Richtung zu drehen ;-) Ausserdem noch ein kleiner Tipp: 3 Tacken sind eine Blende. Eure Einstellrädchen haben Rasten und jeweils drei Rasten weiter verstellt Ihr die Blende um einen ganzen Wert. Dazwischen liegen Drittel. Man kann dies auch bei den meisten Kamera im Menü umkonfigurieren, Standard ist aber die Drittelteilung. Und bevor ich gesteinigt werde: Es mag durchaus Kameras geben wo diese Einteilung anders ist. Ich spreche hier von den aktuellen DSLR-Kameras der grossen Hersteller.

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Kommentare (25)

  • Der Paddy spielt Erklär-Bär :-)
    Haste gut gemacht!

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  • Leo schrieb am 03.04.2012

    Schöner Artikel, Paddy! Würde mich nur noch interessieren, woher die f/1.8 oder F/1.2 kommt. ;-)

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  • Fred schrieb am 03.04.2012

    Hallo Paddy,

    ich bin auch Anfänger und habe schon zahlreiche Info-Seiten gewälzt, sowie Bücher gelesen. Dies würde ich so nicht stehen lassen. Der Begriff “Blende” kann sehr schnell Verwirrung anstiften, da er eigentlich (vorsichtig ausgedrückt) falsch bzw. gegensätzlich “gebraucht” wird.

    Laut Wiki:
    “Im Sprachgebrauch der Fotografie wird anstatt von Blendenöffnung auch verkürzt nur von Blende gesprochen, und beispielsweise statt große Blendenöffnung nur große Blende verwendet. Dieser Sprachgebrauch ist üblich, kann jedoch zu Missverständnissen führen.”

    Ähnlich habe ich es auf vielen anderen Quellen gefunden. Was mir geholfen hat war die bewusste Differenzierung von Blendenzahl und Blendenöffnung. Eigentlich würde die “Blende” der Blendenzahl entsprechen. Im Sprachgebrauch wird die Bedeutung aber der Blendenöffnung zugeschrieben.

    Zur Herleitung der “1,4″ würde ich noch Bezug von doppelter Fläche auf die (doppelte) Lichtmenge nehmen. (doppelte Fläche entspricht doppelte Lichtmenge und somit eine Blendenstufe).

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    • Mike schrieb am 03.04.2012

      Sehe “Blende” auch eher im klassisch-technischen Sinn und konnte mir das dadurch auch besser merken. Die Blende ist halt das Schwarze in der Zeichnung oben und je kleiner die Blendenzahl, desto kleiner auch die schwarze Fläche (-> größere Blendenöffnung). Dann würde übrigens der Merksatz “Große Blende=große Schärfentiefe” auch leichter zu behalten sein.
      Aber, was ist schon richtig oder falsch…?! ;-)

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  • SprakplugAC schrieb am 03.04.2012

    Irgendjemand wird bestimmt ankommen, dass du was vergessen hast.

    In diesem Sinne: *steinschmeiß*

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  • Matthias schrieb am 03.04.2012

    Der Vollständigkeit halber sollte man sagen dass das Drittel-System an der kompletten Kamera umgesetzt wurde. Also Belichtungszeit und ISO sowie Blitzleistung wird alles in Drittelschritten eingestellt (ISO 100 -> 200 eine Blende heller – dazwischen ISO 125, ISO 160).

    Um ein Foto also doppelt so hell wie vorher zu bekommen gibt es meistens (außer natürlich an den technischen Grenzen) 3(4 mit Blitz) Möglichkeiten, welche sich auch kombinieren lassen.

    z.b. ISO von 100 auf 125 + Blende von 1.6 auf 1.4 + Belichtungszeit von 1/250 auf 1/200

    Aber eigentlich ging es ja doch nur um die Blende ;)

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  • Marén schrieb am 03.04.2012

    So eine Zeichnung hätte ich vor einem halben Jahr gebraucht… Die drück ich jetzt jedem Fotografieanfänger in die Hand, danke!

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  • jeo schrieb am 03.04.2012

    Danke, sehr schöne Erklärung :)

    Eine Sache, die ich noch nicht verstanden habe:

    Ist die Blende in oben genanntem Beispiel (f/1 bei 50 mm) eigentlich wirklich 50 mm im Durchmesser oder ist das nur ein theoretischer Wert? Hat ein 200mm, f/4 also eine Blendenöffnung von 50mm?
    …und wieso hat dann mein 70-200mm, f/4 keine Blende f/1.4-4.0 sondern durchgehend f/4.0?

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    • FitzCarraldo schrieb am 05.04.2012

      Die Blende, auch bekannt als Lichtstärke, ist das Verhältnis von Grösse der Frontlinse (offene Blende) zu Brennweite (Länge von der Frontlinse zum Sensor). Wenn dein Objektiv beim zoomen Länger wird, wird auch die Lichtstärke geringer weil die Frontlinse weiter vom Sensor weg ist, die Grösse der Linse aber gleich bleibt.

      Objektive mit konstanter Lichtstärke machen den Zoomeffekt durch verschieben von Linsen innerhalb des Objektives, der Abstand von Frontlinse zum Sensor bleibt unverändert also Konstante Lichtstärke !

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  • Martin schrieb am 03.04.2012

    Ich habe mal gelernt: “Blende” ist das Teil, das etwas ab-, aus- oder wegblendet. Je größer die Blendenzahl umso mehr wird weggeblendet.
    Das, was schließlich an (Blenden-)Öffnung übrig bleibt bestimmt die Lichtausbeute und die wird kleiner je größer der weggeblendete Bereich ist.
    Daher:
    große Zahl = große Blende = kleine Öffnung
    kleine Zahl = kleine Blende = große Öffnung

    Es müsste also heißen “große BlendenÖFFNUNG = viel Licht”

    Eigentlich doch ganz logisch.

    M.f.G.
    Martin

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  • Susanne schrieb am 03.04.2012

    Und wer es sich ganz einfach machen will, nehme meine Eselsbrücke: große Blendenzahl, große Schärfentiefe.
    Danke für die einfach und schlüssige Erklärung, kann man gar nicht oft genug haben.

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  • Dr. Jones schrieb am 03.04.2012

    In der Physikvorlesung hatten wir die entsprechende Formel dazu, genau wie du es auch gesagt hast mit der Wurzel 2.

    Wie komme ich dann aber auf Werte von 0,95 beispielsweise beim Noctilux von Leica? Das konnte mir der Prof auch nicht erklären…

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    • Ehrhardt Petter schrieb am 03.04.2012

      Hallo Dr. Jones,

      wenn du willst kannst du auch einen Blendenwert von 0,1 haben. Der Blendwerten (das was drauf steht) ist nicht anderes als das Ergebnis von: Brennweite / Durchmesser der Blendenöffnung.
      Du musst also nur ein Objektiv mit entsprechend großer Blendenöffnung konstruieren.
      Bei den sich dann ergebenden Problemen muss man aber schon die Frage nach dem Sinn stellen.

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  • Michael schrieb am 03.04.2012

    Wenn man die Wurzel aus zwei mit sich selber multipliziert (also SQRT[2] x SQRT[2]) kommt nicht nur ungefähr, sondern exakt 2 raus.
    Dieselbe Erklärung gibts im Video (und auf englisch) hier: http://www.petapixel.com/2012/04/02/a-simple-explanation-of-f-stop-numbers/

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  • Nadi schrieb am 03.04.2012

    Hä? Versteh ich nicht ganz.
    Wenn ich die Kreisfläche verdoppeln (ein Blendensprung) will, muss ich den Durchmesser mit 1,4 (Wurzel aus 2) multiplizieren. Das hat doch nichts mit nem Quadrat mit ner Seitenlänge von 1,4 zu tun.

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  • Alexander schrieb am 03.04.2012

    Wir hatten das ja schon im Kurs gehabt und ich finde es gut dass du es noch mal so aufgeschrieben hast. Es ist verständlich und Informativ. Danke und gruß Alex

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  • Michaela schrieb am 03.04.2012

    Ich konnte mir das nur schwer merken, daher habe ich ganz gehirngerecht folgenden Spruch ausgeheckt:
    Lässt du deine Blende offen, kannst auf die Schärfe nur noch hoffen.

    Das “Tiefen-” bleibt aus Reim-Qualitätsgründen weg, der Spruch geht aber so auch, um sich das endlich mal zu merken :-D

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  • Bernd schrieb am 03.04.2012

    Einfach und verständlich erklärt. Bekomme die Frage auch oft von Kollegen gestellt aber ohne visuelle Erläuterung ist es immer etwas unverständlich was ich sage. Zumindest habe ich den Eindruck wenn ich in die Gesichter der Kollegen schaue. Die Zeichnung ist klasse und verdeutlicht den Zusammenhang auf einfache Art und Weise.

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  • Volker schrieb am 03.04.2012

    Grundlagenwissen schön verständlich erklärt :)
    Gruß Volker

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  • Pete schrieb am 03.04.2012

    naabönd,

    also das ist mal ne tolle Erklärung. Ich Fotografier zwar schon ne weile, aber jetzt habe Ichs auch verstanden und kanns mir jetzt auch besser merken. :)

    Danggeschee

    Grüßle
    Pete

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  • Eduard schrieb am 03.04.2012

    Sehr schöne Erklärung. Vielen Dank dafür ;-)

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  • Gordon schrieb am 04.04.2012

    Sehr schön. Einfach und gut erklärt. Zwar für mich nicht neu, aber das gebe ich meinen vergesslichen Kollegen mal an die Hand. ;) Danke.

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  • Florian schrieb am 04.04.2012

    Hallo Paddy, sehr gut…

    Für die Verständlichkeit noch eine weitere Erklärung: Der Durchmesser der Blendenöffnung, passt so oft in die Länge des Objektives, wie die Blendenzahl ist. Heißt also, bei einem 50mm Objektiv und einer Blende von 2,8 passt der Durchmesser der Blendenöffnung 2,8 mal in die Länge von 50mm, demzufolge passt die Öffnung von Blende 16, 16 mal in die Länge von 50mm.

    Gruß Florian.

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  • Und auf meinem letzten Workshop wurde es nun noch schwieriger (was selbst mich bis gestern verwirrt hat):

    Da hatte ein Teilnehmer mit einer Sony-Kamera plötzlich Blendenwerte von z.B. 9,5 (normal: volle Blende 8 und 11, dazwinschen Drittel 9 und 10).
    Wir haben es natürlich belustigt erstmal auf Sony geschoben.

    Bis ich gestern merkte, daß ich auch meine Canon auf HALBE Blendenwerte umstellen kann und dann diese ungewohnten Zahlen dabei rauskommen. Aber wer macht das schon…

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  • matmaxx schrieb am 04.04.2012

    Und was hat das jetzt mit der ‘hyperfokalen Distanz’ zu tun..?

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