Wie funktioniert ein Bildstabilisator und was bringt er mir?

Am 28. September 2010 von Paddy veröffentlicht

Bildstabilisatoren sind nichts neues mehr, mittlerweile sind sie eigentlich in allen Kameras, bzw. Objektiven verbaut. Was tun sie? Ganz einfach: sie stabilisieren das Bild 😉

Um ein unverwackeltes Fotos zu schiessen gibt es die folgende Daumenregel: Kehrwert der Brennweite als kleinste Belichtungszeit. D.h. bei 80 mm Brennweite, sollte ich mindestens 1/80 Sek. Belichtungszeit haben, um das Bild nicht zu verwackeln. Was hat das mit der Brennweite zu tun? Je näher ich an ein Objekt heran zoome, umso stärker übertragen sich kleinste Erschütterungen auf das Bild. Habe ich eine 300 mm Linse, so muss ich nur minimal an der Kamera wackeln und habe ein Erdbeben im Sucherbild. Daher muss die Belichtungszeit umso kürzer sein, je länger die Brennweite. Das ist wie gesagt eine Daumenregel. Ein ausgebildeter Scharfschütze wird längere Belichtungszeiten ohne Verwackeln halten können.

Der Bildstabilisator (IS = Image Stabilizer bei Canon, VR = Vibration Reduction bei Nikon) beruhigt, bzw. stabilisiert das Bild nun deutlich. Das funktioniert über Bewegungssensoren, welche die horizontale und vertikale Erschütterung messen. Ein eingebauter Prozessor berechnet on the fly wie Stark die Erschütterung kompensiert werden muss und steuert dann ein bewegliches Linsenelement im Objektiv an, welches der Erschütterung entgegen wirkt. So ist zumindest das Grundprinzip. Einige Hersteller wie z.B. Sony oder Olympus bauen den Stabilisator nicht in die Objektive, sondern in die Kamera ein. Das hat natürlich den Vorteil, dass dadurch die Objektive grundsätzlich günstiger sind, da sie alle keinen Stabilisator enthalten. Der Vorteil eines Stabilisators im Objektiv ist die genaue Abstimmung auf den Objektivtyp. Was besser ist, kann ich Euch nicht sagen.

Viel wichtiger ist jedoch zu wissen was der Stabilisator mir bringt. Die Marketingexperten schreiben natürlich gerne „bis zu 4 Blendenstufen“. Versuch macht aber bekanntlich klug. Dazu habe ich einfach mal mit meinem Nikkor 70-200mm f/2,8 VRII einen simplen Versuch gemacht. Drei Vergleichsbilder, alle bei 200mm mit unterschiedlichen Belichtungszeiten. 1/200, 1/50 und 1/25 Sek, jeweils mit und ohne Bildstabilisator. Schaut Euch das Ergebnis am besten selbst an.

1/200 Sek.

1/50 Sek.

1/25 Sek.

Bei 1/200 Sek. ist kaum ein Unterschied vorhanden, was zumindest die Daumenregel „Kehrwert der Brennweite als Belichtungszeit“ belegt. Bei 1/50 Sek. ist dann schon ein Verwackler ohne Stabilisator zu sehen. Richtig krass ist der Unterschied dann bei 1/25 Sek und da leistet der Stabilisator dann auch wirklich ganze Arbeit. 1/25 Sek bei 200mm aus der Hand ist doch schon ganz ordentlich. Speziell bei den langen Brennweiten macht sich der Bildstabilisator also richtig bemerkbar.

Aber Vorsicht: Wer nun meint, er könne einfach den Stabi einschalten und wird zum Sportfotografen, der sei gewarnt. Gegen die Bewegung der Sportler kann der Stabilisator nichts ausrichten 😉 Immer wenn Ihr mit Bewegung zu tun habt, muss die Verschlusszeit runter, was bei wenig Licht nur über eine grosse Blende und höhere ISO-Zahl zu erreichen ist.

Noch ein Tipp: Es wird oft dazu geraten, den Stabi auszuschalten, wenn man mit einem Stativ arbeitet. Auf dem Stativ ist die Kamera schon total tiefenentspannt und sollte nicht wackeln. Die beweglichen Teile des Stabilisators können sich nun auf den Stativkopf und das Stativ übertragen und so Schwingungen hervor rufen, die wiederum zu Verwacklern führen können.
Das ist grundsätzlich richtig. Ich vergesse jedoch ständig den Stabi auszuschalten und mir ist dadurch noch kein Bild versaut worden. Das liegt aber auch daran, dass ich ein sehr stabiles Stativ verwende, das so schnell nichts erschüttert. Bei einem 30€-Stativ aus dem Elektro-Discounter kann das schon wieder anders aussehen.

Letzter Tipp: Viele Objektive mit Stabilisator haben einen weiteren Schalter. Bei Nikon steht dort „Normal“ und „Active“. Active verwendet man, wenn nicht nur die eigene Bewegung ausgeglichen werden muss, sondern Ihr Euch selbst auf einem beweglichen Untersatz befindet. Fotografieren aus dem Auto heraus ist ein gutes Beispiel dafür.

Veröffentlicht in: Foto nach oben

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Kommentare (7)

  • LinuxLinus schrieb am 28.09.2010

    „Schöne“ Beispielbilder!

    Ich stelle, wie du, den Stabi aber auch auf dem Stativ nicht aus. Sogar auf einem kleinen 7 Euro Pocket-Stativ konnte ich dabei noch keine künstlichen Verwandelungen feststellen.

    Und jetzt weiß ich auch, was das Active auf den Nikon-Tüten bedeutet.

  • Sebastian schrieb am 28.09.2010

    Schöner Bericht.
    Ich bin froh einen Bildstabi in meiner DSLR zu haben.
    Da kann man mit ruhiger hand auch mal bilder mit „längeren“ verschlusszeiten hinbekommen.

    PS: ich schalte den bildstabi auf dem stativ immer aus 😉

  • Kai-Uwe Beyer schrieb am 28.09.2010

    Wie immer ein sehr sehr guten uns ausführlicher Bericht. Danke.
    Wenn ich die Zeit fände, ghätte ich tierisch Lust mit nach Malle zu fliegen und sehr sehr viel zu lernen.

  • Uwe schrieb am 28.09.2010

    Ein Vorteil eines Bildstabilisators im Objektiv ist auch, dass man dadurch auch ein stabiles Sucherbild hat. Meines Wissens wird beim Stabi im Kamera-Body der Sensor bewegt, daher wackelt es im Sucher weiterhin.

  • Stefan schrieb am 28.09.2010

    Erlaube mir darauf hinzuweisen, dass bei den kurzen Belichtungszeiten die Sportfotografie benötigt ein Bildstabi nicht wirklich Sinn macht – er hilft, wie Du ja richtig schreibst, bei längeren Belichtungszeiten. Darüber hinaus macht VR beim kurzen Belichtungszeiten Bilder unscharf. Achte mal drauf.
    BTW: neben einem VR oder IS hilft auch die richtige Kamerahaltung. Dazu hatte ich erst kürzlich einen kleinen Wettbewerb veranstaltet: http://www.stefangroenveld.de/tipps-tricks/wie-kann-ich-langer/

  • jan schrieb am 29.09.2010

    bei aller liebe zu langen belichtungszeiten… einen stabi nutze ich grundsätzlich nicht. stefan hat es schon angedeutet… richtige kamerahaltung sowie körperhaltung bei guter atemtechnik lässt so gut wie jeden ohne stabi auskommen. nachteil des stabi ist leider auch das selbst wenn er ausgeschlatet ist… also in null position im objektiv… er trotzdem zwischen den linsen liegt und die qualität beeinträchtigt. das mag recht vielen nicht so wiechtig sein, aber ich halte es für meine eigene arbeit für extrem wichtig.

  • gwegner.de schrieb am 14.10.2010

    Sehr guter Artikel. Eine Sache möchte ich jedoch anmmerken. Du schreibst:

    Die beweglichen Teile des Stabilisators können sich nun auf den Stativkopf und das Stativ übertragen und so Schwingungen hervor rufen, die wiederum zu Verwacklern führen können.

    Es geht nicht darum, dass Bewegungen des Stabilisators auf das Stativ übertragen werden, es geht eher darum, dass der Stabilisator nicht von einer vollständig ruhigen Kamera ausgeht und auch dann leicht „kreisen“ kann. Besonders bei Langzeitaufnahmen z.B. von Sternen vom Stativ aus, kannst Du die Bewegungen des Stabis begutachten, wenn Du ihn nicht ausschaltest. Das gleiche Phänomen kann man bei Videokameras mit Stabi feststellen, wenn man damit versucht standbilder aufzunehmen. Das Bild ist nie ganz ruhig, da der Stabi leicht „osziliert“.

    @jan: der Stabilisator liegt i.d.R. nicht optisch „zwischen den Linsen“ sondern besteht in der Regel aus 2 Servos, die die Linsen entsprechend Verschieben oder Kippen. Eine optische Verschlechterung entsteht dadurch nicht. Meiner Erfahrung nach kann man selbst mit noch so guter Atemtechnik und Haltung einen Stabilisator nicht ersetzen. Die Dinger leisten schon eine Menge, wenn man weiß, sie einzusetzen.