Hier kommt mal wieder eine kleine Geschichte, die ich heute beim Versuch mein Geld unters Volk zu bringen erlebt habe.

Es ist Monatsanfang, Geld ist auf dem Konto und zudem wurde letzte Woche vollkommen unerwartet ein wenig Geld in meine Gadgetkasse gespühlt. Beste Voraussetzungen also um loszuziehen und sich mal wieder ein kleines Fotogadget zu kaufen. Das Objekt(iv) meiner Begierde war das Nikon VR 105 f/2,8 Micro. Schon seit einigen Wochen liebäugel ich mit dem Objektiv, da ich richtig Bock auf Makrofotografie habe. Dennoch wollte ich es nicht einfach so online bestellen, zumindest mal in natura wollte ich es begutachten und möglichst auch mal direkt an einer Kamera ein wenig damit rumspielen. Kann ja nicht so schwer sein, gibt ja genug Läden in der Hamburger City. Bewaffnet mit einem Online-Vergleichspreis von ca. 750,- € und Ebay-Gebrauchtpreisen von ca. 600 – 650 € bin ich also losgezogen. Ich war bereit 800,- € für das Objektiv zu zahlen, dafür dass ich es gleich mitnehmen kann. Etwas teurer darf der stationäre Handel daher gerne sein.

Zuerst bin ich zu Wiesenhavern in der Mönckebergstrasse. Ein renommierter Fotoladen mit riesiger Auswahl. Ein großes Schild, welches auf eine Tiefstpreisgarantie hinwies liess mich zudem auf einen bezahlbaren Preis hoffen. Nach wenigen Minuten hatte dann auch ein Fachberater Zeit für mich. Das Gespräch lief dann in etwa so ab:

Ich: “Ich interessiere mich für das Nikon 105er Makro. Haben Sie das da?”
Er schaut im Coputer nach: “Nein, ist leider nicht da, kann ich aber Montag da haben.”
Ich: “Hmm, schade, wollte das gute Stück mal ausprobieren. Was würde es denn bei Ihnen kosten?”
Er schaut wieder im Computer nach: “979,- €”
Ich huste und ringe nach Luft: “Das sind ja mal schlappe 200,- € mehr als online …”
Er: “Ja, aber meine Beratung ist doch schließlich auch etwas wert.”
Ich: “Ja, ok, verstehe ich. Den Online-Preis will ich auch gar nicht haben. Aber 200 Tacken mehr ist ja doch ganz schön viel. Wie ist denn das mit der Tiefstpreisgarantie zu verstehen?”
Er: “Die gilt für vergleichbare Angebote im stationären Handel innerhalb von Hamburg. Wir gehen jeden Preis mit, außer Online-Preise. Außerdem haben Sie ja online nur eine eingeschränkte Garantie und zudem sind die günstigen Objektive im Internet meist Grauimporte.”
Ich: “Naja, da muss man sich halt den Online-Händler genau anschauen.”
Er: “Gut, wir können uns dann noch mal über den Preis unterhalten, wenn das Objektiv da ist.”
Ich: “Vielen Dank, ich schaue dann erst noch mal bei einem anderen Händler vorbei”

OK, der Mensch war eigentlich ganz nett, auch wenn ich seine Argumentation mit den Grauimporten etwas übertrieben fand. Außerdem klangen 979,- € dann nicht ernsthaft nach einem Preis, der auch nur annäherungsweise konkurrenzfähig ist. Da ich keinen Vergleichswert hatte, war die Sache mit der Tiefstpreisgarantie auch hinfällig.

Also auf zu Saturn, die haben eine riesige Fotoabteilung und eine eigene Nikonecke. Dort angekommen habe ich das Objektiv auch schon in der Vitrine gesehen. Das Preisschild sagte 859,- €. Auch nicht gerade ein Schnäppchen, aber zumindest mal etwas realistischer. Ich hole mir also einen Mann mit blauem Hemd ran, so einen Saturn Fachberater. Es hat genau 2 Sekunden gedauert um festzustellen, dass der Typ weder Ahnung noch Bock hat. Wiederwillig ist er mit mir zur Vitrine getapert und hat das 105er rausgeholt und wieder ergab sich ein Dialog:

Ich: “Kann ich das Objetiv mal an einer Kamera ausprobieren? Vorzugsweise eine D90.”
Er: “Ja, können wir mal machen.” … “Hier” und gibt mir die D90 mit dem Objektiv.
Ich: “Die Kamera macht nix, keine Fokussierung, ich denke der Akku ist zu leer, der blinkt schon.”
Er holt eine zweite D90: “Hier”
Ich: “Öhm, ich denke der Akku ist auch leer” ;-)
Er holt eine D80: “Hier”
Ich fange an zu spielen und bin gleich begeistert. Geil, wie nah man damit ans Motiv ran kommt. “Aber wieso kann ich denn nur Blende 3,3 einstellen?”
Er: “Das weiss ich auch nicht, wird aber an der Kamera liegen. Nicht alle unterstützen die Blende.”
Ich: “Aha, das kann ich ja nicht so richtig glauben.” Ich spiele noch ein bisschen mit dem Objektiv rum und bin wirklich extrem begeistert. Das muss ich haben, egal wie wenig Ahnung der Typ hat. Ich denke, dass mit der Blende hat schon einen Grund und glaube kaum, dass etwas kaputt ist oder die Kamera diese nicht unterstützt.

Ich: “Ich gebe Ihnen 800,- € und nehme das Objektiv dafür gleich mit. Haben sie es noch originalverpackt da oder nur den Aussteller?”
Er ringt nach Luft und ist sichtlich pikiert: “Ich muss gucken ob es noch mal da ist, aber 800? Keine Chance”
Ich: “Schauen Sie doch erst mal ob es noch da ist und wenn nicht können wir ja vielleicht über einen Preis für das Ausstellungsstück reden.”
Er geht grummelnd zum Computer: “Ist nur noch der Aussteller da” und greift zum Hörer. Kurze Zeit später schmeisst er mir kommentarlos 839,- an den Kopf.
Ich: “Für das Ausstellungsstück von dem Sie mir noch nicht mal sagen können wieso die Blende nur auf 3,3 einzustellen geht?”
Er: “Ja” und zeigt durch seine Körperhaltung, dass das Gespräch nun für ihn beendet sei.

OK Du Fachberater, leck mich doch, denke ich. Man kann doch mal fragen, woher soll ich wissen, dass ich Majestätsbeleidigung begangen habe? Das Klischee der großen Elektrofachmärkte wurde mal wieder voll erfüllt. Keine Ahnung, keinen Bock und preislich nur bei den Angeboten der Woche interessant.

Nun war ich schon mal ziemlich am Ende. Ihr könnt mich alle mal, ich kaufe online. Da ist es billiger und zudem muss ich mir nicht dieses inkompetente Geschwafel anhören. Ich fahre jetzt nach Hause, mache ein paar Klicks und nächste Woche ist das Objektiv meins. Am Auto angekommen habe ich meine Frau dann erst einmal angerufen und mein Leid geklagt von diesen Honks, die mein Geld nicht wollen. Sie meinte dann ob ich schon mal bei 1000 Töpfe war. Hääääh? 1000 Töpfe? Was soll das denn? Ich will ein Objektiv, keinen Kochtopf. Die haben eine Fotofundgrube in der Langen Reihe hinterm Hauptbahnhof, meinte sie. Meine Frau will mich verarschen war der erste Gedanke, aber da ich ja nun mal in der Nähe vom Hauptbahnhof war, kann ich da ja mal hin. 15 Minuten später stand ich im Laden. Eigentlich ganz charmant, bis unter die Decke voll mit Fotokrempel, auch jede Menge ausgefallner Nerdkram, nicht nur dieses Mainstream-Knipsizeug. Und dann, ich traue meinen Augen nicht. Da steht das 105er Nikon bei den gebrauchten Objektiven. Neuwertig stand dabei und so sah es auf den ersten Blick auch aus. OK, gleich mal nen Verkäufer rangeholt. Der steckt mir das Objektiv auch gleich auf eine D90 und scheint dabei auch noch gut drauf zu sein. Erzählt gleich von seiner Vorliebe für Makros und wir kommen ins Gespräch. Dennoch kann ich auch hier das Objektiv nicht auf Blende 2,8 einstellen. Der Verkäufer weiss auch nicht sofort rat und wir probieren eine D300, gleiches Problem. Dann plötzlich halte ich die Kamera auf ein entferntes Motiv und schon springt die 2,8 rein. Ah ok meint der Typ, jetzt kann ich es erklären. Hat wohl mit dem extrem langen Fokusweg in dem Objektiv zu tun, wodurch im extremen Nahbereich nicht die maximale Blende zur Verfügung steht. Komisch denke ich, aber scheint ja so richtig zu sein.

Was soll das gute Stück denn kosten? 599,- € war seine Antwort. Verpackung ist nicht vorhanden aber es gibt eine 4-wöchige Übernahmegarantie. Die gebrauchten werden bei Ankauf gecheckt und die erste Begutachtung bestätigt, dass das Teil wirklich wie neu ist. Leider kann er mir nicht genau sagen wie alt es ist. Innerlich hüpfe ich schon. 599,- ist doch geil, bei Ebay gehen die Teile für über 600 weg, mal vorsichtig fragen ob noch was am Preis geht. 579,- € sagt er und ein Mikrofasertuch für die Reinigung legt er auch noch oben drauf. Ich überlege keine Sekunde, bezahle und freue mich wie ein kleines Kind.

Nun bin ich stolzer Besitzer des Nikon 105 mm f/2,8 und habe einen neuen Lieblingsladen entdeckt. Die Fotofundgrube hat wirklich jede Menge gebrauchtes Zeug, oft zwar ältere Modelle, aber der ein oder andere Schatz ist dabei. Am wichtigsten jedoch ist die Beratung. Der Typ war supernett, liess mit sich reden und hatte Ahnung. So muss es sein. Tschüss Saturn, Tschüss Wiesenhavern.