Anfänger Basics für das Filmen mit der DSLR und DSLM

Am 23. März 2015 von Paddy veröffentlicht

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Ich bin weit davon entfernt mich als Experte für Film und Video zu bezeichnen. In den letzten drei Jahren habe ich mich aber so durchgewurschtelt und musste viele Fehler selbst machen. Ich hätte mich gefreut, wenn mir jemand mal die absoluten Basics erklärt hätte. Ich bin immer sehr hemdsärmelig an die Dinge heran gegangen, was zu blutiger Nase, aber auch viel Lerneffekt führte. Der Profi lacht darüber, aber wenn man zum ersten mal ein Filmchen mit seiner Kamera drehen möchte, dann steht man wie der Ochs vorm Berge mit grossen Fragezeichen in den Augen. Ich möchte mal versuchen ein paar ganz grundlegende Punkte aus meiner Sicht zu beschreiben. Vielleicht hilft es ja und gibt etwas Motivation mal ein paar Filmchen zu drehen.

Wieso sind DSLR und DSLM so beliebt bei Filmemachern?

Digitale Fotokameras hatten in der Vergangenheit im Vergleich zu reinrassigen Videokameras einen relativ grossen Sensor. Der grosse Sensor erschafft die geringe Schärfentiefe, die nicht nur auf Fotos, sondern auch im Film sehr schick aussieht. Der Look ist eher bekannt aus grossen Kinofilmen und sieht nicht so sehr nach RTL-Soap aus. Mit der Videofunktion im Fotoapparat bestand plötzlich die Möglichkeit für relativ wenig Geld den „grossen“ Look zu erzeugen.

Wo ist das Problem?

Problem an der Geschichte ist, dass Fotoapparate in erster Linie zum Fotografieren gebaut wurden und Video zunächst mal ein Abfallprodukt war. Die Bedienung ist im Vergleich zu einer reinen Videokamera nicht auf Film ausgelegt und viele Features, die man vom Film kennt, haben Fotoapparate nicht.

Allerdings hatte das Marketing nun eine neue Sau, die durchs Dorf getrieben werden konnte. Denn eine vermeintliche Full-HD Kamera frei Haus beim Kauf der Fotoknipse mitzuliefern ist schon was feines. Ich weiss noch, wie ich der festen Überzeugung war dieses Feature an meiner D90 unbedingt zu brauchen. Ich glaube es wurden dann zwei Testsequenzen à 15 Sek, die ich damit drehte.

So schön es auch ist das Videofeature in der Kamera zu haben, so hoch ist andererseits der Frustfaktor. Unscharfe Wackelbilder sind das, was man bekommt, wenn man mit der DSLR filmt und keine Ahnung hat von dem was man da tut.

Welche Auflösung soll ich nehmen?

Im Kameramenü findet man verschiedene Auflösungen. Full-HD hat sich mit seinen 1920 x 1080 Pixeln zum aktuellen Quasi-Standard entwickelt. Das bezeichnet man dann auch mit 1080p (zum p komme ich gleich). Die Alternative ist 720p, auch HD-ready genannt, mit 1280 x 720 Pixeln. Das Seitenverhältnis beträgt dabei 16:9. Seit einiger Zeit gibt es 4k, das so heisst, weil man nun 4.000 Pixel Kantenlänge hat. Um genau zu sein gibt es das sog. Ultra HD (UHD), welches 3840 x 2160 Pixel besitzt, 4k oder auch Cinema 4k dagegen hat 4096 x 2304 Pixel.

Für den Einstieg macht man mit 1080p nichts falsch. Das scheint aktuell der Standard zu sein und die Datenmengen sind bei den momentan erhältlichen Speicherkartengrössen gut zu handeln. 4k ist ganz faszinierend, aber der Mehrwert hält sich aktuell noch in Grenzen. Wir verwenden 4k nur dann, wenn wir aus dem Bild später einen Teil heraus croppen wollen. Man kann aus einem 4k Bild einen beliebigen Bereich von 1920 x 1080 Pixeln heraus schneiden. Je nach Kamera wird auch bei 4k evtl. eine höhere Schärfe erzielt. Die GH4 z.B. nutzt dann die Pixel 1:1, was zu einem sauscharfen Bild führt. Aber in der Praxis spielt das für unsere Anwendung keine Rolle. Wir drehen kleine Tutorialfilme, bei denen das Bild zwar gut sein sollte, aber nicht die Qualität eines Kinofilms erreichen muss.

Das folgende Video zeigt 4k-Material, in das ich in einem 1080p Video hinein zoome.

P oder I?

Hinter den Auflösungen befindet sich meistens ein p oder i, also 1080p oder 1080i. Das p steht für „progressive“ und das i für „interlaced“. Im interlaced Verfahren werden zunächst nur die eine Hälfte der Zeilen (540) übertragen und dann die andere Hälfte danach. Das kann u.U. zu sog. Kammeffekten führen, dann sieht man plötzlich gegeneinander verschobene Zeilen im Bild. Beim progressiv Verfahren hingegen werden die Bilder komplett übertragen, was zu einem klareren Bild führt. Das Thema ist sehr komplex, aber ist sehr geprägt durch die Historie der Bildübertragung. Wenn möglich, würde ich heute immer eine P-Auflösung wählen. Interlaced spielt in unserem Bereich kaum eine Rolle.

Und was ist mit der Framerate?

Bei den Auflösungen findet sich meistens noch ein Zusatz für die Framerate. Übliche Zahlen sind 24, 25, 30, 50 und 60. 24 fps kommen aus dem Kino und werden für Kinofilme verwendet. 25 hingegen ist bei unserem PAL-System der Standard und 30 bei dem amerikanischen NTSC. Ich verwende daher meistens 25 fps bei allen Videoaufzeichnugen. Höhere Frameraten wie 50 oder 60 fps bieten die Möglichkeit der Zeitlupe. Filmt man mit 50 fps und lässt die dann später mit 25 abspielen, so hat man eine Reduzierung der Geschwindigkeit um 50%. Idealerweise arbeitet man mit einem Vielfachen der ursprünglichen Framerate, bei PAL also mit 50 fps und bei NTSC mit 60 fps. Schnittprogramme wie z.B. Premiere Pro sind aber in der Lage alle möglichen Auflösungen und Frameraten zu kombinieren, so dass es kein Totalunfall wird, wenn man mal versehentlich nicht darauf achtet. Daher kann man auch mal 60 fps nehmen und die 25 fps abspielen, um wirklich das Maximum aus der Zeitlupe heraus zu quetschen. Grundsätzlich solltet Ihr aber schon darauf achten, dass die Frameraten zusammen passen.

Die GH4 schafft 96 fps, was zu einer Slow-Motion-Aufnahme mit etwa 25% Verlangsamung führt. Das ist schon ganz ordentlich. Noch höhere Frameraten für kleines Geld gibt es mit der GoPro 4 oder dem iPhone 6. Beide schaffen bis zu 240 fps, dann aber leider nur bei 720p. Kann man sich aber schon ganz gut anschauen. Ansonsten muss man momentan noch etwas mehr Geld in die Hand nehmen, um eine gute Qualität bei hohen Frameraten zu erhalten. Grösstes Problem bei den extrem hohen Frameraten ist das Licht. Bei 25 fps kann man rechnerisch mit 1/25 Sek. pro Bild belichten. Bei 100 fps muss man dann schon auf minimal 1/100 Sek. gehen und bei 240 fps dann eben auf 1/240 Sek. (oder 1/250). Das sind gegenüber 1/25 mehr als 3 Blendenstufen Unterschied. Das iPhone gleicht das aus, indem es einfach ISO hoch regelt. Kann man machen, aber dann rauscht es halt. Ansonsten muss man Licht hinzufügen oder eben bei viel Tageslicht drehen.

Hier ein Video, das verschiedene Frameraten vergleicht. Verdammt, ich bin mir aber auch zu nichts zu schade 😉

Linktipp: Gunther hat mal was zu Frameraten geschrieben.

Belichtungszeit

Vielleicht habt Ihr schon mal gehört, dass man bei Video mit 1/50 Sek. drehen soll. Das hat etwas mit der Bewegungsunschärfe zu tun. Bei 1/50 Sek. entstehen Unschärfen in Bewegungen, was das Bild natürlicher aussehen lässt. Je kürzer die Belichtungszeit, umso knackiger, krisper wird das Bild. Paradebeispiel ist die Anfangsszene aus „Der Soldat James Ryan“, da fliegen einem die Kugeln nur so um die Ohren und der umherfliegende Sand ist extrem scharf. Da wurde mit kurzer Verschlußzeit gearbeitet. Als Stilmittel kann das sehr cool sein, aber es entspricht nicht unserer Sehgewohnheit. Dreht man z.B. mit 1/100 oder 1/200 Sek. normale Bewegungen, so sieht das Bild schnell aus, wie eine RTL-Soap, es bekommt diesen ekligen Videolook.

Dazu auch noch ein Hinweis zu 4k. Es wird gerne erzählt, dass man bei 4k-Video problemlos Einzelbilder aus dem Video extrahieren kann. Ja, das ist zwar richtig, aber hier kommt dann wieder die Belichtungszeit ins Spiel. Damit die Einzelbilder scharf sind, müsst Ihr dort wiederum entsprechend kurze Belichtungszeiten im Video verwenden.

Im folgenden Video habe ich mal mit unterschiedlichen Belichtungszeiten einen kleinen USB-Lüfter gefilmt. 1/50 entspricht am ehesten dem, was ich ohne Kamera sehe.

Graufilter

Einem Fotografen muss ich nicht erzählen, wie er mit der Blende Unschärfe erzeugt. Genau das ist es, was den Bildlook mit den grossen Sensoren ausmacht. Wenn man aber bei Tageslicht mit 1/50 Sek. und f/2.0 drehen will, dann ist es selbst bei ISO 100 noch zu hell. Also ist der Graufilter ein unerlässliches Zubehör für den Filmmacher. Variofilter sind hier sehr beliebt, da sie sich justieren lassen, meistens im Bereich von 1-5 Blendenstufen. Wir verwenden recht günstige Variofilter, nicht optimal, aber erträglich von den Farbverfälschungen. Tiffen oder Heliopan haben hochwertigere.

Bildeinstellungen

Ein Video kann man ebenso bearbeiten, wie ein Foto. Es existiert auch ein RAW-Format, welches sich extrem gut bearbeiten lässt, was man übrigens Color Grading nennt. Dieses RAW-Videoformat besitzen aber nur wenige Kameras, die DSLRs meistens nicht. Ausserdem explodieren dann die Datenmengen, so dass man teilweise mit externen Rekordern arbeitet, um dem Herr zu werden. Aber auch das „normale“ Videobild aus der DSLR lässt sich graden. Dafür ist es bei Filmemachern beliebt Kontrast, Sättigung und Schärfe herunter zu regeln und das Bild möglichst flach zu machen. So hat man die meisten Details im Bild und kann dann ganz selektiv später Farben, Kontraste und Schärfe anpassen. Das macht man dort, wo man auch die Foto-Farbeinstellungen vornimmt. Bei Nikon nennt sich das Picture Controls, bei Canon Bildstile.

Ich bin bei diesem Thema hin und her gerissen. Ich bin kein Freund von dem extrem flachen Bild. Das liegt aber daran, dass ich nur kleine Tutorials drehe, die kein grossartiges Grading verpasst bekommen. Hier ist es eher wichtig einen halbwegs natürlichen Bildlook zu erzielen. Da Grading viel Zeit und Know How kostet, versuche ich das Videobild in der Kamera möglichst hübsch zu machen. Die GH4 bietet da sehr geile Möglichkeiten das Bild zu beeinflussen.

Wenn Ihr gerade anfangt Euch mit dem Thema Film zu beschäftigen, dann nehmt ruhig eine der Voreinstellungen Eurer Kamera und vergesst das Thema Grading erst einmal. Kümmert Euch lieber zunächst um die restlichen Baustellen, die sind schon Arbeit genug.

(Auto)Fokus

Fotografen fragen meistens danach, wie das beim Film mit dem Autofokus geht. Wie muss ich den einstellen, damit es klappt? Die Antwort ist simpel: gar nicht. Vergesst das Thema Autofokus einfach. Im Film wird manuell fokussiert. Es gibt dafür sogar einen eigenen Job, den sog. „Fokus Puller“. Der sitzt neben dem Kameramann und macht nichts anderes als die Schärfe zu ziehen. Und das ist eine echte Aufgabe. Sowas muss geplant sein und daher macht man sich Markierungen am Fokusrad und bespricht wann welcher Darsteller wo stehen wird. Mir ist kein kontinuierlicher Autofokus bekannt, der das auch nur annähernd hinbekommt.

Da wir diesen Aufwand nicht treiben wollen/können, machen wir bei Bewegungen einfach die Blende etwas zu, um Spielraum zu bekommen. Wir haben auch meistens mehr als eine Kamera, wobei die erste Kamera statisch ist und uns immer ein Bild liefert, falls eine der anderen Kameras mal nicht im Fokus ist. Aber dann wird es schon wieder aufwändig.

Und wie fokussiert man manuell? Das ist mit herkömmlichen Fotoobjektiven gar nicht so einfach, da diese einen sehr kurzen Fokusweg haben. Präzise damit zu arbeiten ist teilweise fast unmöglich. Ich besitze z.B. das Zeiss 135mm f/2.0. Das hat manuellen Fokus und einen sehr langen Fokusweg, damit ist es eine echte Freude manuell zu fokussieren. Ansonsten gibt es Hilfen. Zum einen ein externer Monitor, der das Displaybild vergrössert. Kostet aber wieder Kohle und ist zusätzliches Geraffel. Viele Kameras haben heute sog. Fokus Peaking. Dabei werden die Kanten im Bild eingefärbt, sobald sie scharf sind. Das ist eine super Hilfe, aber hier habe ich die Erfahrung gemacht, dass das Fokus Peaking teilweise mehr Toleranz in dem hat, was angeblich scharf ist, als ich. Das kann aber kameraabhängig sein, ich spreche hier von der GH4.

Apropos GH4, dazu ein kleiner Tipp. Wir benutzen teilweise den Touchfokus. Man tippt aufs Display und die Kamera stellt dort scharf, wo man hingetippt hat. Das hat sich als schnell und zuverlässig erwiesen, wenn man die Kameraposition ändert und schnell nachfokussieren muss. Dazu eine kurze Demo. Wenn es im Video wackelt, dann habe ich gerade per Touch den Fokus gesetzt. Es gibt also immer eine kleine Verzögerung. Ihr seht, ist nicht optimal, aber für unsere Zwecke gut zu gebrauchen.

Stative, Slider, Rigs

Bilder wie ein Erdbeben kennen wir zu genüge. Es gibt nichts nervigeres als ein wackeliges Filmbild, außer vielleicht noch krächzender Ton. Daher gehört meiner Meinung nach eine Filmkamera erst einmal auf ein Stativ. Je nachdem was man so filmt, kann sie auch unbewegt auf dem Stativ bleiben. Die Bewegung passiert dann hoffentlich im Bild selbst. Die Kamera wild hin und her schwenken macht einen Film nicht interessanter, sondern nur anstrengender. Wir verwenden ganz normale Fotostative, wie das Manfrotto 055XProB und dazu einen kleinen Videokopf wie den MVH500AH, ebenfalls von Manfrotto. Nach oben ist die Skala bekanntlich offen und bei Videostativen und Köpfen kann man locker ein paar Tausender los werden.

Möchte man etwas flexibel sein, dann empfiehlt sich irgendeine Art von mobilem Stativ. Ach was kann man da nicht alles schönes kaufen. Die Kamera lässt sich pimpen bis zum Monster-Truck mit diversen Anbauteilen. Wir haben viel davon ausprobiert und vieles liegt nun unbenutzt in der Ecke. Komischerweise ist eines der einfachsten Teile am häufigsten im Einsatz, ein simples Schulterstativ für 30,- €. Verarbeitung ist etwas schrottig und eins haben wir auch schon zerlegt, aber das Ding ist einfach praktisch, leicht und klein. Ebenfalls sehr gerne verwenden wir ein Einbeinstativ 560-B1 von Manfrotto. Damit ist man auch sehr schnell und mobil und bekommt wackelfreie Bilder hin.

Um in statische Aufnahmen etwas Bewegung zu bekommen, empfiehlt sich ein Slider. Aber ehrlich gesagt würde ich den nicht für den Anfang empfehlen. Die Biester sind eigentlich unpraktisch und man hat keine Lust sie mitzuschleppen. Ausserdem neigt man dazu sie zu viel einzusetzen. Slider sind zudem teuer. Der Effekt ist zwar ziemlich geil, aber muss nicht unbedingt am Anfang sein. Wer dennoch mal schauen will, sollte mal bei Edelkrone rein klicken. Die Dinger sind ganz sexy. Wir haben einen von Kessler. Solltet Ihr einen mit Motor kaufen, denkt daran, dass der Motor Geräusche macht und das im Mikro zu hören ist.

Ton

Ton ist echt ne Bitch. Ist das Bild ab und zu unscharf, ist das nicht so nervig wie versauter Ton. Leider ist Ton aber eine Wissenschaft für sich und ich bin weit davon entfernt ein Experte auf dem Gebiet zu sein. Ich kann lediglich sagen, womit ich ganz gute Erfahrungen gemacht habe. Also zunächst mal ist das eingebaute Mikrofon in den Kameras relativ nutzlos. Es taugt lediglich dazu überhaupt irgendeinen Ton aufzunehmen, um dann später mit dem separaten Ton synchronisieren zu können.

Also braucht man erst einmal ein anständiges Mikrofon. Da kommt es darauf an, was Du aufnehmen möchtest. Für Sprache nehme ich immer Ansteckmikrofone mit Funkstrecke von Sennheiser. Die sind leider recht teuer. Rode bringt bald das Filmmaker Kit raus. Das ist etwas günstiger, aber ausprobiert habe ich es noch nicht. Die Funkstrecke kann man direkt in die Kamera einstöpseln und los geht es. Wer die Kohle nicht ausgeben möchte, dem empfehle ich das Rode SmartLav+. Das Mikro steckt man in sein Smartphone und nimmt dann den Ton dort auf. Später im Schnittprogramm muss man dann nur noch die Ton- mit der Bildspur synchronisieren. Das geht heutzutage supereinfach und genau dafür ist dann der Schrebbelsound vom eingebauten Mikro hilfreich.

Möchtest Du ein Mikro auf der Kamera, dann kommt es darauf an, welche Charakteristik Du benötigst. Auch das ist wieder eine Wissenschaft für sich. Da kann man z.B. das Rode Video Mic Pro nehmen, welches einen etwas weiteren Bereich nach vorne aufnimmt. Oder man nimmt eine sog. Shotgun, ein richtiges Richtmikrofon, das nur aufnimmt, was ihm direkt vor die Flinte kommt. Ja, das kann man sich ein wenig wie ein Gewehr vorstellen, man muss damit zielen. Meine Geheimwaffe für so ziemlich alles ist der Zoom H6 Rekorder. Der kann nämlich bis zu sechs Tonspuren aufnehmen und vorne lässt sich ein Mikro aufstecken, u.a. auch eine Shotgun. Der externe Rekorder macht Sinn, sobald man mit mehr als einer Tonspur aufnehmen möchte. Am Zoom lässt sich der Pegel sehr schön einstellen und die Aufnahmequalität ist auch besser als in der Kamera.

Aber ganz ehrlich, das sind nur ein paar Anhaltspunkte. Ton ist echt komplex. Ihr müsst Euch vor allem mit Abständen und Umgebungsgeräuschen beschäftigen. Je näher das Mikro am Mund ist, umso weniger Umgebung hat man mit drauf. Mikros auf der Kamera sollte nicht zu weit vom Geschehen entfernt sein. Nicht umsonst läuft beim Film immer ein Typ mit einer Tonangel rum und bringt das Mikro genau dort hin, wo der Ton am besten aufgezeichnet werden kann. Ansteckmikros würden im Film auch irgendwie doof aussehen 😉

Ach ja: draussen bei Wind die tote Katze nicht vergessen 😉 So ein Fell schluckt die Windgeräusche, macht den Ton aber auch ein klein wenig dumpfer.

Videoschnitt

Erst durch den Schnitt wird ein Video richtig interessant. Man kann alleine durch den Schnitt die Aussage von Filmen komplett verändern. Das ist also durchaus ein kreativer Part. Viel brauchst Du eigentlich nicht. Jede Schnittsoftware wird heute mehr können, als Du jemals brauchst. Am Anfang neigt man dazu alle erdenklichen Spielereien auszuprobieren und hat dann hundert verschiedene Übergangsblenden im Video. Braucht kein Mensch. Ein harter Cut und eine Blende reichen aus. Mit der Blende kannst Du einen Zeit- oder Ortssprung erzählen und mit dem Cut wechselst Du einfach die Perspektive. Das reicht für den Anfang aus und richtig eingesetzt kann man damit komplette Filme schneiden. Konzentrier Dich lieber auf Deine Handlung.

Ich verwende Premiere Pro von Adobe. Die Software hat sich ein wenig zum Quasi-Standard im Low-Budget-Bereich entwickelt. Man kann damit eigentlich alles machen. Angefangen habe ich damals mit Final Cut, was mir eigentlich besser gefiel. Aber da wir im Team auch Windows-User haben, sind wir irgendwann auf Premiere gewechselt. Die Software macht wie gesagt alles, ist aber leider auch etwas verbuggt. Abstürze sind keine Seltenheit, was leider die abnehmende Qualität im Hause Adobe unterstreicht. Aber die Software ist in der Cloud enthalten und somit gut und günstig. Voll geile Rock ’n Roll-Software sieht aber anders aus.

Ihr könnt auch problemlos mit so einfachen Programmen wie iMovie anfangen, aber da stösst man dann doch schnell an die Grenzen. Wollt Ihr aber nur einen kleine Urlaubsclip schnippeln, dann versucht es ruhig damit. Ich hatte auch mal etwas mit iMovie auf dem iPad experimentiert und das hat echt Spaß gemacht.

Erst denken, dann abdrücken

Wie in der Fotografie, so ist auch beim Film die Technik nur die halbe Miete.  Ob ein Film gut oder schlecht ist, entscheidet sich nicht durch eine hohe Auflösung oder Framerate. Inhalt, Idee und ein spannender Schnitt sind wichtig. Mein liebstes Negativbeispiel ist der Schwiegervater, der bei der Hochzeit die Kamera auf ein Stativ stellt, dann aus einer Perspektive alles filmt und anschließend das ungeschnittene Rohmaterial auf DVD brennt, um dann mit einer Vorführung dessen sämtliche positive Erinnerungen an die Hochzeit zu pulverisieren.

Wie wichtig Planung ist, merke ich immer wieder. Drehen wir einfach drauf los, so dauert der Schnitt viel länger und wir eiern am Set mehr rum. Daher macht es Sinn aufzuschreiben wie der fertige Film aussehen soll. Ein kleines Storyboard hilft ungemein. Ja, Planung kostet Zeit, spart aber hinterher. Wenn Ihr einfach drauf los filmt, dann denkt daran, dass Ihr Euch das ganze Material später auch angucken müsst, um die guten Stellen heraus zu finden. Da nervt jede Minute, die zu viel gedreht wurde. Ich weiß nicht, wie es beim großen Film ist, aber ich denke mal, dass Planung und Vorbereitung deutlich mehr Zeit in Anspruch nehmen, als der Dreh selbst. Passt die Planung, so ist der Dreh eine Abarbeitung von festgelegten Szenen. Also erst denken, dann aufnehmen.

So, das reicht für den Anfang. Noch ein kleiner Linktipp zum Schluß. Schaut mal auf dem Youtube-Kanal von Mike Suminski vorbei. Der hat dort jede Menge Tipps für Filmemacher.

Veröffentlicht in: Know How nach oben

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Kommentare (22)

  • Alexander schrieb am 23.03.2015

    Äh, wow… Danke! Da lösch ich mal ein, zwei Bücher von meiner Amazon-Wunschliste! Das schreit nach einer Fortsetzung oder einer kleinen Serie…

  • Philipp schrieb am 23.03.2015

    Schöner Artikel 🙂 Habe jetzt 9 oder 10 Tabs offen mit Equipment. Verdammt, GAS schlägt immer wieder zu…
    Noch so als kleine Erweiterung zur Schnittsoftware:
    Wer sich von einer steilen Lernkurve nicht abschrecken lässt und auch mal die Finger von der Maus lassen kann, der ist mit Lightworks (https://www.lwks.com/) als Schnittprogramm gut bedient. Läuft unter Windows, Linux und Mac OS. Was man aber beachten muss: In ein Projekt passen immer nur Aufnahmen einer einzigen Framerate, man muss also entweder gleich entsprechend aufnehmen oder vorher mit anderer Software neu berechnen.
    In der kostenfreien Variante ist die Ausgabe auf MP4 in 720p beschränkt – das reicht aber vollkommen aus, um es hinterher mit ffmpeg wieder auf 1080p zu rechnen, wenn man denn unbedingt die FullHD-Auflösung braucht.

  • Hallo Patrick,
    wieder mal ein schöner Artikel der die Grundlagen auf den Punkt bringt.
    Aus meiner Erfahrung mit Schnittprogrammen kann ich auch einen Blick auf den Avid Media Composer empfehlen. Der spielt zwar in einer (preislich) höheren Liga, hat mich bis jetzt in meinem Beruf aber immer zuverlässig und solide begleitet. Avid war mitte der neunziger Jahre eines der ersten Unternehmen, die eine Schnittsoftware auf den Markt gebracht haben. Die haben veruscht den analogen Schnitt auf einem Schneidetisch bestmöglich in einer Software abzubilden und das ist ihnen mit dem Blick auf das Wesentliche auch gelungen.

  • Michael schrieb am 23.03.2015

    Hi Paddy,
    Cooler Überblick. Ich musste bei einigen deiner Aussagen innerlich laut lachen, denn genau die selben Erfahrungen durfte ich auch durchlaufen. Und das mit dem Ton, dass ist wirklich ne echte Zicke. Ich filme gerade eine Solistin (Geige) und z.B. auch wie sie im Klaviertrio spielt. Zum Glück sind sie extrem geduldig und spielen gerne ein paar mal mehr das Konzert für mich durch 😀

    Grüss dich aus der Schweiz
    Michael

  • Jörg schrieb am 23.03.2015

    Hi Paddy,
    cool, darauf habe ich mal gewartet, aber sowas von! Zunächst mal (wieder) ein Lob von mir. Du betonst zwar, dass du kein Experte in der Videografie bist. Aber ich lerne viel lieber von jemanden wie dir, der es immer sehr gut schafft, Wissen verständlich zu transportieren, als von jemandem der absoluter Experte ist, aber alles unverständlich und umständlich erklärt und es vor allem nicht auf den Punkt bringt!
    Ich würde auch gerne mehr filmen, bin bisher allerdings auch immer an der Komplexität gescheitert, vor allem, was die Schärfe betrifft. Zudem ist mein Lieblingsmotiv derzeit meine kleinen Kinder, da ist es nix mit Planung und Storyboard. Wenn ich das so richtig rausgelesen habe, dann kann ich das mit der Schärfe in solchen Situationen (also sich bewegende Kinder) auch vergessen, oder?
    Ich versuche es nunmal mit deiner Formel: 1080p x 25fps x 1/50 + Stativ 🙂
    Benutzt Du immer den M Modus oder S (Zeitvorgabe 1/50)?
    Viele Grüße,
    Jörg

  • Olli schrieb am 23.03.2015

    ui ui ui ui ! Das ist viel Input !
    Da hast du dir mal wieder richtig viel Mühe gegeben.
    Ich hab leider (noch) nicht die Erfahrung mit bewegten Bildern gemacht.
    Werde ich aber definitiv mal probieren.

  • Richard Baraban schrieb am 23.03.2015

    Hallo Patrick

    Wie verwendest du eigentlich das Zoom H1? Brauchst du für Aufnahmen ein zusätzliches Ansteckmikrofon, welches du an das H1 ansteckst, oder steckst du das ding einfach in die Innentasche ?

  • Andreas schrieb am 23.03.2015

    Hi, Paddy,
    vielen Dank für diesen klasse Beitrag… Habe gerade gemerkt, was ich falsch gemacht habe… und hoffe, dass ich nun doch noch was von meinen Filmaufnahmen in Rwanda in einen brauchbaren Film schneiden kann..
    Nochmals vielen Dank und beste Grüße,
    Andreas.

  • Robert schrieb am 24.03.2015

    Hi Paddy,

    super informativer Beitrag! Ich war mal bei einem professionellen Dreh dabei und dein Beitrag ist einfach ne super und kompakte Zusammenfassung.

    Hat das mit den mit den 50p/60p nicht was damit zu tun, dass wir Europäer 50Hz Wechselstrom haben und die USAler 60Hz und irgendwas mit Flimmern oder so?!

    Mir kommt vor da mal was gehört zu haben…

    Schöne Grüße
    Robert

  • Leon schrieb am 24.03.2015

    Hi Paddy,
    hast du schon mal die videotauglichkeit von Photoshop angetestet? Ich bin Video-Neuling, fotografiere aber schon eine Weile und kenne mich daher auch in PS ein wenig aus. Ich will ungern eine neue Software „lernen müssen“. Hast du Erfahrungen?

  • Hallo Paddy
    Ich weiss nicht ob man dich für den Blog Eintrag lieben oder hassen soll:)
    Nein spass bei Seite ein richtig geiler Eintrag so ausführlich habe ich dies noch nicht gelesen
    Wo du fast alles von A-Z Punkte Abarbeitest! Sau geil!!
    Pro und Kontra dieses Artikel ist wenn du Filmen möchtest musst du Kohle Investieren.
    Das steht auf jeden fall fest.
    Eine Frage hätte ich an dich. Als Schnittsoftware empfehlung würdest du eher dem Anfängern die Adobe Premiere Pro software weiter empfehlen oder die Finalcut von Mac man hört und liest so viel darüber. Klar denke ich das im pro Bereich sicher die Adobe software besser abscheidet. Oder ratest du gleich zu dieser Software zu greifen da man früher oder später dort landet wie die andere Software an seine grenzen stösst?
    Danke Paddy für die zahlreichen Blog Einträge und guten Beiträge!

  • Mikel schrieb am 25.03.2015

    Hallo Paddy,

    klasse Artikel und wie immer gut lesbar und verständlich geschrieben. Zwei Anmerkungen hätte ich da aber noch:

    HD ready ist üblicherweise die Bezeichnung für die Geräte, die diese Auflösung wiedergeben können. Die Unterscheidung ist eher 720=“HD“ und 1080 „Full HD“.

    Beim Zeilensprungverfahren („interlaced“=i) wird in der Tat nur die Hälfte der Bilder angezeigt, aber die andere Hälfte wird nicht daraus generiert, sondern einfach DANACH angezeigt und zwar so schnell, dass wir das Bild dann als Ganzes wahrnehmen. In den Schnittprogrammen kann man übrigens die Halbbildreihenfolge einstellen, also ob das obere oder untere Halbbild zuerst angezeigt werden soll.

    Korrigiere mich, wenn ich falsch liege, aber ich glaube, so ist es richtig 😉

  • Claudia schrieb am 25.03.2015

    Hallo!
    Echt ein toller Bericht. 🙂 Ich lese deine Berichte echt gern und hab dadurch schon sehr viel gelernt!
    Noch zur Ergänzung zum Thema „Stative“:
    Ich verwende sehr gern ein 3-achsiges gimbalgesteuertes Stativ.
    Die Kamera bleibt so immer gerade und bei Bewegung der Kamera hat es den Effekt dass die Kamera über den Boden „schweben“ würde!
    Ist etwas teuer aber einfach Spitze!
    http://www.amazon.de/gp/product/B00LN3A3AA/ref=as_li_tl?ie=UTF8&camp=1638&creative=19454&creativeASIN=B00LN3A3AA&linkCode=as2&tag=diversconnect-21&linkId=RTOAPXOAWMEH6BFY

    LG Claudia

  • Coolwalda schrieb am 25.03.2015

    Hallo Paddy,

    [Klugscheiß-Modus an]
    bezüglich Interlaced ist dir, glaube ich, ein kleiner Fehler unterlaufen. Das zweite Halbbild wird nicht generiert, sondern es werden Halbbilder gesendet, abwechselnd die Zeilen mit gerader Zeilenzahl und ungerader Zeilenzahl (also Zeile 1, 3, 5, 7… dann 2, 4 …,) wobei es auf die Quelle ankommt, welches Halbbild zuerst geschickt wird. Daraus entstehen auch die Kammeffekte, weil das folgende Halbbild schon wieder in den Bewegungen des Inhalts ein Stück weiter ist. Ein Fernseher gleicht das aus, der PC-Monitor nicht.
    [Klugscheiß-Modus aus]

    Ändert aber nichts an dem guten kurzen Überblick auf alle Aspekte des Filmens mit DSLR

    Mach weiter so. Es ist immer wieder erfrischend deinen Blog zu lesen und die Videos anzusehen. Noch ein kleines Lob hinterher:

    Die Fotoschnacks, die du mit Gunther Wegner machst, sind super im Schnitt und in der Info zum Thema, man könnte sagen, sie sind sendetauglich, leider etwas selten im Erscheinungsrhythmus (ich weiß, ist ein Haufen Arbeit), Grüße auch an ihn

    Gruß Coolwalda

    • Coolwalda schrieb am 25.03.2015

      Grüße natürlich an Gunther, nicht an den Erscheinungsrhythmus
      😉

  • Greg schrieb am 26.03.2015

    Hallo Zusammen,

    in diesem Zusammenhang kann ich auch folgenden -kostenlosen- Online-Kurs der FH Lübeck zu „Grundlagen der Videoproduktion“ empfehlen, der am 30.3.15 losgeht:

    https://mooin.oncampus.de/mod/page/view.php?id=223

    Gruß

  • Sven schrieb am 26.03.2015

    Vielen Dank für diesen Artikel der zur richtigen Zeit kommt, da ich das Thema „Video“ auch mal gerne angehen möchte.
    Gibt es denn Literatur die du Videoeinsteigern empfehlen kannst?

    Viele Grüße
    Sven

  • ebs schrieb am 26.03.2015

    Danke für die informative und übersichtliche Zusammenfassung! Eine Frage hätte ich, Ihr habt doch sooooviele tolle Nikon und Olympus Kameras, wieso filmt Ihr mit einer GH4?
    lg
    ebs

  • Jörg schrieb am 03.04.2015

    Habe ich gerade bei youtube entdecket; da sind einige echt gute Tutorials zu dem Thema hier dabei, zwar auf Englisch aber leicht zu verstehen (wen wunderts… sind Deutsche): https://www.youtube.com/user/FenchelJanisch2

  • Paulo schrieb am 03.04.2015

    Hallo Paddy,

    toller Beitrag, besten Dank dafür. Mich würde mal deine Videotasche (analog deiner Fototsche) interessieren.

    Weiter so…bin treuer Leser deiner Posts

  • Marko schrieb am 09.04.2015

    Danke Paddy,

    für die ausführlichen Informationen. Das hat mir echt weitergeholfen! :))

    VG Marko

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